Die Revolution der Neujahrsvorsätze

Und dein Herz lächelt milde während es spricht, gute Ideen aber schaff es ja doch nicht. Marcus Wiebusch – Was wir tun werden

Und was hast du dir so für das nächste Jahr vorgenommen?

Die Weihnachtsgeschenke stehen noch unter dem Baum, der Festtagsbraten verdaut noch vor sich hin und die Silvesterpläne sind eigentlich auch schon seit Monaten festgemacht (wobei sich natürlich in letzter Sekunde noch einmal alles ändert und Leute absagen und nachfragen und dann doch alles ganz anders kommt.) Spätestens dann kommt auch das erste Mal die Frage auf – entweder stellt sie ein entfernter Familienangehöriger am Essenstisch, weil alle anderen Smalltalk-Themen ausgesprochen sind oder ein Kollege in der WhatsApp-Arbeitsgruppe – die wie Bleigießen zu Silvester und wie Günter Jauch zu allen Jahresrückblicken gehört: Welche Vorsätze hast du für das nächste Jahr?

Oft kommt einem der Gedanke auch ganz alleine, wenn man auf das vergangene Jahr zurückschaut (auch ohne Günter Jauch) und denkt: So geil war das ja alles irgendwie nicht. Ich befinde mich zum Beispiel momentan in einem Zustand der ununterbrochenen Nahrungszunahme und mit Nahrung meine ich Festessen, Süßigkeiten, Dessert, mehr Süßigkeiten und alles, was noch so Zuhause an essbaren Gütern zu finden ist. Das ist irgendwie doof, aber nichts zu ändern und ich weiß ja auch, dass ich es anders kann und wieder anders können werde und überhaupt. Aber im Moment geht es nicht. Da liegt der Vorsatz natürlich nah, für das nächste Jahr zu sagen: Endlich wieder richtig auf die Ernährung achten und immer alles weightwatchersmäßig aufschreiben und noch einmal ganz viel abnehmen und überhaupt nie mehr naschen und ganz viel bewegen.

Aber machen wir uns nichts vor: Das wird so nix. Eine Woche: okay, geschenkt. Meinetwegen auch der erste Monat, aber ich kenne mich ja auch selbst, von daher weiß ich, dass Vorsätze für mich einfach nicht funktionieren. Sie sind mir einfach zu final und außer dem schlechten Gewissen, das ich sehr gut ausblenden kann, gibt es keinerlei Kontroll- oder Bestraf- oder auch Belohnungsinstanz. Und wenn man sie bewusst schwammig hält, kann man sich ohne Probleme auch ganz fantastisch selbst betrügen. Ich werde mehr Sport machen bedeutet ja letztendlich auch, einmal im Monat 30 Minuten ins Schwimmbad gehen, oder? Ich meine, ist ja Sport und der Weg dahin ist auch Bewegung. Oder der Vorsatz, weniger zu essen: Wenn ich zukünftig einfach eine Handvoll Chips wegschmeiße, nachdem ich sie als Dessert nach Pizza und Eis gegessen habe, ist das ja auch weniger essen.
Man könnte die Liste noch ewig fortsetzen. Ich bin unglaublich gut im Selbstbetrug und kann für jeden guten Vorsatz automatische einen Weg finden, ihn wieder auszuhebeln, frei nach dem Zitat von Captain Planet Alles wird besser nächste Jahr. Und das kann man dann auch im Januar schon sagen, nachdem man mit all seinen mühsam aufgestellten Vorsätzen gebrochen hat.

Was nun also tun? Na klar, der einfachste Weg ist einfach sich nichts vorzunehmen und einfach zu machen, was gut ist und worauf man gerade Bock hat. Kann man auf jeden Fall machen. Aber manchmal ist ja so ein gewisses Ziel, auf das man hinarbeitet wirklich hilfreich und ich weiß, dass es für mich so in bestimmten Bereichen besser funktionieren kann. Ich hatte dazu eine Idee, die ich euch einmal vorstellen möchte. Ich werde das folgende System auf jeden Fall ausprobieren und würde mich freuen, wenn ein paar Leute mitmachen. Ich habe mir keinen catchy Namen ausgedacht, drum nenne ich es jetzt einfach mal, spontan aus dem Ärmel geschüttelt, das Trophäensystem fürs Leben oder die Revolution der Neujahrsvorsätze.

Wenn ihr Videospieler seid, könntet ihr vielleicht schon eine Idee haben, woher der Ursprung der Idee kommt. Es ist quasi eine Gamification des Vorsatzgedankens. Gamification ist eine Übernahme von bestimmten Aspekten aus Videospielen in andere Bereiche. So bekommt man zum Beispiel in Foren Bonuspunkte für das Verfassen von Artikeln und kann so in seinem Rang aufsteigen. Auch Weight Watchers hat viel von Gamification an sich. Man bekommt für verschiedene Lebensmittel Punkte und kann mit Bewegung Punkte dazugewinnen und wenn man erfolgreich war bekommt man für alle abgenommenen 3 Kilos einen Stern und bei bestimmten Zwischenzielen noch weitere Belohnungen.

Der Aspekt, den ich jetzt für meine Vorsätze aufgreifen will, ist das Trophäensystem der Playstation. So etwas gibt es inzwischen auch bei allen anderen Systemen und Spieleplattformen, aber da ich ein Playstation-Kind bin, orientiere ich mich daran. Es geht dabei darum, dass man abseits des eigentlichen Spielgeschehens bestimmte Sonderaufgaben hat, die nicht für den Abschluss der Haupthandlung gebraucht werden, die aber einen kleinen Erfolg aufblinken lassen, wenn man sie erfüllt. Das kann zum Beispiel sein, dass man bei einem Autorennen eine Runde komplett im Rückwärtsgang fährt oder insgesamt 100 Kilometer im Spiel zurückgelegt hat. Es gibt dann eine Übersicht und man bekommt einen kleinen digitalen Pokal, je nach Schwierigkeit der Aufgabe in Bronze, Silber oder Gold. Wenn man alle Bonusaufgaben gelöst hat, bekommt man eine Platintrophäe.
Wer nun also – anders als ich – nicht für so etwas anfällig ist, kann und wird so etwas auch getrost ignorieren. Ich habe aber schon schlechte Spiele durchgespielt, nur um die Platintrophäe zu bekommen? Warum? Kann ich nicht genau beantworten, vielleicht hat das etwas mit einer Leidenschaft für das Abarbeiten von Listen zu tun. Jedenfalls funktioniert es und darum kann ich mir vorstellen, diese Erfolge auch in den echten Lebensalltag zu holen.

Klassische Vorsätze in der KTV in Rostock

So funktioniert es:

Zuerst müssen wir uns Dinge überlegen, die wir im nächsten Jahr machen wollen, Ziele, die wir erreichen wollen, Sachen, die wir ändern wollen. Bei Spielen gibt es schon mal 50 dieser Aufgaben, für unser System reichen aber 10 bis 15 Dinge für die Liste. Wichtig ist, dass diese messbar sein müssen, weniger essen oder mehr Sport geht also nicht. Außerdem müssen es auch realistische Ziele sein, die man selbst zumindest zum großen Teil beeinflussen kann. Jeden Tag im Sommer die Sonne genießen ginge auf mehreren Ebenen nicht, weil nicht genau ist, was Sommer ist und wir das Wetter nicht beeinflussen können. Auch würde ich zum Beispiel nicht raufschreiben, Millionär zu werden. Das ist zwar theoretisch machbar, praktisch aber doch relativ schwer in einem Jahr zu erreichen.

Ich will jetzt nicht alle meine Ziele verraten, da es ja auch zum Teil recht persönliche Dinge sein können. Aber ich gebe euch mal ein paar Beispiele, was ich raufschreibe, vielleicht habt ihr dann eine Idee, was ich meine. Gerne könnt ihr mir dann aber auch eine E-Mail schicken (chef-3-etage [@] web[Punkt]de) oder mir bei Facebook schreiben oder irgendwie anders Kontakt zu mir aufnehmen (Rauchzeichen, maybe) und dann überlegen wir zusammen, was noch so geht. Hier also mal ein paar Beispiele, die auf meine Trophäenliste kommen:

• 6 Texte schreiben (Poetry Slam oder Blog)
• 3 Tage im Ausland verbringen
• Einen Monat alles was ich esse für Weight Watchers aufschreiben
• Einen Halbmarathon laufen
• 3 Museen besuchen
• 5 Bücher lesen
• Ein Fahrrad kaufen

Ihr seht also, dass es sowohl kleine, als auch größere Dinge sein sollen. Durch die Zählbarkeit kann man auch kleine Zwischenschritte gut sehen, denn so ein Jahr kann ja auch verdammt lange dauern und da motiviert es schon sehr, wenn man nach und nach sieht, wie sich die Liste füllt.

Mein Vorschlag für die Visualisierung ist, dass ihr die Punkte auf ein großes Blatt Papier schreibt und dieses dann irgendwo hinhängt, wo ihr sie jeden Tag seht. Ich werde die Liste bei mir an meine Wohnungstür hängen. Und immer wenn ihr ein Ziel erreicht habt, hakt ihr es ab. Wenn ich mein erstes Buch 2018 gelesen habe, kommt hinter den entsprechenden Punkt ein Strich, sodass ich sehe, dass ich nur noch vier Bücher von meinem Ziel entfernt bin.

Der Vorteil dieses Systems gegenüber der klassischen Vorsätze ist, dass man auf jeden Fall Erfolge verzeichnen kann, auch wenn man nicht alles zu 100 Prozent schafft. Außerdem beschäftigt man sich vorher etwas genauer mit sich selbst. Was will ich eigentlich wirklich erreichen, welches Hobby mal wieder aufnehmen und was ist mir wirklich wichtig. Und durch die Liste wird man jeden Tag wieder dran erinnert und verliert seinen Weg nicht so schnell aus den Augen. Wenn ihr wollt, könnt ihr das ganze auch noch mit einem Belohnungssystem kombinieren. Wenn ihr die Hälfte der Ziele geschafft habt, gönnt ihr euch dies oder jenes und wenn ihr alles geschafft habt, feiert ihr eine große Party. Das muss aber gar nicht sein und ich werde es auch ohne zusätzliche materielle Belohnung versuchen.

Ich bin wirklich gespannt, ob das so klappt. Wenn nicht, kann ich auch nichts verlieren. Darum freue ich mich drauf, es auszuprobieren und würde mich riesig darüber freuen, wenn ein paar von euch mitmachen. Denn wie wir alle wissen, gehen solche Sachen zusammen immer ein ganzes Stück leichter. Gebt mir gerne Bescheid und lasst uns dann auch in einem Jahr noch einmal genau auswerten, wie es gelaufen ist.


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