Oscars Werkschau 2015 – Teil 1: Grand Budapest Hotel

Plenty of room at the Hotel California. Any time of year you can find it here. Eagles – Hotel California

Okay, ich gebe zu, das Einstiegszitat ist nicht besonders kreativ, Wes Andersons Oscarhotel liegt nicht in Kalifornien und es kommt nicht ein einziger Igel im Film vor. Aber wenigstens ist es ein Hotel und damit doch immerhin ein Anfang. Ein Anfang nämlich für diese erste Oscarfilmkritiksbeschreibungsrezensionsgedönsdingens 2015! Und alle so: „Hey, das Wort gibt’s aber so nicht!“ Und ich dann so: „Hey, das Grand Budapest Hotel gibt´s auch so nicht. Und es steht auch nicht in Ungarn!“ Hätten wir das also schon einmal geklärt.

Lang lang (wie der chinesische Pianist) ist es her, dass ich Grand Budapest Hotel gesehen habe. Irgendwann Anfang 2014, kurz bevor ich temporär nach Irland auswanderte, habe ich im wundervollen Rostocker Lichtspieltheater Wundervoll den ersten Nominierten für den Film des Jahres gesehen. Und damals konnte ja keiner ahnen, dass der Film mit neun Nominierungen zusammen mit Birdman zu den großen Favoriten des Jahres gehören würde.

So kann ich mich auch nicht mehr an alle Details erinnern, sodass ich, bevor ich diesen Text verfassen konnte, erst noch einmal bei Wikipedia nachlesen musste, was überhaupt passiert. Denn so richtig ist mir die Handlung nicht im Gedächtnis hängen geblieben. Vielmehr glaube ich mich zu erinnern, dass ich schon direkt nach dem Kinobesuch so dachte: Hä?

Da Hä? Jedoch eher unzureichend für eine Inhaltsangabe ist, versuche ich kurz und wie immer spoilerfrei zusammenzufassen, was Wikipedia über die Zusammenfassung des Films zusammenfasst, oder so. Es gibt vier Zeitebenen und fünf Kapitel und eigentlich wird auf jeder Ebene eine Geschichte erzählt, die auf einer anderen Ebene zu einer anderen Geschichte führt und wie auf eine andere Ebene überleitet. Eigentlich geht es aber um den Lobbyboy Zéro und seinen charismatischen Lehrmeister Gustave H.

Dieser hat einen Schlag bei den Frauen und bekommt ein Bild vererbt, dass irgendwie jeder haben will und auch die Polizei und sowieso ist ja grad Krieg und die Schriftstellerei, die spielt auch eine wichtige Rolle und Verfolgungsjagden und Schnee. Ehrlich gesagt dachte ich mehrfach beim Lesen der Zusammenfassung: Was, das ist passiert? Daran kann ich mich gar nicht erinnern! Trotzdem ist Grand Budapest Hotel ein Film, der einem im Gedächtnis bleibt und zwar ob seiner tollen Optik und seiner vielen Stars. Meiner Meinung ist hier eindeutig Style over Substance die Devise.

Einmalig ist, was Wes Anderson für Bilder auf die Kinoleinwand (oder inzwischen auf den heimischen Fernseher) wirft und was für eine eigene kleine Welt er dort und damit entwirft. Am besten lässt es sich für mich mit dem Wort pittoresk beschreiben. Nicht selten denkt man, man schaut sich eine quietschbunte Puppenstube mit vielen lustigen Puppen an. Dazu kommen vereinzelte Scherenschnitteinlagen, verrückte Kameraeinstellungen und tolle Kulissen. Wirklich ein Festmahl für die Augen, wobei man, wie bei jedem guten Festmahl irgendwann mal satt ist. Es ist aber nicht dieses: „Boah, ich muss gleich spucken“-satt, sondern viel mehr ein „Ich würde gern noch einen Happen essen aber ich kann nicht mehr“-satt.

Der Cast ist, wie fast immer wenn Wes Anderson einen Film macht, hochkarätig besetzt. Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Tilda Swinton, Edward Norton, Bill Murray usw. usf. Es ist zwar schön die Nasen (vor allem die von Adrien Brody) mal vereint zu sehen, allerdings entsteht dabei auch wieder ein Problem, das ich häufig bei Filmen des Regisseurs habe. Es wird einfach kaum eine Symphatiefigur entwickelt. Alles geht so schnell: Zack,da. Zack, weg. Und die Tatsache, dass sie alle verrückte und verschrobene Figuren sind, macht die Sache nicht leichter. Irgendwann dachte ich so: Ach guck, wieder ein Star, der kurz durch das Bild huscht und dann nie wieder kommt. Auch hier wieder ein Effekt, den böse Zungen als Ablenkung vom eigentlichen Film auslegen könnten.

Ich bin aber keine böse Zunge und so kann ich einen Besuch im Grand Budapest Hotel schon insgesamt empfehlen. Es sieht schick aus, hört sich gut an und ist in einigen Momenten durch seine Skurrilität wirklich witzig. Trotzdem ist es halt mehr Kino für die Augen, als für das Herz und ich habe mich zwischendrin schon ein wenig gelangweilt. Daher ist er für mich auch kein (potenzieller) Gewinner in der Kategorie bester Film. Aber dazu kommen wir (Pluralis Majestatis) gleich. Erst noch schnell die 7 (von 10) Punktekoffer auf das Hotelzimmer bringen.

Oscarchancen? Bei neun Nominierungen sollte schon der eine oder andere Goldjunge für Wes Anderson und sein Team drin sein (auch wenn American Hustle im letzten Jahr zeigte, dass man auch 10-mal nominiert werden kann und dann trotzdem nichts gewinnen muss.) Wie gesagt, bester Film und auch beste Regie sind meiner Meinung nach unwahrscheinlich. Szenebild ist fast ein Muss, Kamera und Schnitt sind die Chancen sicher auch nicht schlecht und auch beim Originaldrehbuch hat der Streifen sicher noch ein Wort mitzureden.

Nominiert für:

  • Bester Film
  • Beste Regie
  • Bestes Originaldrehbuch
  • Bestes Szenenbild
  • Beste Kamera
  • Bestes Kostümdesign
  • Bester Schnitt
  • Bestes Make-up und beste Frisuren
  • Beste Filmmusik

0 Antworten auf „Oscars Werkschau 2015 – Teil 1: Grand Budapest Hotel“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


sieben × sieben =