Kurzkritik: Black Sea

We all live in a yellow submarine – The Beatles

Premierenstimmung! Das Kino hatte extra den roten Teppich ausgerollt, schließlich sollte das erste Mal eine Sneak Preview besucht werden.
Bei den Trailern wuchs die Spannung. Mist, nicht John Wick…Puh, nicht Bros before Hos. Dann Filmbeginn, hoffentlich Birdman, hoffentlich Birdman…Und dann kam der Führer. Na klasse, diese Nazis wird man auch nicht mehr los.

Zum Glück folgte dann der Schnitt in die Gegenwart, sozusagen eine Schwarzblende *no pun intended* und es begann Black Sea, der uneheliche Ziehsohn von Jagd auf Roter Oktober und Das Boot (beide noch nicht gesehen, aber kennste einen, kennste alle.)

Jude Law ist alt und abgewrackt, eine Rolle, die ihm irgendwie ganz gut steht und die beweist, dass er nicht nur den Grafen von Sowieso und den anderen Herzog von Ent oder Weder spielen kann. Er wurde gefeuert und beschließt, dass son bisschen Nazigold ja ein schönes Ruhegeld wäre. Und da man Nazigold nur in U-Booten findet, braucht man auch selbst ein U-Boot. Und da das natürlich nur russisch sein kann, muss die Hälfte des Teams (man braucht ja auch Konfliktpotenzial auf dem Boot) auch aus Russen sein.

Was dann kommt, ist über weite Strecken wirklich stimmig inszeniert, packend und spannend. Gerade ich, der ein Faible für Unterwasserwelten hat, kommt bei so etwas natürlich auf seine Kosten. Man ist gespannt, in welche Überraschung (natürlich selten gut), die Crew als Nächstes stolpert und vor allem, welche Dummheit als Nächstes begangen wird.

Und hier haben wir auch den Hauptgrund dafür, warum Black Sea eben nur ein ganz guter und kein großartiger Film ist: Die Handlung wird fast ununterbrochen von dummen Aktionen und platten Klischees vorangetrieben – tiefgangtechnisch bewegt sich der Streifen eher in der Badewanne als im Bodensee. Mehrfach habe ich mir im Kino mit der flachen Hand vor die Stirn geschlagen.

Wenn man bestimmte Dinge ja noch irgendwie akzeptieren kann (Wie wird man so einen Barren Gold mit Hakenkreuz eigentlich los? Geht man zum Altgoldhändler seines Vertrauens?), fragt man sich manchmal schon, ob Regisseur Kevin Macdonald nicht was Logischeres hätte einfallen können, um Spannung zu schaffen. Ein U-Boot-Fresser-Krakenangriff, zum Beispiel. Und auch die Charaktere bleiben eher blass (unter dem Meer gibt es ja auch nicht viel Sonne.)

Davon abgesehen wird die Enge und Bedrohlichkeit aber gut eingefangen und überzeugend in Szene gesetzt. Es gibt einige Unterwasseraufnahmen, die zwischen beeindruckend und eher so geht so schwanken, einen unauffälligen, aber passenden Score und okaye Schauspieler, allen voran Jude Law, der wirklich das Beste aus seiner eher schwachen Rolle macht.

Insgesamt wird Black Sea nicht langweilig und war wahrscheinlich auch für den Großteil der Sneakbesucher ein konsensfähiges Erlebnis, trotzdem sollte man keine Meisterleistung oder Neuerfindung des Genres erwarten. Aber mit 7 von 10 Torpedos ist Black Sea kein Blindgänger, sondern ein gelungener Auftakt für das Kinojahr 2015, das aber auch noch Luft (oder in diesem Fall Wasser) nach oben hat.


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