Archiv der Kategorie 'Nerdkram'

Rocky – Ein Musical, ein Film und ich

It’s the eye of the tiger, it’s the thrill of the fight, rising up to the challenge of our rival. Survivor – Eye of the Tiger

Fast 40 Jahre ist es nun her, dass Sylvester Stallone zum ersten Mal die Boxhandschuhe anzog und als symphytischer Underdog Rocky Balboa in den Ring stieg. Als großer Boxfilmfan habe ich natürlich alle Teile gesehen und war dementsprechend überrascht und gespannt gleichermaßen, als vor 3 Jahren bekannt wurde, dass aus dem Leinwandstoff ein Musical gemacht wird. Gestern habe ich es nun endlich geschafft, dass Operettenhaus hier in Hamburg zu besuchen und wurde im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen.

Bevor ich gleich ein paar Worte zum Musical verliere, noch einige Kleinigkeiten zu diesem Beitrag. Ich werde nach der kurzen Besprechung des Musicals auch noch eine Rezension des Films in den zweiten Teil dieses Beitrags packen. Diesen Text habe ich vor 4 Jahren für Moviepilot geschrieben und er war meine 100. Rezension dort. Ebenfalls werde ich noch ein Youtube-Video vom Gastspiel des Musicals bei Wetten Dass in den Artikel einbinden. Darin bekommt man schon mal einen sehr guten Eindruck, was einem beim Besuch der Show erwartet.

Rocky_Hamburg

Nur noch zwei Wochen ist Hamburg die Boxmusicalhauptstadt Deutschlands, danach wird Rocky ab November in Stuttgart aufgeführt. Wer keine Lust den gesamten Text zu lesen, für den hier kurz die wichtigste Info: Wer in den nächsten zwei Wochen Zeit hat und in Hamburg oder seinem erweiterten Umland wohnt, sollte sich Rocky – Das Musical unter keinen Umständen entgehen lassen. Wer in Baden-Württemberg lebt, sollte dann ab November unbedingt einen Besuch einplanen.

Ich sitze in der 14. Reihe, genau in der Mitte des Operettenhauses und bin gespannt, wie man einen Boxfilm auf die Bühne bringt. Damals im Film frage Adrian ihren Rocky: “Why do you wanna fight?”, woraufhin dieser antwortete: “Because I can‘t sing or dance.” Die idealen Voraussetzungen also für ein Musical. Aber alle anderen, die vorher schon hier waren, waren hellauf begeistert und auch ich bin gepackt, als das Orchester die ersten Töne der Ouvertüre anspielt.

Das zentrale musikalische Motiv kombiniert das bereits aus dem Film bekannte Gonna fly now und Eye of the Tiger von Survivor, welches allerdings erst im vierten Rockyfilm als Untermalung für die Trainingsmontage auftaucht. Macht aber nix, denn der Song ist großartig und passt auch perfekt zu Rocky und seiner Geschichte.

Die Energie, die vom Orchestergraben ausgeht, überträgt sich sofort auf die Bühne. Und obwohl diese relativ klein ist, so ist sie doch für mich der eigentliche Star des Stückes. Was die Techniker dort immer wieder hinzaubern, ist schlicht gigantisch. Ständig bewegt sich irgendwas, Teile erscheinen oder werden gedreht oder in die Luft gehoben, Videoleinwände fliegen hinein, auf denen Livebilder von der Bühne erscheinen, ein bisschen Regen fällt und überhaupt ist ständig etwas los. Es wird bis zum Ende nie langweilig und die zweite Hälfte überbietet die erste sogar noch, worauf ich jedoch nicht weiter eingehen möchte, um nicht zu viel zu verraten.

Die Geschichte ist die gleiche wie auch im Film: Rocky ist Boxer und hat irgendwie nichts so richtig hinbekommen. Als schon keiner mehr damit rechnet, will es der Zufall, dass er auf einmal gegen den Champion Apollo Creed antreten kann. Nebenbei füttert er seine Schildkröten und kriegt seine große Liebe Adrian rum. Das gewinnt nun keinen Innovationspreis, ist dafür aber deutlich realitätsnäher als sprechende Züge oder singende Katzen.

Allerdings besteht darin auch ein erstes Problem. Generell wird im Musical ja oft das besungen, was gerade passiert, beziehungsweise was die Figuren gerade denken. Das wird allerdings stellenweise unfreiwillig komisch, wenn es um die körperlichen Versehrtheiten oder Tierfutter geht. Dazu kommt, dass Rocky eine deutsche Produktion ist und man das den Texten leider stellenweise auch anmerkt. Teilweise klingt es, wie das erste selbstgeschriebene Gedicht eines Grundschülers. Aber gleichzeitig passt das irgendwie auch zu dem liebenswürdigen Tollpatsch Rocky.

Die Musik ist hier meiner Meinung nach sowieso zweitrangig. Ich hatte zwar gerade bei Adrian auch ein wenig Gänsehaut, aber insgesamt spielt der Gesang nicht so eine große Rolle. Schließlich geht es ums Boxen und das wird auch auf der Bühne reichlich gemacht. Die Choreographien sind beeindruckend und vor allem wird wirklich gekämpft, was man auch als Zuschauer merkt. Bereits dreimal hat sich Rocky-Darsteller Drew Sarich die Nase gebrochen. Ich konnte gestern auch eine ältere Dame beobachten, die beim Finalkampf wirklich mitgefiebert hat und kaum hingucken konnte.

Aber auch um mich war es da am Ende vollkommen geschehen. Ich saß mit offenem Mund da und war wirklich überwältigt. Kein Wunder also, dass es stehende Ovationen gab. Drei Stunden, die ich nicht so schnell vergessen werde. Wer nun also auch Lust hat, sollte auf jeden Fall die Chance nutzen. Tickets gibt es auch normalerweise immer noch direkt am Abend, auch bei uns waren einige Plätze frei. Und auch wenn es, typisch für ein Musical, ziemlich teuer ist, so hat es sich für mich doch mehr als gelohnt.

Hier jetzt noch meine versprochene Filmrezension zu Rocky: Passend zum heutigen Silvester, das ja bekanntlich nach Herrn Stallone benannt wurde, habe ich mir endlich einmal Rocky angeschaut.

Rocky ist einer dieser Filme, den irgendwie jeder kennt, wenn es jedoch darum geht, was genau passiert, oder ob man den Film schon mal konzentriert geschaut hat, muss man passen. So war ich dann auch etwas überrascht, dass der vermeintliche Sportfilm doch eher ein Liebes-Außenseiter-Sozial-Streifen ist.

Wir sehen nur am Anfang eine kurze Boxszene und natürlich gegen Ende das oft zitierte und auch persiflierte Training, sowie den äußerst spannenden Kampf zwischen Rocky und Apollo Creed. Sonst sieht man wie Rocky Tiere streichelt, flirtet, schlechte Witze macht, böse guckt aber doch eigentlich ganz lieb und nett ist.

Sly macht dabei meiner Meinung nach eine doch recht gute Figur. Na klar ist er auf keinen Fall der begnadetste Schauspieler und seine Mimik und Gestik wirkt oft ein wenig hölzern, das alles passt aber ziemlich gut auf den Boxer, der ein bisschen doof ist und nichts richtig auf die Reihe kriegt, dafür aber das Herz am rechten Fleck hat.

Die Dialoge sind teilweise unterirdisch. Man möchte selbst die Fleischhälfte sein, auf die zu Trainingszwecken eingeprügelt wird, um einiges schnellstmöglich wieder zu vergessen. Auch die Figuren übertreiben teilweise extrem, sodass es stellenweise lächerlich wirkt. Die Beziehung von Paulie und seiner Schwester ADDDDRRRRIIIAAAAANNNN ist sehr dick aufgetragen oder auch die Dialoge mit dem Trainer. Aber Schwamm drüber. Denn spätestens wenn das bekannte Gonna fly now einsetzt (und auch sonst ist der Soundtrack durchaus hörenswert) und man den, naja fast noch jungen Sly, durch die Straßen laufen sieht, fühlt man sich irgendwie wohl. Der Film, mit all seinen Ecken und Kanten, macht einfach Spaß und wird zum Ende hin sogar richtig spannend. Es ist also nicht der ganz große Wurf, aber ein Film, den man durchaus mal gesehen haben darf. Am besten heute, an Silvester, zu Ehren von Sly.

Apollo Creed: „Apollo Creed vs. the Italian Stallion. Sounds like a damn monster movie.“

Oscars Werkschau 2015 – Teil 2: Boyhood

Wo gehen wir hin? Wo kommen wir her? Was ist der Sinn? Ist da noch mehr? Die fantastischen Vier – Geboren

Das Leben schreibt die besten Geschichten. Da aber das Leben halt kein Regisseur ist und somit auch keine Filme drehen kann, was wiederum auch bedeutet, dass eine Nominierung für den Oscar und die damit zusammenhängende Besprechung (die eher eine Beschreibung ist) hier unmöglich ist, hat sich Filmemacher Richard Linklater gedacht, dass man ja auch einfach das Leben verfilmen kann. Oder kurz: Boyhood erzählt die Geschichte eines Lebens. Also eigentlich nur einen Teil daraus, nämlich den, in dem ein Mensch von einem Kind über den langen und beschwerlichen Umweg Pubertät zu einem jungen Erwachsenen wird.

Der Clou an der ganzen Sache ist, dass Boyhood über elf Jahre hinweg gedreht wurde. Linklater zeigt seine Protagonisten quasi in Echtzeit. Aber – da war ich selbst ein wenig verwirrt – der Film ist keine Dokumentation, sondern erzählt eine fiktive Geschichte.

Im Zentrum steht dabei Mason, den wir bei seiner Zeit im Knabenalter (Übersetzung LEO) begleiten. Wir gehen gemeinsam mit ihm in die Schule, trinken unseren ersten Alkohol und fangen gemeinsam an, uns für Mädchen zu interessieren. Vor allem aber flicken wir uns Stück für Stück eine immer größer werdende Patchworkdeckenfamilie zusammen.

Und je größer der Familienflickenteppich wird, um so größer werden auch die Probleme und Spannungen zwischen den Akteuren. Vor allem die neuen Lebensabschnittsgefährten von Masons Mutter Olivia (Patricia Arquette) sorgen für Konflikte und reichlich Zoff.

Für mich war es ziemlich spannend zu sehen, dass mir die Geschichte eigentlich gar nicht so wichtig war. Es gab keinen klassischen Handlungsverlauf mit aufsteigendem Spannungsbogen, der sich auf den einen Höhepunkt zubewegt. Viel mehr war es eine gleichbleibend unaufgeregte Erzählung, die als Vehikel für das Konzept des Films funktioniert hat.

Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass es Linklater darum ging, eine revolutionäre Geschichte zu erzählen. Es sind die Charaktere, die hier wichtig sind und die wir mit jeder der (teilweise etwas zu langen) 163 Minuten immer besser kennenlernen. Wir werden als Zuschauer irgendwie Teil der Familie.

Aber so ist es eben ein bisschen wie beim großen Familienessen am Sonntag. Es ist schön, alle wiederzusehen und mit ihnen Zeit zu verbringen, aber am Ende ist man auch wieder froh, wenn man allein Zuhause ist. Ich habe mich nie gelangweilt bei Boyhood, aber dieses Gefühl, zurück in mein „richtiges Zuhause“ zu wollen, war mehr als einmal da.

So kann ich auch nicht ganz verstehen, warum Boyhood im letzten Jahr über als DER FILM schlechthin verkauft wurde. Eine Durchschnittswertung von 100 von 100 möglichen Punkten bei 49 Kritiken (Metacritic) ist schon mehr als krass. Und das keiner davon den Film wenigstens ein bisschen blöd findet, ist in meinen Augen mehr als erstaunlich.

Jeder, der ein Herz für Familienfilme hat und damit leben kann, dass eben nicht viel passiert, sollte sich Boyhood aber vormerken. Wer zudem noch ein Faible für Filme hat oder sich selbst als Cineast bezeichnet, kommt eh nicht drum herum, den Streifen zu schauen, denn Boyhood ist ein bis dato einzigartiges und ambitioniertes Experiment, das auf jeden Fall funktioniert. Dafür gibt es von mir, auch wenn es nie mein Lieblingsfilm werden wird, 8 von 10 Sonntagsbraten.

Oscarchancen? Boyhood ist der wohl größte Favorit in den Königskategorien Film und Regie und eine Auszeichnung hier wäre definitiv verdient. Richard Linklater hat ein Stück Film geschaffen, das man gesehen haben sollte und das, selbst wenn man der Thematik nicht so viel abgewinnen kann, niemanden wehtut. Den Preis als beste Nebendarstellerin würde ich Patricia Arquette auf jeden Fall gönnen, wobei ich da nicht einschätzen kann, wie die Konkurrenz ist (wie auch bei Ethan Hawke.) Ich glaube, dass Boyhood einer der Gewinner des Abends am 22. Februar in Los Angeles wird.

Nominiert für:

  • Bester Film
  • Beste Regie
  • Bestes Originaldrehbuch
  • Beste Nebendarstellerin
  • Bester Nebendarsteller
  • Bester Schnitt

Oscars Werkschau 2015 – Teil 1: Grand Budapest Hotel

Plenty of room at the Hotel California. Any time of year you can find it here. Eagles – Hotel California

Okay, ich gebe zu, das Einstiegszitat ist nicht besonders kreativ, Wes Andersons Oscarhotel liegt nicht in Kalifornien und es kommt nicht ein einziger Igel im Film vor. Aber wenigstens ist es ein Hotel und damit doch immerhin ein Anfang. Ein Anfang nämlich für diese erste Oscarfilmkritiksbeschreibungsrezensionsgedönsdingens 2015! Und alle so: „Hey, das Wort gibt’s aber so nicht!“ Und ich dann so: „Hey, das Grand Budapest Hotel gibt´s auch so nicht. Und es steht auch nicht in Ungarn!“ Hätten wir das also schon einmal geklärt.

Lang lang (wie der chinesische Pianist) ist es her, dass ich Grand Budapest Hotel gesehen habe. Irgendwann Anfang 2014, kurz bevor ich temporär nach Irland auswanderte, habe ich im wundervollen Rostocker Lichtspieltheater Wundervoll den ersten Nominierten für den Film des Jahres gesehen. Und damals konnte ja keiner ahnen, dass der Film mit neun Nominierungen zusammen mit Birdman zu den großen Favoriten des Jahres gehören würde.

So kann ich mich auch nicht mehr an alle Details erinnern, sodass ich, bevor ich diesen Text verfassen konnte, erst noch einmal bei Wikipedia nachlesen musste, was überhaupt passiert. Denn so richtig ist mir die Handlung nicht im Gedächtnis hängen geblieben. Vielmehr glaube ich mich zu erinnern, dass ich schon direkt nach dem Kinobesuch so dachte: Hä?

Da Hä? Jedoch eher unzureichend für eine Inhaltsangabe ist, versuche ich kurz und wie immer spoilerfrei zusammenzufassen, was Wikipedia über die Zusammenfassung des Films zusammenfasst, oder so. Es gibt vier Zeitebenen und fünf Kapitel und eigentlich wird auf jeder Ebene eine Geschichte erzählt, die auf einer anderen Ebene zu einer anderen Geschichte führt und wie auf eine andere Ebene überleitet. Eigentlich geht es aber um den Lobbyboy Zéro und seinen charismatischen Lehrmeister Gustave H.

Dieser hat einen Schlag bei den Frauen und bekommt ein Bild vererbt, dass irgendwie jeder haben will und auch die Polizei und sowieso ist ja grad Krieg und die Schriftstellerei, die spielt auch eine wichtige Rolle und Verfolgungsjagden und Schnee. Ehrlich gesagt dachte ich mehrfach beim Lesen der Zusammenfassung: Was, das ist passiert? Daran kann ich mich gar nicht erinnern! Trotzdem ist Grand Budapest Hotel ein Film, der einem im Gedächtnis bleibt und zwar ob seiner tollen Optik und seiner vielen Stars. Meiner Meinung ist hier eindeutig Style over Substance die Devise.

Einmalig ist, was Wes Anderson für Bilder auf die Kinoleinwand (oder inzwischen auf den heimischen Fernseher) wirft und was für eine eigene kleine Welt er dort und damit entwirft. Am besten lässt es sich für mich mit dem Wort pittoresk beschreiben. Nicht selten denkt man, man schaut sich eine quietschbunte Puppenstube mit vielen lustigen Puppen an. Dazu kommen vereinzelte Scherenschnitteinlagen, verrückte Kameraeinstellungen und tolle Kulissen. Wirklich ein Festmahl für die Augen, wobei man, wie bei jedem guten Festmahl irgendwann mal satt ist. Es ist aber nicht dieses: „Boah, ich muss gleich spucken“-satt, sondern viel mehr ein „Ich würde gern noch einen Happen essen aber ich kann nicht mehr“-satt.

Der Cast ist, wie fast immer wenn Wes Anderson einen Film macht, hochkarätig besetzt. Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Tilda Swinton, Edward Norton, Bill Murray usw. usf. Es ist zwar schön die Nasen (vor allem die von Adrien Brody) mal vereint zu sehen, allerdings entsteht dabei auch wieder ein Problem, das ich häufig bei Filmen des Regisseurs habe. Es wird einfach kaum eine Symphatiefigur entwickelt. Alles geht so schnell: Zack,da. Zack, weg. Und die Tatsache, dass sie alle verrückte und verschrobene Figuren sind, macht die Sache nicht leichter. Irgendwann dachte ich so: Ach guck, wieder ein Star, der kurz durch das Bild huscht und dann nie wieder kommt. Auch hier wieder ein Effekt, den böse Zungen als Ablenkung vom eigentlichen Film auslegen könnten.

Ich bin aber keine böse Zunge und so kann ich einen Besuch im Grand Budapest Hotel schon insgesamt empfehlen. Es sieht schick aus, hört sich gut an und ist in einigen Momenten durch seine Skurrilität wirklich witzig. Trotzdem ist es halt mehr Kino für die Augen, als für das Herz und ich habe mich zwischendrin schon ein wenig gelangweilt. Daher ist er für mich auch kein (potenzieller) Gewinner in der Kategorie bester Film. Aber dazu kommen wir (Pluralis Majestatis) gleich. Erst noch schnell die 7 (von 10) Punktekoffer auf das Hotelzimmer bringen.

Oscarchancen? Bei neun Nominierungen sollte schon der eine oder andere Goldjunge für Wes Anderson und sein Team drin sein (auch wenn American Hustle im letzten Jahr zeigte, dass man auch 10-mal nominiert werden kann und dann trotzdem nichts gewinnen muss.) Wie gesagt, bester Film und auch beste Regie sind meiner Meinung nach unwahrscheinlich. Szenebild ist fast ein Muss, Kamera und Schnitt sind die Chancen sicher auch nicht schlecht und auch beim Originaldrehbuch hat der Streifen sicher noch ein Wort mitzureden.

Nominiert für:

  • Bester Film
  • Beste Regie
  • Bestes Originaldrehbuch
  • Bestes Szenenbild
  • Beste Kamera
  • Bestes Kostümdesign
  • Bester Schnitt
  • Bestes Make-up und beste Frisuren
  • Beste Filmmusik

Eine Vorschau auf die Oscars 2015 und ein Rückblick auf mein Filmjahr 2014

Theater, Theater, der Vorhang geht auf – Katja Ebstein

Ein Oscar kommt selten allein (außer es ist Oscar aus der Tonne, der ziemlich einzigartig ist) und so werden am 22.2.2015 wieder zahlreiche Goldjungen unter das Volk gebracht. Und nachdem ich mir im letzten Jahr erfolglos vorgenommen hatte, mehr zu schreiben und überhaupt alle Filme zu rezensieren, nehme ich mir das ganze einfach wieder (hoffentlich nicht erfolglos) vor.

Anders als in den vergangenen Jahren sind in diesem Jahr nur acht statt neun Filmen nominiert. Das passt auch ganz gut zu meiner persönlichen Meinung zum Filmjahr 2014: Es war irgendwie nicht schlecht, aber so richtige Kracher fehlten mir. So habe ich zum Beispiel Interstellar heiß erwartet, jedoch entpuppte er sich dann als kleine Enttäuschung. Ich kann nicht mal genau sagen, was mich konkret gestört hat, aber es fehlte irgendwas, weshalb ich, obwohl großer Nolan-Fan, nicht traurig bin, dass es nicht für eine Nominierung zum besten Film gereicht hat.

Was ich aber doch ziemlich schade finde ist, dass der grandiose Lego-Film nicht zum besten Animationsfilm nominiert wurde. Das Klötzchenspektakel war für mich eine der größten Überraschungen des vergangenen Jahres und kann Groß und Klein gleichermaßen viel Spaß machen, vor allem wenn man auf ziemlich quatschige Witze steht. Dafür ist nun ein relativ unbekannter Film nominiert, der nicht mal einen deutschen Wikipedia-Artikel hat – Skandal!
Ebenfalls gegönnt hätte ich Jake Gyllenhaal eine Nominierung, der in seiner Hauptrolle als Louis Bloom mit Nightcrawler meinen persönlichen Film des Jahres 2014 abgeliefert hat. Ein beeindruckend unangenehmer und zeitgleich faszinierender Film mit einem Antihelden, der kaum Sympathiepotenzial hat und mit dem man trotzdem voll mitfiebert. Und das ist eben vor allem Gyllenhaals Performance zu verdanken, die sogar in der unvermeidbaren deutschen Version noch ziemlich großartig war.

Trotzdem bleibt der männliche Hauptdarsteller spannend, da auf jeden Fall – wie auch bei der Regie und dem Drehbuch– jemand gewinnt, der vorher noch nie mit einem Goldjungen ausgezeichnet wurde. Und das ist doch schön, oder? (Rhetorische Frage bitte mit ja beantworten.)

So viel zur Vorbesprechung des Oscarverleihung 2015. Ich freue mich auf die kommenden, filmreichen Wochen. Wird gut, auch wenn meine Mitmenschen möglicherweise minimal von meinem Rumgenerde genervt sein könnten gewesen worden sein, oder so.

Nur noch kurz zum Abschluss meine Top 5 Filme aus dem letzten Jahr:

5. The Raid 2 – Absolut kompromissloser und brutaler Actionfilm aus Indonesien mit okayer Mafiastory, der aber wirklich mitreißend und genial inszeniert ist (deutlich besser als sein Vorgänger.)
4. The Wolf of Wall Street – Hätte ich im letzten Jahr mehr als drei Oscarfilme rezensiert, hätte ich hier auf die Rezension verwiesen. Hab ich aber nicht. Kennt aber eh fast jeder. Drei Stunden, die irgendwie nie langweilig werden und Leonardo DiCarpio, der irgendwie nie nicht gut ist in diesem Film und überhaupt. War gut.
3. American Hustle – Hätte ich im letzten Jahr mehr als drei Oscarfilme rezensiert, ach naja, ihr wisst schon. Sehr schicker und spaßiger Film im 70er-Jahre-Look, von David O. Russell, der schon mit Silver Linings ganz groß abgeliefert hat. Amy Adams…hach und Jennifer Lawrence…hach.
2. Gone Girl – Hätte ich in Irland mehr geschrieben, hätte ich den vielleicht auch rezensiert. Am besten funktioniert das Drama mit der großartigen Rosamund Pike und dem auch nicht schlechten Ben Affleck, wenn man möglichst wenig darüber weiß.
1. Nightcrawler – Hättest du den Text oben gelesen, wüsstest du schon, dass ich den wirklich gut fand. Ein Außenseiter wird zum Katastrophen-Kameramann. Keine leichte Kost, aber ziemlich faszinierend.

Kurzkritik: Black Sea

We all live in a yellow submarine – The Beatles

Premierenstimmung! Das Kino hatte extra den roten Teppich ausgerollt, schließlich sollte das erste Mal eine Sneak Preview besucht werden.
Bei den Trailern wuchs die Spannung. Mist, nicht John Wick…Puh, nicht Bros before Hos. Dann Filmbeginn, hoffentlich Birdman, hoffentlich Birdman…Und dann kam der Führer. Na klasse, diese Nazis wird man auch nicht mehr los.

Zum Glück folgte dann der Schnitt in die Gegenwart, sozusagen eine Schwarzblende *no pun intended* und es begann Black Sea, der uneheliche Ziehsohn von Jagd auf Roter Oktober und Das Boot (beide noch nicht gesehen, aber kennste einen, kennste alle.)

Jude Law ist alt und abgewrackt, eine Rolle, die ihm irgendwie ganz gut steht und die beweist, dass er nicht nur den Grafen von Sowieso und den anderen Herzog von Ent oder Weder spielen kann. Er wurde gefeuert und beschließt, dass son bisschen Nazigold ja ein schönes Ruhegeld wäre. Und da man Nazigold nur in U-Booten findet, braucht man auch selbst ein U-Boot. Und da das natürlich nur russisch sein kann, muss die Hälfte des Teams (man braucht ja auch Konfliktpotenzial auf dem Boot) auch aus Russen sein.

Was dann kommt, ist über weite Strecken wirklich stimmig inszeniert, packend und spannend. Gerade ich, der ein Faible für Unterwasserwelten hat, kommt bei so etwas natürlich auf seine Kosten. Man ist gespannt, in welche Überraschung (natürlich selten gut), die Crew als Nächstes stolpert und vor allem, welche Dummheit als Nächstes begangen wird.

Und hier haben wir auch den Hauptgrund dafür, warum Black Sea eben nur ein ganz guter und kein großartiger Film ist: Die Handlung wird fast ununterbrochen von dummen Aktionen und platten Klischees vorangetrieben – tiefgangtechnisch bewegt sich der Streifen eher in der Badewanne als im Bodensee. Mehrfach habe ich mir im Kino mit der flachen Hand vor die Stirn geschlagen.

Wenn man bestimmte Dinge ja noch irgendwie akzeptieren kann (Wie wird man so einen Barren Gold mit Hakenkreuz eigentlich los? Geht man zum Altgoldhändler seines Vertrauens?), fragt man sich manchmal schon, ob Regisseur Kevin Macdonald nicht was Logischeres hätte einfallen können, um Spannung zu schaffen. Ein U-Boot-Fresser-Krakenangriff, zum Beispiel. Und auch die Charaktere bleiben eher blass (unter dem Meer gibt es ja auch nicht viel Sonne.)

Davon abgesehen wird die Enge und Bedrohlichkeit aber gut eingefangen und überzeugend in Szene gesetzt. Es gibt einige Unterwasseraufnahmen, die zwischen beeindruckend und eher so geht so schwanken, einen unauffälligen, aber passenden Score und okaye Schauspieler, allen voran Jude Law, der wirklich das Beste aus seiner eher schwachen Rolle macht.

Insgesamt wird Black Sea nicht langweilig und war wahrscheinlich auch für den Großteil der Sneakbesucher ein konsensfähiges Erlebnis, trotzdem sollte man keine Meisterleistung oder Neuerfindung des Genres erwarten. Aber mit 7 von 10 Torpedos ist Black Sea kein Blindgänger, sondern ein gelungener Auftakt für das Kinojahr 2015, das aber auch noch Luft (oder in diesem Fall Wasser) nach oben hat.

Oscars Werkschau 2014 – Teil 3: Captain Phillips

I am sailing, I am sailing. Home again ‚cross the sea. Rod Stewart – Sailing

Tom Hanks ist zurück. Okay, er war nie wirklich weg, aber eine Rolle, in der er auftrumpfen kann und einen guten Film trägt, ist doch schon etwas länger her. 19 Jahre nach Forrest Gump spielt er in Captain Phillips mal wieder den titelgebenden Helden. Wie er sich dabei schlägt, warum die Piraten keine Augenklappen tragen und nicht die ganze Zeit „ARRRRRR“ machen und ob man sich den neusten Streich von Paul Greengrass angucken sollte, verrate ich euch gleich. Von der Handlung verrate ich dagegen wie immer nicht viel – ihr könnt also beruhigt weiterlesen, ohne gespoilert zu werden.

Captain Phillips ist – und das kommt jetzt wahrscheinlich für einige mehr als überraschend – Kapitän. Auch ich dachte, dass ich ein Biopic über Gerard Philips, den Gründer des Elektronikkonzerns, zu sehen bekomme. Aber nein, wir haben ein L mehr im Namen und auch sonst gibt es kein auffälliges unauffälliges Product Placement – Tom Hanks trägt sogar Bart und hat nicht die Chance genutzt, sich in einer Szene formschön mit dem neuen Philips-Schwingkopf-Fünfklingentrimmer die Gesichtsbehaarung zu stutzen.

Der Bärtige ist also Schiffslenker (und nein, es gibt auch keine Szene, in der er irgendwo hinschifft) und steuert sein Containerfrachter über alle sieben Weltmeere. Sein aktueller Auftrag führt ihn vom Oman über den Golf von Aden nach Mombasa. Für die Leute, die keine Afrika/Asienkarte im Kopf haben: Der Weg führt vorbei an Somalia und in Somalia gibt es ganz viele Piraten. Darum hat Captain Jack (eigentlich heißt er Richard, aber Jack klingt lustiger) auch ein ganz schlechtes Gefühl als er im Hafen losschippert und lässt die Crew Sicherheitsübungen durchführen. Und weil es wirklich es nicht wirklich hollywoodtauglich wäre, einen Film zu zeigen, wo ein Schiff von A nach B fährt, zwischendrin eine Übung macht und dann problemlos ankommt, treten die Piraten natürlich wirklich auf den Plan. Und dann wird es spannend, denn ein packender Wettkampf zwischen David und Goliath beginnt.

Auch wenn die Grundprämisse erst mal nicht wirklich unterhaltsam klingt – Piraten wollen Schiff kapern, Schiff will nicht gekapert werden und keiner isst Kapern – gelingt es Paul Greengrass wirklich erstaunlich, über zwei Stunden hinweg die Spannung aufrechtzuerhalten. Dabei lässt er sich viel Zeit und lässt die Kamera auch immer wieder auf dem großen Pott und seinen kleinen Verfolgern verweilen, sodass man wirklich ein Gefühl bekommt, mit dabei auf hoher See zu sein. Es sieht einfach toll aus und gerade für mich, der total auf maritimes Flair steht, reichen die Aufnahmen von Chefkameramann Barry Ackroyd schon aus, um dem Film zu mögen.

Die Hauptdarsteller des Films sind zwar vor allem die Schiffe und das Meer, aber ohne gute Akteure ließe sich wohl kaum die Stimmung des Thrillers über die gesamte Spielzeit halten. Dabei liefert der schon erwähnte Tom Hanks natürlich gewohnt souverän ab, aber auch der Rest vom Cast macht einen super Job. Vor allem die Piraten, die von Schauspielanfängern verkörpert werden, überzeugen komplett. Durch sie bekommt die sonst etwas platte und abgedroschene Handlung auch etwas Tiefgang, denn sie werden hier nicht als die bösen, fiesen Piraten präsentiert, sondern als Menschen, die nicht anders können und nur ihre Familie ernähren wollen. Dieser Zwiespalt, in dem sie stecken wird, gut deutlich und auch glaubhaft von Barkhad Abdi und seinen Kollegen verkörpert.

Der Film erzählt eine wahre Geschichte aus dem Jahr 2009 nach, weshalb es natürlich schwierig ist, den Sinn hinter einigen Aktionen zu erfragen. Trotzdem haben wir es nicht mit einer Dokumentation, sondern mit einem Spielfilm zu tun, weshalb er sich diese Fragen zumindest gefallen lassen muss. So sind die Piraten zwar schon glaubhaft und zwiespältig gezeichnet, Captain Phillips selbst wirkt aber wie ein klassischer (ja, vielleicht auch amerikanischer) Superheldenmenschtyp, der nie einen Fehler oder etwas Böses tut und vielleicht sogar am liebsten selbst noch Geld für seine Angreifer spenden würde. Man würde doch ein etwas anderes Verhalten bei Angriffen erwarten. Und auch die Rolle und das Bild des Militärs hätte meiner Meinung nach noch etwas differenzierter ausfallen können.

Außerdem geht der Film halt eben doch über zwei Stunden und soooo viel passiert da eben nicht. Klar ist es schon irgendwie immer spannend und man ist auch gepackt, das täuscht aber nicht über einige kleine Längen hinweg, die es auf jeden Fall gibt. Und auch großartige Innovationen sollte man von Captain Phillips nicht erwarten. Aber die braucht es ja auch nicht immer und ein sehenswerter und spannender Thriller ist es auf jeden Fall, weshalb ich insgesamt 7,5 von 10 Punkten vergebe, eventuell mit einer ganz leichten Tendenz nach oben. Sehr solide Kost mit schönen Bildern, die man aber vor allem kein zweites Mal sehen braucht, da die Spannung vor allem daherrührt, dass man nicht weiß, wie die Situation ausgeht.

Oscarchancen?
Auch wenn Tom Hanks wirklich gut abliefert, ist er – meiner Meinung nach auch zurecht – nicht für einen Goldjungen nominiert. Die Konkurrenz bei den männlichen Hauptdarstellern ist in diesem Jahr auch einfach gigantisch. Bester Film wird er ziemlich sicher auch nicht, beim Preis für den besten Nebendarsteller könnte Barkhad Abdi eine Überraschung gelingen. Bei den Bafta, dem britischen Filmpreis, konnte er das Rennen für sich entscheiden, bei den Oscars würde ich aber eher auf Bradley Cooper oder Jared Leto tippen.

Nominiert für:

  • Bester Film
  • Bester Nebendarsteller (Barkhad Abdi)

Oscars Werkschau 2014 – Teil 2: Nebraska

These boots are made for walking, and that’s just what they‘ll do. Nancy Sinatra – These Boots Are Made for Walkin‘

Ich sitze gespannt und auch etwas müde in einem kleinen Kino in Berlin. Endlich wieder Oscarfilme schauen! Auf dem Programm steht Nebraska, von dem ich eigentlich gar nichts weiß, außer, dass er für den begehrten Hauptpreis nominiert ist. Nach dem Vorspann dann eine Szene in schwarz-weiß. Ich tippe meinen besten Freund neben mir an: „Der ist doch nicht etwa komplett so, oder?“ Er: „Doch, ich dachte, das wüsstest du?!“

Viel zu lange hat es gedauert, dass ich hier endlich mit meiner Werkschau der diesjährigen Academy Awards weitermache. Zum jetzigen Zeitpunkt, gut zwei Wochen vor der Verleihung, habe ich bereits acht der neun Nominierten gesehen. Ich könnte das Gesamtfeld schon gut einschätzen und habe auch schon einen Favoriten, allerdings hebe ich mir das alles noch auf. Heute soll es erstmal um Nebraska gehen. Dabei verzichte ich natürlich wie immer auf Spoiler oder zu detaillierte Hintergründe zur Handlung – ihr sollt den Film ja auch noch selbst schauen.

Es war einmal ein alter Mann (und alte Männer gibt es ja viele, ich selbst bin gar nicht mehr so weit weg davon und womöglich lässt sich dieses Alter auch nicht mehr lange aufhalten – wie dem auch sei) und ein Lotterielos. Diese Lose kennt jeder: Herzlichen Glückwunsch [zufälliger Name in anderer Schriftart], sie haben gewonnen. Überweisen sie uns nur 100 Euro und schon überweisen wir Ihnen 10000 Euro! Dem alten Woody wird sogar noch mehr versprochen: eine Million Dollar, die er sich nur persönlich in Nebraska abholen muss. „1500 Kilometer? Ein Klacks!“, denkt er sich und marschiert los.

Auf einer Autobahnauffahrt wird er von zwei Polizisten gestoppt und nach Hause gebracht (das erinnert mich an eine Geschichte, die mir mal passiert, allerdings war ich da noch nicht alt und senil, habe jedoch noch getrunken.) Apropos Trinken; auch dem war Woody über die Jahre nicht abgeneigt, worunter auch die Beziehung zu seinen Söhnen gelitten hat. Seine Frau (wirklich toll gespielt von June Squibb) meckert und zetert, doch der leicht senile und sehr dickköpfige Rentner geht bei der nächsten Gelegenheit wieder los. Er will seinen Gewinn und lässt sich nicht davon überzeugen, dass die ganze Sache vielleicht nur eine Betrügerei ist.

Also erbarmt sich sein Sohn David, mit ihm die (Tor)Tour zu machen. Beide kommen auch in der alten Heimat vorbei, wo sich schnell rumspricht, dass Woody bald reich ist. Auf einmal fällt jedem ein, dass er ihm doch vor Ewigkeiten was geliehen hat und überhaupt immer schon sein bester Freund war. Und gönnen tut natürlich sowieso keiner keinem etwas. Die Familie zofft und verträgt sich und es entwickelt sich ein familiärer Roadtrip. Allerdings nicht in einem geklauten Sportwagen, wie sonst häufig in Roadmovies, sondern in einem gut klimatisierten Reisebus mit Wärmedecken.

Nebraska verzichtet komplett auf Hektik und ist der wohl am langsamsten erzählte Film im gesamten, diesjährigen Oscarfeld. Die Kamera bleibt lange auf Szenen, es wird oft nicht viel gesagt, Landschaften werden gezeigt und alles wird von einem ganz entspannten Country-Soundtrack untermalt. Es wirkte schon so, als wäre das vorwiegend alte (Ü 50) Kinopublikum mit mir im Saal eher die Zielgruppe, als ich, der ja sowieso ein von Actionfilmen und den Medien abgestumpfter Klotz ist. Und weil alles soooo ruhig und beschaulich war und mein Tag lang und anstrengend, schlummerte ich – gegen meinen Willen – auch einige Minuten ein.

Das machte aber nichts, denn als ich die Augen aufmachte, war immer noch nicht viel passiert. Und auch wenn das alles ziemlich abwertend klingt, ist Nebraska ein guter, ansehnlicher Film, den ich auch gern mehr gemocht hätte. Die Darsteller sind sympathisch, die Stimmung ist versöhnlich, man kann sich gut entspannen und es gibt auch viele wirklich lustige Stellen. Aber in leise, nicht so zum Brüllen komisch. Ich war halt einfach nicht in der Stimmung für so einen Film und auch nicht vorbereitet. Und vielleicht bin ich auch zu jung, aber gleichzeitig wäre es auch ziemlicher Quatsch, die Wirkung eines Films vom Alter abhängig zu machen. Es soll ja auch junge Menschen geben, die Lost in Translation gut finden (für mich persönlich ja absolut unverständlich.)

Wer ein Problem damit hat, sich Landschaften mit Menschen und Musik anzuschauen, ohne dass viel passiert, sollte Nebraska vielleicht lieber weiträumig umfahren. Wem das jedoch bewusst ist, kann mit diesem Film auch ein kleines Juwel entdecken, dass man ins Herz schließen möchte und nicht mehr loslassen, weil es doch so lieb und nett ist. Ich schwanke irgendwo dazwischen und fühlte mich stellenweise gelangweilt, stellenweise gut unterhalten und größtenteils in so eine warme, flauschige Wolke eingehüllt. Und diese Wolke hatte die Form einer 6,5, was ganz zufällig auch meiner Punktzahl entspricht (auf einer Skala von 0 bis 10.)

Oscarchancen? Kaum! In der Königsklasse sind einfach zu viele starke Streifen im Rennen, da ist es zwar schön, dass so eine kleine Komödie etwas Bekanntheit erlangt, allerdings wäre es eine enorme Überraschung, wenn er dort, ebenso wie bei der Regie, gewinnt. Beide Darsteller überzeugen in ihrer Rolle, aber auch da ist die Konkurrenz einfach zu groß, besonders bei den Männern. Ähnliches gilt auch für Drehbuch und Kamera. Ich lege mich mal fest, dass Nebraska leer ausgehen wird. Und damit könnte ich auch leben.

Nominiert für:

  • Nominierung in der Kategorie Bester Film
  • Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Alexander Payne
  • Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Bruce Dern
  • Nominierung in der Kategorie Beste Nebendarstellerin für June Squibb
  • Nominierung in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch für Bob Nelson
  • Nominierung in der Kategorie Beste Kamera

Oscars Werkschau 2014 – Teil 1: Gravity

Völlig losgelöst, von der Erde, schwebt das Raumschiff, völlig schwerelos. Tom Schilling – Major Tom

Da ist so ein Kribbeln. Ein komisches Gefühl auf der Haut. Mein Kopf ist leicht benommen. Irgendwas stimmt da doch nicht. Also Arzt aufgesucht, angestellt, abgecheckt und Aufklärung bekommen: Es sind die Oscars! Nehmen Sie regelmäßig Filme zu sich und bei Risiken und Nebenwirkungen schreiben Sie am besten selbst die Packungsbeilage.

Im letzten Jahr habe ich angefangen, im Rahmen der Oscars zwei von meinen liebsten Hobbys miteinander zu verbinden: Filme und Schreibkram. Da ich Spaß daran hatte, werde ich auch in diesem Jahr wieder versuchen, alle Nominierten für Bester Film zu schauen und für jeden einen kleinen Text zu schreiben. Los geht es mit Gravity, dem SciFi-Streifen von Alfonso Cuarón, der bereits im Oktober des vergangenen Jahres bei uns lief.

Gravity sind 90 Minuten visueller Hochgenuss. Um das zu bezahlen, wurde bei den Schauspielern gespart. Es gibt Sandra Bullock und George Clooney, dazu die Stimme von Ed Harris und einen weiteren Typen. Das war es. Aber der eigentliche Star des Films ist eh der Weltraum, den Alfonso Cuarón und sein Team auf die Leinwand zaubern.

Astronaut Matt Kowalsky und Wissenschaftlerin Ryan Stone haben die Mission, das Weltraumteleskop Hubble zu reparieren. Doch das Weltall ist groß und so fliegt da einiges rum und trifft dann anderes und schon kommt es zur Katastrophe. Und zack ist auf einmal ein Müllsturm in der Umlaufbahn und der trifft dummerweise auch Shuttle, Teleskop und Forscher. Und so nimmt das Unglück seinen Lauf.

Ich muss zugeben, dass ich vor dem Kinobesuch überhaupt nicht an Gravity interessiert war. Ja, die Effekte sollen super sein, aber der Rest? Sandra Bullock, die ne Stunde allein und verwirrt durchs All fliegt – wie soll das bitte ein guter Film werden? Das kann doch überhaupt nicht spannend oder mitreißend sein. Allerdings täuschte ich mich, zumindest ein wenig. Denn irgendwie wurde ich doch mitgerissen. Auch wenn es nur ein Kammerspiel (mit der wahrscheinlich größten denkbaren Kammer überhaupt) ist, kommt doch Spannung auf. Schafft sie, es rechtzeitig zur rettenden Station zu kommen? Was ist mit ihrem Kollegen? Reicht der Sauerstoff? Begegnet sie den Naziflugscheiben aus Iron Sky?

Die visuellen Effekte sind wirklich bombastisch und hier wird Gravity auch mit ziemlicher Sicherheit den Oscar einstreichen. Noch nie zuvor hatte ich nach einem Film so sehr das Gefühl, dass ich doch gern mal die Erde von ganz oben sehen würde (trotz Höhenangst). Selbst richtige Astronauten sollen von dem Ausblick begeistert gewesen sein. Doch auch der Rest der Inszenierung steht der Optik in nichts nach. Alfonso Cuarón spielt mit der Abwesenheit von Geräuschen in der Schwerelosigkeit und setzt nur auf ganz wenige Töne, die dann aber umso beeindruckender wirken. Ergänzt wird alles mit einem Soundtrack, der irgendwie immer passt, aber dabei doch dezent im Hintergrund bleibt.

Also alles gut und volle Punktzahl? Nein, denn auch die schönste Milchstraße hat einige Schlaglöcher. Denn auch wenn Sandra Bullocks Überlebenskampf irgendwie mitreißt, ist es doch außen hui und innen geht so. Denn es bleiben so richtige Überraschungen aus. Sie wird von einer Katastrophe in die nächste geschleudert und dabei geht es auch gerne mal reichlich unrealistisch zur Sache. Okay, ich kann es nicht beurteilen, also ist vielleicht unglaubwürdig der bessere Ausdruck. Gerade im Gegensatz zu der unfassbar realistischen und detaillierten Welt wirken die Dinge, die darin passieren, teilweise sogar ziemlich dämlich. Da ist auf einmal ein freundlicher Farmer, der heimlich die Frequenz mithört und multilinguale Gebrauchsanweisungen und ein Feuerlöscher.

Das klingt vielleicht komisch, aber für mich persönlich schafft der Film einfach den Spagat nicht. Er sieht aus, wie eine Weltraumdoku und präsentiert aber eine hanebüchene Ereigniskette. Wie man das hätte lösen können, weiß ich allerdings auch nicht. Mehr Doku wäre wahrscheinlich langweilig geworden und mehr Kram und Bang und Zeug wäre wahrscheinlich Trash gewesen. So war es teilweise recht lahm und ermüdend und teilweise trotzdem zu übertrieben spannend.

Mich hat Gravity einfach nicht mitnehmen können. Klar, es war schon schön für die Augen und Ohren, aber nach 20 Minuten hatte ich mich erstmal sattgesehen und dann ließ die Begeisterung spürbar nach. Klar, Clooney und vor allem Sandra Bullock machen ihre Sache super, die Kamera ist toll und alles, aber für mich eben einfach nicht überragend. Trotzdem sollte man Gravity gesehen haben, allein um mitreden zu können. Ich glaube, er funktioniert auch auf dem kleineren Bildschirm, aber wenn ihr die Chance habt, noch eine Vorstellung im Kino mitzunehmen, dann tut lieber das, denn da wirkt der Film sicher deutlich stärker. Für mich 7 von 10 Punkten und damit eine gelungene Eröffnung der Oscarsaison. Ich habe zum jetzigen Zeitpunkt erst zwei weitere Streifen gesehen und kann daher noch nicht wirklich einschätzen, wo Gravity im Gesamtfeld steht. Was man so hört, werden es wohl einige Goldjungen in den technischen Kategorien, aber in den großen Kategorien dürfte die Konkurrenz stärker sein. Aber im März wissen wir mehr.

Nominiert für:

  • Nominierung in der Kategorie Bester Film
  • Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Alfonso Cuarón
  • Nominierung in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin für Sandra Bullock
  • Nominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild für Andy Nicholson, Rosie Goodwin und Joanne Woollard
  • Nominierung in der Kategorie Beste Filmmusik für Steven Price
  • Nominierung in der Kategorie Beste Kamera für Emmanuel Lubezki
  • Nominierung in der Kategorie Bester Schnitt für Alfonso Cuarón und Mark Sanger
  • Nominierung in der Kategorie Bester Ton für Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro
  • Nominierung in der Kategorie Bester Tonschnitt für Glenn Freemantle
  • Nominierung in der Kategorie Beste visuelle Effekte für Tim Webber, Chris Lawrence, Dave Shirk und Neil Corbould

Wie ich 2014 kennenlernte und mit ihr „Vielleicht lieber morgen“ schaute

Sam: „Ich hab mich gefragt, warum ich und alle, die ich liebe uns immer jemanden aussuchen, der uns behandelt als wären wir nichts weiter als ein Stück Dreck.“
Charlie: „Wir akzeptieren das, was wir zu verdienen glauben.“
– Vielleicht lieber morgen

Es ist der Neujahrsmorgen 2014 und eigentlich wollte ich schon längst aufgestanden sein, als es auf einmal an der Tür klingelt. Obwohl ich gestern schon um 23 Uhr im Bett lag, wollte das mit dem Einschlafen irgendwie nicht so richtig klappen – konnte dann ja auch keiner ahnen, dass Punkt Mitternacht auf einmal Böller und Raketen gezündet wurden, als gäbe es kein Morgen mehr. So bin ich nach einer Stunde schlaflosen Rumwänzelns noch einmal aufgestanden und habe noch etwa zwei Stunden ein Ballerspiel am Computer gezockt. Borderlands 2 statt Böller! Jedoch verschob sich so natürlich auch mein geplanter Aufstehzeitpunkt, weshalb ich auch noch relativ verschlafen bin, als ich dem unbekannten Klingelnden im Bademantel die Tür aufmache.

2014: „Moin, ich bin 2014, freut mich dich kennenzulernen. Ich habe uns eine DVD mitgebracht.“
Ich: „Oh, mit dir hätte ich ja nun gar nicht gerechnet. Tut mir leid, ich hab jetzt nicht extra aufgeräumt.“
2014: „Ach kein Problem. Ich bin auch eher der unordentliche Typ. Lässt du mich trotzdem rein? So ganz ungezwungen einen Film gucken?
Ich: „Meine letzte Beziehung mit dem Jahr 2013 ist gerade einmal einen Tag her und ich weiß nicht, ob ich schon bereit für etwas Neues bin.“
2014: „Lass uns einfach abwarten was passiert. Alles kann, nichts muss!“

Und so machte ich uns beiden einen Tee und 2014 schob schon mal die DVD ins Laufwerk rein. Sie hatte „Vielleicht lieber morgen“ ausgesucht. Ich wusste nicht viel von dem Streifen, nur dass er im Original „The Perks of Being a Wallflower“ heißt, was der zehntausendmal schönere Titel ist und das Emma Watson, die als Hermine Granger bekannt geworden ist, und der Typ aus Percy Jackson mitspielen. Ich ließ mich also überraschen und wurde sehr positiv überrascht. Denn das neue Jahr startete direkt mit einem neuen Lieblingsfilm. Aber von vorne.

Charlie ist ein schüchterner Junge kurz vor seinem ersten Tag an der High School. Das heißt natürlich wie in fast allen Filmen mit diesem Setting: Mauerblümchen, keine Freunde, sehr belesen, einsam und auf der Suche nach Anschluss. Okay, nicht gerade innovativ, aber man muss das Rad nicht neu erfinden, wenn es schon so sehr gut rollt. Aber wenn man geile Felgen und ne fesche Farbe nimmt, ist selbst so etwas wie das gute alte Rad wieder richtig flott.

Und das gelingt Stephen Chbosky, der hier seinen eigenen Briefroman als zweite Regiearbeit auf die Leinwand bringt. Denn die Geschichte von Sam und seinem neuen Freundeskreis ist so sensibel erzählt, schön und aus dem Leben gegriffen, dass ich tatsächlich nach der ersten Viertelstunde dachte: Das kann doch nicht wahr sein, ich muss anhalten, ich halte es nicht aus den zu gucken, so gut ist der!

Mag sein, dass der Film auch einfach einen Nerv bei mir getroffen hat. Ein leicht melancholische Grundstimmung, dazu sehr viel Identifikationspotential mit Charlie, garniert mit schöner Musik und einem feinen Humor und schon hat man mich komplett überzeugt.

Charlie findet einen neuen Freundeskreis und verliebt sich sofort in Sam, das tollste Mädchen der Welt (ich musste den Namen grad nicht mal nachschauen und das ist selten, dass ich mir so kleine Details merke.) Die ist einfach nur froh, so einen tollen Freund wie ihn zu haben und merkt nicht, dass da mehr sein könnte. Um diese Grundprämisse strickt Chbosky Drogenerfahrungen, Homosexualität und Probleme, die viel tiefer liegen.

All das wird von einem unglaublich starken Cast getragen. Klar sehen alle ein wenig zu gut aus, um als Außenseiter durchzugehen, aber das konnte ich irgendwie total schnell vergessen. Logan Lerman, der vor allem als Percy Jackson bekannt geworden ist, spielt zu seiner Rolle passend sehr zurückhaltend aber unglaublich sympathisch. Ich wollte ihn eigentlich die ganze Zeit nur in den Arm nehmen und sagen: „Komm schon, das wird schon alles wieder werden.“ Und Emma Watson beweist in ihrer zweiten großen Rolle nach Hermine, warum sie inzwischen zu den großen Jungstars gehört. Sobald man sie zur Musik von David Bowie sieht, ist man einfach verliebt. Sie strahlt und für mich war es hundertprozentig klar, warum Charlie sich unsterblich in ihre Figur verliebt.

Ich hatte immer wieder feuchte Äugelein während des Schauens und noch häufiger dachte ich: Ja, das kenne ich und genau das frage ich mich auch manchmal (siehe Zitat am Eingang dieses Textes.) Es passte einfach wie Radkappe auf Rad auf Auto, um den Vergleich von vorhin noch mal rauszuholen. Trotzdem ziehe ich für ein bis zwei kleine Details einen halben Punkt ab, das ist aber ein persönliches Geschmacksurteil, dass ich hier nicht weiter begründen möchte, weil ich sonst zu viel vom Film verraten würde. Und vielleicht schaue ich ihn in einem halben Jahr noch einmal und denke: Joa, ganz nett, aber was ich damals so besonders fand, weiß ich jetzt auch nicht mehr. Im Moment, einen Tag danach, bin ich aber immer noch wirklich bewegt und fasziniert und würde jedem raten, der etwas mit gefühlvollen Filmen über das Erwachsenwerden anfangen kann, „Vielleicht lieber morgen“ zu schauen und das vielleicht lieber schon heute.

Während des Abspanns schaute ich 2014 an, die neben mir saß und mit den Tränen kämpfte. Vielleicht wird es ja doch was mit uns beiden. Um meine ehemalige Lieblingsband Muff Potter zu zitieren: „Es könnte was werden. Ich könnte sie lieben. Lernen.“ Aber ich wollte nichts überstürzen. „Du bist noch so jung und wir haben alle Zeit der Welt. Es sind noch mindestens 500 Tage bis zum Sommer. Ich bring dich zu Tür, aber komm ruhig bald mal wieder vorbei und bring auch gerne wieder einen Film mit.“ Denn eins muss man 2014 jetzt schon mal lassen: Sie hat deutlich besseren Filmgeschmack als ihre Vorgängerin.

Kinobesuch: Alles eine Frage der Zeit

Du kannst weder Hitler töten noch die schöne Helena vögeln. Bedauerlicherweise. – Alles eine Frage der Zeit

Der gestrige Samstag war einer der besten Tage seit Langem. Es fing mit einem sportlichen Großereignis, dem Crosstock, einem Teamcrosslauf im Barnstorfer Wald an (über den ich vielleicht noch mal etwas ausführlicher schreibe), ging über einen Kinobesuch und endete in einer miserablen Shisha-Bar. Das klingt vielleicht alles nicht so überzeugend, war aber wirklich super. Und toll. Und ich hab so viel gelacht, wie lange nicht mehr – möglicherweise war daran die Kombination aus sportbedingten Endorphinen und dem Wasserpfeifenrauch schuld. Vielleicht waren es meine wunderbaren Freunde, denen ich das zu verdanken habe. Oder ich verliere den Verstand, man weiß es nicht.

Dieser Post ist meine erste Filmkritik, die ich hier veröffentliche. Ich habe schon zu den Oscars persönliche Einschätzungen geschrieben und bei Moviepilot, einer wirklich grandiosen Filmcommunity, veröffentlicht. Wer meinen letzten Blogpost gelesen hat, kommt vielleicht drauf, wie ich da heiße.

Bevor die Kritik kommt, noch ein bis siebenundzwanzig Worte zu der Shisha-Bar. Das El-Waleed im Barnstorfer Weg versorgt mich seit einigen Monaten mit dem besten Falafel der Stadt. Neuerdings haben sie angebaut und bieten die Möglichkeit, Wasserpfeifen zu rauchen. Da ich das schon lange mal wieder machen wollte, hab ich charmante Menschen überredet, mit mir dahin zu gehen. Leider haben sie sich wohl noch nicht wirklich eingelebt, sodass alles irgendwie unkoordiniert, ungemütlich und unbequem war. Außerdem war es echt kalt. Die Preise gehen und auch die Leute sind nett, aber irgendwie haben wir immer mehr Sachen gefunden, die nicht gut sind, sodass wir beschlossen haben, dort auch nicht noch mal zum gemütlichen Zusammensitzen hinzugehen, jedenfalls nicht in der nächsten Zeit. Trotzdem haben wir viel gelacht und ich war einfach ungehemmt gut drauf. War gut, wie schon erwähnt.

Nun aber zu der Filmkritik des Steifens Alles eine Frage der Zeit:

Manchmal möchte man einfach ins Kino gehen und einen kleinen, angenehmen Streifen sehen, der nicht übermäßig anspruchsvoll ist, keinem wehtut und auch nicht sehr viel Denkleistung von seinem Publikum verlangt. Es geht einfach darum, eine nette (und das ist an dieser Stelle positiv gemeint) Geschichte zu hören. Ich war mal wieder in so einer Stimmung und hoffte, mit Alles eine Frage der Zeit genau den richtigen Film dafür gefunden zu haben. Der Trailer sah ganz witzig aus, also entschieden wir uns gegen große Bilder (Gravity) und gegen das große Drama (Prisoners).

Erzählt wird die Geschichte von Tim, einem jungen Erwachsenen aus Groß Britannien, der von seinem Vater anvertraut bekommt, dass männliche Familienmitglieder in der Zeit zurückreisen können – allerdings nur zu Momenten, an die sie sich persönlich erinnern. Tim probiert es ungläubig aus und siehe da, es funktioniert. Er will die Fähigkeit nutzen, um endlich die Liebe seines Lebens kennenzulernen. Doch das gestaltet sich gar nicht so leicht, wenn man es nebenbei noch allen recht machen will. Doch irgendwann lernt er Mary kennen und – ich glaube, das verrät nicht so viele – auch lieben.

Die beiden werden ein Paar und wir als Zuschauer erleben gute und schlechte Zeiten mit den beiden, mit ihren Familien und mit den guten und schlechten Freunden. Immer wieder reißt Tim in der Zeit zurück um Ereignisse zu verändern – mal erfolgreich, mal mit Problemen, die daraus folgen. Dabei steht die Zeitreiserei aber nicht im Mittelpunkt des Films, sondern die Liebes- und Familiengeschichten. Damit ist Alles eine Frage der Zeit einer der einzige Zeitreisefilm, den ich kenne (oder der mir einfällt), der nicht Science-Fiction ist. Und das ist auch gut so, denn wenn man darüber nachdenkt, offenbaren sich doch einige Logiklücken und Unstimmigkeiten. Mal geht die Reise nur zurück, mal kann er wieder zum Ausgang zurück – so ganz schlüssig ist das irgendwie nie. Aber zumindest für mich war der Film insgesamt so rund und rührselig (aber nicht kitschig) erzählt, dass ich gar keine Lust hatte, kleinkariert auf Fehlersuche zu gehen.

Besonders überzeugen konnten mich die Schauspieler. Bill Nighy gehört eh zu meinen Lieblingsakteuren, sodass es mir schon fast gereicht hat, ihn beim Spielen zu sehen. Aber auch Domhnall Gleeson und Rachel McAdams machen ihre Sache ausgezeichnet und schaffen es, sehr liebenswürdige Figuren entstehen zu lassen. Da macht es auch nicht so viel, dass einige Randfiguren, wie die Anwaltskollegen oder Tims Schwester ein wenig zu konstruiert wirken.

Bei der Auswahl der Filmmusik setzt Richard Curtis zwar schon auf recht klassische Töne, diese gingen mir aber trotzdem nah. Ich war immer hin- und hergerissen zwischen „Hach, ist das schön“, und „Schluck, ist das traurig.“
Die Geschichte hat auch durchaus einige Wendungen, die man nicht erwartet, was in sonstigen klassischen Liebeskomödien nicht immer der Fall ist. Diesen Vorteil bringt die Zeitreisekomponente mit sich, die das Geschehen insgesamt unberechenbar macht.

Für mich ist Alles eine Frage der Zeit eine rundum gelungene Kinoüberraschung und ein richtiger Wohlfühlfilm mit einigen traurigen Momenten, die mir auch wirklich nahe gegangenen sind. Dabei tut der Film aber nie weh, sondern bleibt angenehm und wirklich auf eine gute Art und Weise seicht. Wenn man Innovationen oder eine komplett schlüssige Zeitreisethematik erwartet, ist man hier wohl falsch. Wenn man jedoch, wie ich, einen kleinen, angenehmen Streifen sehen möchte, ist Alles eine Frage der Zeit eine große Empfehlung.