Rocky – Ein Musical, ein Film und ich

It’s the eye of the tiger, it’s the thrill of the fight, rising up to the challenge of our rival. Survivor – Eye of the Tiger

Fast 40 Jahre ist es nun her, dass Sylvester Stallone zum ersten Mal die Boxhandschuhe anzog und als symphytischer Underdog Rocky Balboa in den Ring stieg. Als großer Boxfilmfan habe ich natürlich alle Teile gesehen und war dementsprechend überrascht und gespannt gleichermaßen, als vor 3 Jahren bekannt wurde, dass aus dem Leinwandstoff ein Musical gemacht wird. Gestern habe ich es nun endlich geschafft, dass Operettenhaus hier in Hamburg zu besuchen und wurde im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen.

Bevor ich gleich ein paar Worte zum Musical verliere, noch einige Kleinigkeiten zu diesem Beitrag. Ich werde nach der kurzen Besprechung des Musicals auch noch eine Rezension des Films in den zweiten Teil dieses Beitrags packen. Diesen Text habe ich vor 4 Jahren für Moviepilot geschrieben und er war meine 100. Rezension dort. Ebenfalls werde ich noch ein Youtube-Video vom Gastspiel des Musicals bei Wetten Dass in den Artikel einbinden. Darin bekommt man schon mal einen sehr guten Eindruck, was einem beim Besuch der Show erwartet.

Rocky_Hamburg

Nur noch zwei Wochen ist Hamburg die Boxmusicalhauptstadt Deutschlands, danach wird Rocky ab November in Stuttgart aufgeführt. Wer keine Lust den gesamten Text zu lesen, für den hier kurz die wichtigste Info: Wer in den nächsten zwei Wochen Zeit hat und in Hamburg oder seinem erweiterten Umland wohnt, sollte sich Rocky – Das Musical unter keinen Umständen entgehen lassen. Wer in Baden-Württemberg lebt, sollte dann ab November unbedingt einen Besuch einplanen.

Ich sitze in der 14. Reihe, genau in der Mitte des Operettenhauses und bin gespannt, wie man einen Boxfilm auf die Bühne bringt. Damals im Film frage Adrian ihren Rocky: “Why do you wanna fight?”, woraufhin dieser antwortete: “Because I can‘t sing or dance.” Die idealen Voraussetzungen also für ein Musical. Aber alle anderen, die vorher schon hier waren, waren hellauf begeistert und auch ich bin gepackt, als das Orchester die ersten Töne der Ouvertüre anspielt.

Das zentrale musikalische Motiv kombiniert das bereits aus dem Film bekannte Gonna fly now und Eye of the Tiger von Survivor, welches allerdings erst im vierten Rockyfilm als Untermalung für die Trainingsmontage auftaucht. Macht aber nix, denn der Song ist großartig und passt auch perfekt zu Rocky und seiner Geschichte.

Die Energie, die vom Orchestergraben ausgeht, überträgt sich sofort auf die Bühne. Und obwohl diese relativ klein ist, so ist sie doch für mich der eigentliche Star des Stückes. Was die Techniker dort immer wieder hinzaubern, ist schlicht gigantisch. Ständig bewegt sich irgendwas, Teile erscheinen oder werden gedreht oder in die Luft gehoben, Videoleinwände fliegen hinein, auf denen Livebilder von der Bühne erscheinen, ein bisschen Regen fällt und überhaupt ist ständig etwas los. Es wird bis zum Ende nie langweilig und die zweite Hälfte überbietet die erste sogar noch, worauf ich jedoch nicht weiter eingehen möchte, um nicht zu viel zu verraten.

Die Geschichte ist die gleiche wie auch im Film: Rocky ist Boxer und hat irgendwie nichts so richtig hinbekommen. Als schon keiner mehr damit rechnet, will es der Zufall, dass er auf einmal gegen den Champion Apollo Creed antreten kann. Nebenbei füttert er seine Schildkröten und kriegt seine große Liebe Adrian rum. Das gewinnt nun keinen Innovationspreis, ist dafür aber deutlich realitätsnäher als sprechende Züge oder singende Katzen.

Allerdings besteht darin auch ein erstes Problem. Generell wird im Musical ja oft das besungen, was gerade passiert, beziehungsweise was die Figuren gerade denken. Das wird allerdings stellenweise unfreiwillig komisch, wenn es um die körperlichen Versehrtheiten oder Tierfutter geht. Dazu kommt, dass Rocky eine deutsche Produktion ist und man das den Texten leider stellenweise auch anmerkt. Teilweise klingt es, wie das erste selbstgeschriebene Gedicht eines Grundschülers. Aber gleichzeitig passt das irgendwie auch zu dem liebenswürdigen Tollpatsch Rocky.

Die Musik ist hier meiner Meinung nach sowieso zweitrangig. Ich hatte zwar gerade bei Adrian auch ein wenig Gänsehaut, aber insgesamt spielt der Gesang nicht so eine große Rolle. Schließlich geht es ums Boxen und das wird auch auf der Bühne reichlich gemacht. Die Choreographien sind beeindruckend und vor allem wird wirklich gekämpft, was man auch als Zuschauer merkt. Bereits dreimal hat sich Rocky-Darsteller Drew Sarich die Nase gebrochen. Ich konnte gestern auch eine ältere Dame beobachten, die beim Finalkampf wirklich mitgefiebert hat und kaum hingucken konnte.

Aber auch um mich war es da am Ende vollkommen geschehen. Ich saß mit offenem Mund da und war wirklich überwältigt. Kein Wunder also, dass es stehende Ovationen gab. Drei Stunden, die ich nicht so schnell vergessen werde. Wer nun also auch Lust hat, sollte auf jeden Fall die Chance nutzen. Tickets gibt es auch normalerweise immer noch direkt am Abend, auch bei uns waren einige Plätze frei. Und auch wenn es, typisch für ein Musical, ziemlich teuer ist, so hat es sich für mich doch mehr als gelohnt.

Hier jetzt noch meine versprochene Filmrezension zu Rocky: Passend zum heutigen Silvester, das ja bekanntlich nach Herrn Stallone benannt wurde, habe ich mir endlich einmal Rocky angeschaut.

Rocky ist einer dieser Filme, den irgendwie jeder kennt, wenn es jedoch darum geht, was genau passiert, oder ob man den Film schon mal konzentriert geschaut hat, muss man passen. So war ich dann auch etwas überrascht, dass der vermeintliche Sportfilm doch eher ein Liebes-Außenseiter-Sozial-Streifen ist.

Wir sehen nur am Anfang eine kurze Boxszene und natürlich gegen Ende das oft zitierte und auch persiflierte Training, sowie den äußerst spannenden Kampf zwischen Rocky und Apollo Creed. Sonst sieht man wie Rocky Tiere streichelt, flirtet, schlechte Witze macht, böse guckt aber doch eigentlich ganz lieb und nett ist.

Sly macht dabei meiner Meinung nach eine doch recht gute Figur. Na klar ist er auf keinen Fall der begnadetste Schauspieler und seine Mimik und Gestik wirkt oft ein wenig hölzern, das alles passt aber ziemlich gut auf den Boxer, der ein bisschen doof ist und nichts richtig auf die Reihe kriegt, dafür aber das Herz am rechten Fleck hat.

Die Dialoge sind teilweise unterirdisch. Man möchte selbst die Fleischhälfte sein, auf die zu Trainingszwecken eingeprügelt wird, um einiges schnellstmöglich wieder zu vergessen. Auch die Figuren übertreiben teilweise extrem, sodass es stellenweise lächerlich wirkt. Die Beziehung von Paulie und seiner Schwester ADDDDRRRRIIIAAAAANNNN ist sehr dick aufgetragen oder auch die Dialoge mit dem Trainer. Aber Schwamm drüber. Denn spätestens wenn das bekannte Gonna fly now einsetzt (und auch sonst ist der Soundtrack durchaus hörenswert) und man den, naja fast noch jungen Sly, durch die Straßen laufen sieht, fühlt man sich irgendwie wohl. Der Film, mit all seinen Ecken und Kanten, macht einfach Spaß und wird zum Ende hin sogar richtig spannend. Es ist also nicht der ganz große Wurf, aber ein Film, den man durchaus mal gesehen haben darf. Am besten heute, an Silvester, zu Ehren von Sly.

Apollo Creed: „Apollo Creed vs. the Italian Stallion. Sounds like a damn monster movie.“


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