Der Marlboro-Mann

The saddest thing that I‘d ever seen, were smokers outside the hospital doors. Editors – Smokers outside the hospital doors

Wenn eine Idee schon über sieben Jahre in meinem Kopf rumschwebt und da einfach nicht herausgeht, dann muss sie verdammt gut sein, schließlich herrscht da oben neben einem reichlichen Durcheinander auch ein ständiges Kommen und Gehen.

Im Jahre 2008 hatte ich die Idee zu einem Werbespot. Er sollte – so meine gewagte Phantasie – in Kinos laufen. Da ich jedoch nicht über ausreichendes filmisches Know-How und die, für meinen tollkühnen Plan nötigen, finanziellen Mittel verfüge, wurde dieser Film nie gedreht und lief somit einzig und allein in meinem kleinen Kopfkino.

Da jedoch heutzutage bei Raubkopien selbst vor kleinen Indie-Kopfkino-Produktionen nicht zurückgeschreckt wird, habe ich beschlossen, meine Idee hier niederzuschreiben. Sollte dann also doch jemand den Spot drehen, könnte ich wenigstens anschließend nett fragen, ob die Person mich irgendwie am garantiert eintretenden, unermesslichen Ruhm beteiligt.

Der Titel des Spots ist Der Marlboro-Mann und ich versuche alles möglichst genau zu beschreiben, jedoch dürft ihr die gedanklichen Leerstellen gerne mit Beiwerk füllen.

Es ist ein sonniger Tag und die Kamera fängt einen sehr runtergekommenen Bahnsteig ein. Es sieht aus, als wäre die letzte Bahn hier schon längst abgefahren. Unkraut wuchert, eine alte grüne Holzbank, bei der die Farbe schon abplatzt ist, steht verloren herum und sogar einen alten Aschenbecher gibt es, ein Relikt aus einer Zeit, als noch keine kleinen gelben Quadrate die Bahnhöfe dieser Welt musterten.

Auf der Bank sitzt ein alter, ungepflegter Mann, der auch so aussieht, als hätte er seine besten Tage schon hinter sich. Zerschlissene, ausgewaschene Jeans, ein kaputtes Karohemd und ein Gesicht wie sieben Jahre Kohlebergwerk. Zerfurcht, abgespannt, kaputt. Die Haare fettig und verklebt und der Bart voll, aber nicht rasiert, sondern verwahrlost.

Der Marlboro-Mann sitzt da und die Kamera fängt ihn langsam ein und hält unangenehm drauf. Langsam holt er mit seinen schmutzigen Händen eine Packung Zigaretten aus der Brusttasche. Mit gelben Fingernägeln fischt er sich zitternd eine Kippe raus und zündet diese bedächtig mit einem Streichholz an. Er inhaliert die erste Dosis Rauch mit geschlossenen Augen, verzieht aber sonst keine Miene.

Die Kamera schwenkt und zeigt in der Ferne einen Zug, der näherkommt. Allerdings nur sehr klein als Punkt zu erkennen. Die Luft flimmert, es ist heiß. Ein schöner Tag. Der Mann steht auf und stellt sich an den Bahnsteig. Alles passiert sehr langsam. Er wartet. Der Zug kommt. Er zieht. Rauch umweht seinen Kopf.

Dann erreicht ihn die Bahn und es gibt einen riesigen Knall, Explosionen, dichter, schwarzer Nebel. Blackscreen. Die Kamera fährt raus und dabei lichtet sich der Rauch etwas. Man sieht den entgleisten, brennenden Zug. Ein Rad dreht sich. Zerstörung und die Kamera fährt weiter raus und der Blick fällt auf einen abgetrennten Arm, der dort unter der Lok hervorschaut. In der Hand die Zigarette und in genau diesem Moment fällt ein letztes Stück Asche von der Kippe. Blut fließt aus dem Arm heraus. Es bildet sich ein Satz. Immer deutlicher wird es. Da steht: Jeder Zug kann tödlich sein.


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