Archiv der Kategorie 'Sonstiges'

Der dicke Typ mit der Musik

Und ich renne, durch die Nacht. Unerkannt. In der Hoffnung, zwei der Teile, sind ein Ganzes dann. Fjørt – Magnifique

Dereinst fragte mich ein Kollege, was mein Geheimnis sei. Wie ich es schaffe, immer so gut drauf zu sein und glücklich und freundlich und all das alles. Dummerweise fragte er mich das an einem dieser Tage, an dem ich ungemein mit mir zu kämpfen hatte und am liebsten einmal mein ganzes Ich und die negativen Gedanken und meine schlechte Stimmung resettet hätte.

Ich antwortete also ohne groß darüber nachzudenken: Pretending. Ein Wort, für das mir gerade keine passende Übersetzung ins Deutsche einfällt. Ich wollte damit sagen, dass ich dieses Glück oft nur vormache oder so wirke, als wollte ich die ganze Welt umarmen. Er grinste und glaubte mir nicht, das könne nicht sein und überhaupt, gerade wenn ich mit meinen Kopfhörern durch die Stadt laufe, das müsse doch der Schlüssel sein. Mir fiel keine bessere Antwort ein und so grinste auch ich und ging dann zwei Stunden durch den Regen nach Hause. Mit meinen Kopfhörern und mit der Musik auf meinen Ohren und mit dem Kopf voller Gedanken und mit den Beinen, die einfach nur laufen wollten, ohne jemals irgendwo anzukommen. Und ohne eine Antwort auf die Frage, wie ich das mache, mit diesem ganzen Glück und so.

Keine Ahnung wann es angefangen hat. Ich würde vermuten mit 13 oder 14 Jahren, in einer Zeit, in der ich die Musik so richtig für mich entdeckte. Ich hatte zwar auch einen Walkman und Kassetten, aber so richtig los ging alles mit einem ersten tragbaren CD-Player, der auch MP3-CDs abspielen konnte und echt lange Antishock hatte. Ich, ähm, kaufte mir all die CDs von meinen Lieblingsbands und von den Bands, die nie meine Lieblingsbands werden würden, mich aber doch ein Stück meines Lebens begleiteten und machte mir eine Mappe mit MP3-CDs. Und diese hörte ich dann, wieder und wieder und wieder. Mit meinen großen Kopfhörern, die ich schon immer besser fand als diese komischen kleinen Stöpsel. Und ich merkte, wie sehr ich mich in die Musik fallen lassen konnte und irgendwann sang ich das erste Mal laut mit und nickte extrovertiert (das Wort kannte ich damals noch nicht, klingt heute aber richtig) und spielte Luftgitarre und sprang und schrie und vergaß die Welt um mich herum.

Zu der Zeit lebte ich in einer kleinen Stadt mit 6000 Einwohnern irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern. Und ich weiß noch, wie mir die Chefin des Museums, in dem ich als Schüler arbeitete, erzählt hat, wie einmal eine Einwohnerin zu ihr kam und fragte, ob sie den komischen und dicken Verrückten kennen würde, der immer so laut schreiend durch die Straßen rennt. Und auch ein guter alter Freund erzählte mir, dass seine Eltern mich einmal für einen Betrunkenen gehalten hätten, der brüllend durch den Ort torkelt. Man sprach von mir und ich weiß nicht, ob ich es damals so witzig wie heute finde, aber es war mir da schon relativ egal.

Heute lebe ich in Berlin und laufe immer noch laut schreiend, springend und wild gestikulierend durch die Gegend, nur der Unterschied ist, dass sich meistens nicht mal mehr jemand umdreht, wenn ich an ihm oder ihr vorbeirocke. In Berlin ist das irgendwie normal oder zumindest mal egal. Und für mich ist es wie schon damals und vielleicht heute noch viel mehr ein Ventil. Das ist mir gerade heute Nacht wieder aufgefallen, als ich mal wieder meine momentane Lieblingsband Fjørt aus Aachen auf den Ohren hatte.

Bitte sei für mich, was ich bin für dich. Doch damit kann ich, nur verlieren, wir sind nur gleich, auf dem Papier. Bitte sei für mich, was ich bin für dich. Mit diesem Satz, geb ich auf, doch ihn kapieren, wirst du nicht. Fjørt – Lichterloh

Fjørt im Januar 2018 im Lido in Berlin - weil ich so ein schlechter Fotograf bin, habe ich einfach mehr Filter über das Bild gelegt

Wie ich mich momentan oft fühle (wiederkehrende und unvollständige Aufzählung): traurig, allein, wütend, unruhig, rastlos, ruhelos, einsam, enttäuscht (von mir und anderen Menschen), genervt (vor allem von mir), schwach, hilflos, dumm, ungerecht. Okay, ich gebe zu, das ist jetzt vor allem die negative Seite der matten Medaille der Missmutigkeit (ja, ich weiß, dass es eigentlich Missmut heißt). Und ja, ich bin auch oft glücklich, entspannt, zufrieden, erleichtert und gelegentlich auch mal stolz. Aber das kann ich dann in diesen Momenten verstehen und greifen. All die schlechten Gedanken kommen eher spontan und diffus und ohne richtige Vorankündigung und mit voller Wucht. Und das nervt mich so, weil ich unfähig bin, mich dem entgegenzustellen und mein Kopf schlauer ist, als die Vernunft.

Ich bin in solchen Situationen und überhaupt ganz generell dann meist sehr hart zu mir selbst. Das haben mir auch schon ganz tolle Menschen gesagt und ich bin mir sicher, da ist was dran. Es führt aber auch dazu, dass ich irgendwie unfair und möglicherweise sogar gemein zu anderen Menschen bin. Das wiederum führt dazu, dass ich mich noch weniger selbst mag, weil ich – wie sangen die Ärzte damals so schön – meinen Selbsthass nur auf andere projiziere. Ich glaube schon, dass es als Mensch ohne Partner in den 30ern in Berlin nicht leicht ist. Klar kenne ich hier viele tolle Menschen, ich lerne jedes Jahr neue unglaublich spannende Personen kennen, aber irgendwie fühle ich mich doch ziemlich oft auf mich allein gestellt und finde es schade, dass nicht mal jemand fragt, wollen wir das machen oder jenes oder welches. Und ich weiß auch, wie doof und unfair dieser Gedanke ist, denn jeder hat nur einen beschränkt großen Hut und viel zu viele Dinge, die darunter Platz finden müssen. Aber ich kann diesen Gedanken einfach nicht abschütteln und wegschmeißen. „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“, heißt es in einer Redensart. Das funktioniert aber nur so lange, bis einer kommt, der das nicht so richtig kann, an sich selbst zu denken, oder das zumindest denkt um aus dieser Situation noch mehr Treibstoff für die eigene Unzufriedenheit zu gewinnen. Dann jedenfalls gerät alles aus dem Gleichgewicht und geht kaputt.

Irgendwann dreht sich alles in meinem Kopf und ich drehe Runde um Runde und fühle mich zugleich unglaublich selbstlos und über alle Maßen egoistisch und möchte niemanden vor den Kopf stoßen außer mir selbst, am liebsten mit einer massiven Wand. Aber das geht ja nun auch nicht und Pflastersteine heilen auch keine Wunden, selbst wenn sie antiseptisch sind, also kaue ich und kaue ich und komme doch nicht weiter. Und all das, all diese Gedanken, die ich gerade versucht habe auf das digitale Papier zu bringen, rauschen und rascheln und rasen dann zeitgleich durch meinen Kopf und ich versuche wirklich jedes Blatt in jedem verdammten Laubwald in meinem Schädel von allen Seiten zu betrachten. Das führt unter anderem dazu, dass ich immer wieder essenstechnisch rückfällig werde (und nein, nicht nur im Sinne von mal was gönnen oder einen Cheattag machen, sondern im Sinne von einfach alles innerhalb einer Woche mit meinem viel zu großen Arsch einreißen, was ich mühsam in einem Monat vorher aufgebaut habe) und oft unmotiviert bin, die einfachsten Sachen zu tun und schnell gelangweilt werde von Dingen und leider auch oft Menschen vor den Kopf stoße – manchmal nur in meinem Kopf, ohne dass sie es je erfahren, was die Sache aber nicht besser macht.

Und das ist dann der Moment, wenn ich froh bin, dass ich die Musik auf meinen Ohren habe. Und das sind dann auch die Momente, in denen ich nicht zufällig meine gesamte Musikbibliothek zufällig durchklicke, sondern ganz gezielt Fjørt auswähle. Und dann atme ich tief ein und wenn der Bass und das Schlagzeug und die Gitarre einsetzen, schließe ich die Augen und springe manchmal – mehrfach ist mir dabei schon das Handy aus der Tasche gefallen, was immer ein peinlich berührtes Umblicken nach sich zieht – und singe oder besser schreie laut mit. Denn dann vergesse ich für einen kurzen Moment die ganzen komischen Gedanken in meinem Kopf und konzentriere mich einfach nur auf die Musik, für die ich so unendlich dankbar bin.

Ich höre auch laut Musik, wenn ich glücklich und zufrieden bin. Aber meistens ist es für mich der beste Weg, zu verdrängen und zu verarbeiten. Mein Ventil, mein Ersatz für den Schlag mit der Faust gegen die Wand. Mein Rausch und meine Rettung. Und manchmal auch meine Hoffnung und fast immer eine willkommene Ablenkung.

Verzeih, ich werd‘ hier nicht nach unten sehen, ich werd‘ vorübergehen. Könntest du dein tränendes Gesicht wegdrehen, bitte? Fjørt – Eden

Die Revolution der Neujahrsvorsätze

Und dein Herz lächelt milde während es spricht, gute Ideen aber schaff es ja doch nicht. Marcus Wiebusch – Was wir tun werden

Und was hast du dir so für das nächste Jahr vorgenommen?

Die Weihnachtsgeschenke stehen noch unter dem Baum, der Festtagsbraten verdaut noch vor sich hin und die Silvesterpläne sind eigentlich auch schon seit Monaten festgemacht (wobei sich natürlich in letzter Sekunde noch einmal alles ändert und Leute absagen und nachfragen und dann doch alles ganz anders kommt.) Spätestens dann kommt auch das erste Mal die Frage auf – entweder stellt sie ein entfernter Familienangehöriger am Essenstisch, weil alle anderen Smalltalk-Themen ausgesprochen sind oder ein Kollege in der WhatsApp-Arbeitsgruppe – die wie Bleigießen zu Silvester und wie Günter Jauch zu allen Jahresrückblicken gehört: Welche Vorsätze hast du für das nächste Jahr?

Oft kommt einem der Gedanke auch ganz alleine, wenn man auf das vergangene Jahr zurückschaut (auch ohne Günter Jauch) und denkt: So geil war das ja alles irgendwie nicht. Ich befinde mich zum Beispiel momentan in einem Zustand der ununterbrochenen Nahrungszunahme und mit Nahrung meine ich Festessen, Süßigkeiten, Dessert, mehr Süßigkeiten und alles, was noch so Zuhause an essbaren Gütern zu finden ist. Das ist irgendwie doof, aber nichts zu ändern und ich weiß ja auch, dass ich es anders kann und wieder anders können werde und überhaupt. Aber im Moment geht es nicht. Da liegt der Vorsatz natürlich nah, für das nächste Jahr zu sagen: Endlich wieder richtig auf die Ernährung achten und immer alles weightwatchersmäßig aufschreiben und noch einmal ganz viel abnehmen und überhaupt nie mehr naschen und ganz viel bewegen.

Aber machen wir uns nichts vor: Das wird so nix. Eine Woche: okay, geschenkt. Meinetwegen auch der erste Monat, aber ich kenne mich ja auch selbst, von daher weiß ich, dass Vorsätze für mich einfach nicht funktionieren. Sie sind mir einfach zu final und außer dem schlechten Gewissen, das ich sehr gut ausblenden kann, gibt es keinerlei Kontroll- oder Bestraf- oder auch Belohnungsinstanz. Und wenn man sie bewusst schwammig hält, kann man sich ohne Probleme auch ganz fantastisch selbst betrügen. Ich werde mehr Sport machen bedeutet ja letztendlich auch, einmal im Monat 30 Minuten ins Schwimmbad gehen, oder? Ich meine, ist ja Sport und der Weg dahin ist auch Bewegung. Oder der Vorsatz, weniger zu essen: Wenn ich zukünftig einfach eine Handvoll Chips wegschmeiße, nachdem ich sie als Dessert nach Pizza und Eis gegessen habe, ist das ja auch weniger essen.
Man könnte die Liste noch ewig fortsetzen. Ich bin unglaublich gut im Selbstbetrug und kann für jeden guten Vorsatz automatische einen Weg finden, ihn wieder auszuhebeln, frei nach dem Zitat von Captain Planet Alles wird besser nächste Jahr. Und das kann man dann auch im Januar schon sagen, nachdem man mit all seinen mühsam aufgestellten Vorsätzen gebrochen hat.

Was nun also tun? Na klar, der einfachste Weg ist einfach sich nichts vorzunehmen und einfach zu machen, was gut ist und worauf man gerade Bock hat. Kann man auf jeden Fall machen. Aber manchmal ist ja so ein gewisses Ziel, auf das man hinarbeitet wirklich hilfreich und ich weiß, dass es für mich so in bestimmten Bereichen besser funktionieren kann. Ich hatte dazu eine Idee, die ich euch einmal vorstellen möchte. Ich werde das folgende System auf jeden Fall ausprobieren und würde mich freuen, wenn ein paar Leute mitmachen. Ich habe mir keinen catchy Namen ausgedacht, drum nenne ich es jetzt einfach mal, spontan aus dem Ärmel geschüttelt, das Trophäensystem fürs Leben oder die Revolution der Neujahrsvorsätze.

Wenn ihr Videospieler seid, könntet ihr vielleicht schon eine Idee haben, woher der Ursprung der Idee kommt. Es ist quasi eine Gamification des Vorsatzgedankens. Gamification ist eine Übernahme von bestimmten Aspekten aus Videospielen in andere Bereiche. So bekommt man zum Beispiel in Foren Bonuspunkte für das Verfassen von Artikeln und kann so in seinem Rang aufsteigen. Auch Weight Watchers hat viel von Gamification an sich. Man bekommt für verschiedene Lebensmittel Punkte und kann mit Bewegung Punkte dazugewinnen und wenn man erfolgreich war bekommt man für alle abgenommenen 3 Kilos einen Stern und bei bestimmten Zwischenzielen noch weitere Belohnungen.

Der Aspekt, den ich jetzt für meine Vorsätze aufgreifen will, ist das Trophäensystem der Playstation. So etwas gibt es inzwischen auch bei allen anderen Systemen und Spieleplattformen, aber da ich ein Playstation-Kind bin, orientiere ich mich daran. Es geht dabei darum, dass man abseits des eigentlichen Spielgeschehens bestimmte Sonderaufgaben hat, die nicht für den Abschluss der Haupthandlung gebraucht werden, die aber einen kleinen Erfolg aufblinken lassen, wenn man sie erfüllt. Das kann zum Beispiel sein, dass man bei einem Autorennen eine Runde komplett im Rückwärtsgang fährt oder insgesamt 100 Kilometer im Spiel zurückgelegt hat. Es gibt dann eine Übersicht und man bekommt einen kleinen digitalen Pokal, je nach Schwierigkeit der Aufgabe in Bronze, Silber oder Gold. Wenn man alle Bonusaufgaben gelöst hat, bekommt man eine Platintrophäe.
Wer nun also – anders als ich – nicht für so etwas anfällig ist, kann und wird so etwas auch getrost ignorieren. Ich habe aber schon schlechte Spiele durchgespielt, nur um die Platintrophäe zu bekommen? Warum? Kann ich nicht genau beantworten, vielleicht hat das etwas mit einer Leidenschaft für das Abarbeiten von Listen zu tun. Jedenfalls funktioniert es und darum kann ich mir vorstellen, diese Erfolge auch in den echten Lebensalltag zu holen.

Klassische Vorsätze in der KTV in Rostock

So funktioniert es:

Zuerst müssen wir uns Dinge überlegen, die wir im nächsten Jahr machen wollen, Ziele, die wir erreichen wollen, Sachen, die wir ändern wollen. Bei Spielen gibt es schon mal 50 dieser Aufgaben, für unser System reichen aber 10 bis 15 Dinge für die Liste. Wichtig ist, dass diese messbar sein müssen, weniger essen oder mehr Sport geht also nicht. Außerdem müssen es auch realistische Ziele sein, die man selbst zumindest zum großen Teil beeinflussen kann. Jeden Tag im Sommer die Sonne genießen ginge auf mehreren Ebenen nicht, weil nicht genau ist, was Sommer ist und wir das Wetter nicht beeinflussen können. Auch würde ich zum Beispiel nicht raufschreiben, Millionär zu werden. Das ist zwar theoretisch machbar, praktisch aber doch relativ schwer in einem Jahr zu erreichen.

Ich will jetzt nicht alle meine Ziele verraten, da es ja auch zum Teil recht persönliche Dinge sein können. Aber ich gebe euch mal ein paar Beispiele, was ich raufschreibe, vielleicht habt ihr dann eine Idee, was ich meine. Gerne könnt ihr mir dann aber auch eine E-Mail schicken (chef-3-etage [@] web[Punkt]de) oder mir bei Facebook schreiben oder irgendwie anders Kontakt zu mir aufnehmen (Rauchzeichen, maybe) und dann überlegen wir zusammen, was noch so geht. Hier also mal ein paar Beispiele, die auf meine Trophäenliste kommen:

• 6 Texte schreiben (Poetry Slam oder Blog)
• 3 Tage im Ausland verbringen
• Einen Monat alles was ich esse für Weight Watchers aufschreiben
• Einen Halbmarathon laufen
• 3 Museen besuchen
• 5 Bücher lesen
• Ein Fahrrad kaufen

Ihr seht also, dass es sowohl kleine, als auch größere Dinge sein sollen. Durch die Zählbarkeit kann man auch kleine Zwischenschritte gut sehen, denn so ein Jahr kann ja auch verdammt lange dauern und da motiviert es schon sehr, wenn man nach und nach sieht, wie sich die Liste füllt.

Mein Vorschlag für die Visualisierung ist, dass ihr die Punkte auf ein großes Blatt Papier schreibt und dieses dann irgendwo hinhängt, wo ihr sie jeden Tag seht. Ich werde die Liste bei mir an meine Wohnungstür hängen. Und immer wenn ihr ein Ziel erreicht habt, hakt ihr es ab. Wenn ich mein erstes Buch 2018 gelesen habe, kommt hinter den entsprechenden Punkt ein Strich, sodass ich sehe, dass ich nur noch vier Bücher von meinem Ziel entfernt bin.

Der Vorteil dieses Systems gegenüber der klassischen Vorsätze ist, dass man auf jeden Fall Erfolge verzeichnen kann, auch wenn man nicht alles zu 100 Prozent schafft. Außerdem beschäftigt man sich vorher etwas genauer mit sich selbst. Was will ich eigentlich wirklich erreichen, welches Hobby mal wieder aufnehmen und was ist mir wirklich wichtig. Und durch die Liste wird man jeden Tag wieder dran erinnert und verliert seinen Weg nicht so schnell aus den Augen. Wenn ihr wollt, könnt ihr das ganze auch noch mit einem Belohnungssystem kombinieren. Wenn ihr die Hälfte der Ziele geschafft habt, gönnt ihr euch dies oder jenes und wenn ihr alles geschafft habt, feiert ihr eine große Party. Das muss aber gar nicht sein und ich werde es auch ohne zusätzliche materielle Belohnung versuchen.

Ich bin wirklich gespannt, ob das so klappt. Wenn nicht, kann ich auch nichts verlieren. Darum freue ich mich drauf, es auszuprobieren und würde mich riesig darüber freuen, wenn ein paar von euch mitmachen. Denn wie wir alle wissen, gehen solche Sachen zusammen immer ein ganzes Stück leichter. Gebt mir gerne Bescheid und lasst uns dann auch in einem Jahr noch einmal genau auswerten, wie es gelaufen ist.

Rocky – Ein Musical, ein Film und ich

It’s the eye of the tiger, it’s the thrill of the fight, rising up to the challenge of our rival. Survivor – Eye of the Tiger

Fast 40 Jahre ist es nun her, dass Sylvester Stallone zum ersten Mal die Boxhandschuhe anzog und als symphytischer Underdog Rocky Balboa in den Ring stieg. Als großer Boxfilmfan habe ich natürlich alle Teile gesehen und war dementsprechend überrascht und gespannt gleichermaßen, als vor 3 Jahren bekannt wurde, dass aus dem Leinwandstoff ein Musical gemacht wird. Gestern habe ich es nun endlich geschafft, dass Operettenhaus hier in Hamburg zu besuchen und wurde im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen.

Bevor ich gleich ein paar Worte zum Musical verliere, noch einige Kleinigkeiten zu diesem Beitrag. Ich werde nach der kurzen Besprechung des Musicals auch noch eine Rezension des Films in den zweiten Teil dieses Beitrags packen. Diesen Text habe ich vor 4 Jahren für Moviepilot geschrieben und er war meine 100. Rezension dort. Ebenfalls werde ich noch ein Youtube-Video vom Gastspiel des Musicals bei Wetten Dass in den Artikel einbinden. Darin bekommt man schon mal einen sehr guten Eindruck, was einem beim Besuch der Show erwartet.

Rocky_Hamburg

Nur noch zwei Wochen ist Hamburg die Boxmusicalhauptstadt Deutschlands, danach wird Rocky ab November in Stuttgart aufgeführt. Wer keine Lust den gesamten Text zu lesen, für den hier kurz die wichtigste Info: Wer in den nächsten zwei Wochen Zeit hat und in Hamburg oder seinem erweiterten Umland wohnt, sollte sich Rocky – Das Musical unter keinen Umständen entgehen lassen. Wer in Baden-Württemberg lebt, sollte dann ab November unbedingt einen Besuch einplanen.

Ich sitze in der 14. Reihe, genau in der Mitte des Operettenhauses und bin gespannt, wie man einen Boxfilm auf die Bühne bringt. Damals im Film frage Adrian ihren Rocky: “Why do you wanna fight?”, woraufhin dieser antwortete: “Because I can‘t sing or dance.” Die idealen Voraussetzungen also für ein Musical. Aber alle anderen, die vorher schon hier waren, waren hellauf begeistert und auch ich bin gepackt, als das Orchester die ersten Töne der Ouvertüre anspielt.

Das zentrale musikalische Motiv kombiniert das bereits aus dem Film bekannte Gonna fly now und Eye of the Tiger von Survivor, welches allerdings erst im vierten Rockyfilm als Untermalung für die Trainingsmontage auftaucht. Macht aber nix, denn der Song ist großartig und passt auch perfekt zu Rocky und seiner Geschichte.

Die Energie, die vom Orchestergraben ausgeht, überträgt sich sofort auf die Bühne. Und obwohl diese relativ klein ist, so ist sie doch für mich der eigentliche Star des Stückes. Was die Techniker dort immer wieder hinzaubern, ist schlicht gigantisch. Ständig bewegt sich irgendwas, Teile erscheinen oder werden gedreht oder in die Luft gehoben, Videoleinwände fliegen hinein, auf denen Livebilder von der Bühne erscheinen, ein bisschen Regen fällt und überhaupt ist ständig etwas los. Es wird bis zum Ende nie langweilig und die zweite Hälfte überbietet die erste sogar noch, worauf ich jedoch nicht weiter eingehen möchte, um nicht zu viel zu verraten.

Die Geschichte ist die gleiche wie auch im Film: Rocky ist Boxer und hat irgendwie nichts so richtig hinbekommen. Als schon keiner mehr damit rechnet, will es der Zufall, dass er auf einmal gegen den Champion Apollo Creed antreten kann. Nebenbei füttert er seine Schildkröten und kriegt seine große Liebe Adrian rum. Das gewinnt nun keinen Innovationspreis, ist dafür aber deutlich realitätsnäher als sprechende Züge oder singende Katzen.

Allerdings besteht darin auch ein erstes Problem. Generell wird im Musical ja oft das besungen, was gerade passiert, beziehungsweise was die Figuren gerade denken. Das wird allerdings stellenweise unfreiwillig komisch, wenn es um die körperlichen Versehrtheiten oder Tierfutter geht. Dazu kommt, dass Rocky eine deutsche Produktion ist und man das den Texten leider stellenweise auch anmerkt. Teilweise klingt es, wie das erste selbstgeschriebene Gedicht eines Grundschülers. Aber gleichzeitig passt das irgendwie auch zu dem liebenswürdigen Tollpatsch Rocky.

Die Musik ist hier meiner Meinung nach sowieso zweitrangig. Ich hatte zwar gerade bei Adrian auch ein wenig Gänsehaut, aber insgesamt spielt der Gesang nicht so eine große Rolle. Schließlich geht es ums Boxen und das wird auch auf der Bühne reichlich gemacht. Die Choreographien sind beeindruckend und vor allem wird wirklich gekämpft, was man auch als Zuschauer merkt. Bereits dreimal hat sich Rocky-Darsteller Drew Sarich die Nase gebrochen. Ich konnte gestern auch eine ältere Dame beobachten, die beim Finalkampf wirklich mitgefiebert hat und kaum hingucken konnte.

Aber auch um mich war es da am Ende vollkommen geschehen. Ich saß mit offenem Mund da und war wirklich überwältigt. Kein Wunder also, dass es stehende Ovationen gab. Drei Stunden, die ich nicht so schnell vergessen werde. Wer nun also auch Lust hat, sollte auf jeden Fall die Chance nutzen. Tickets gibt es auch normalerweise immer noch direkt am Abend, auch bei uns waren einige Plätze frei. Und auch wenn es, typisch für ein Musical, ziemlich teuer ist, so hat es sich für mich doch mehr als gelohnt.

Hier jetzt noch meine versprochene Filmrezension zu Rocky: Passend zum heutigen Silvester, das ja bekanntlich nach Herrn Stallone benannt wurde, habe ich mir endlich einmal Rocky angeschaut.

Rocky ist einer dieser Filme, den irgendwie jeder kennt, wenn es jedoch darum geht, was genau passiert, oder ob man den Film schon mal konzentriert geschaut hat, muss man passen. So war ich dann auch etwas überrascht, dass der vermeintliche Sportfilm doch eher ein Liebes-Außenseiter-Sozial-Streifen ist.

Wir sehen nur am Anfang eine kurze Boxszene und natürlich gegen Ende das oft zitierte und auch persiflierte Training, sowie den äußerst spannenden Kampf zwischen Rocky und Apollo Creed. Sonst sieht man wie Rocky Tiere streichelt, flirtet, schlechte Witze macht, böse guckt aber doch eigentlich ganz lieb und nett ist.

Sly macht dabei meiner Meinung nach eine doch recht gute Figur. Na klar ist er auf keinen Fall der begnadetste Schauspieler und seine Mimik und Gestik wirkt oft ein wenig hölzern, das alles passt aber ziemlich gut auf den Boxer, der ein bisschen doof ist und nichts richtig auf die Reihe kriegt, dafür aber das Herz am rechten Fleck hat.

Die Dialoge sind teilweise unterirdisch. Man möchte selbst die Fleischhälfte sein, auf die zu Trainingszwecken eingeprügelt wird, um einiges schnellstmöglich wieder zu vergessen. Auch die Figuren übertreiben teilweise extrem, sodass es stellenweise lächerlich wirkt. Die Beziehung von Paulie und seiner Schwester ADDDDRRRRIIIAAAAANNNN ist sehr dick aufgetragen oder auch die Dialoge mit dem Trainer. Aber Schwamm drüber. Denn spätestens wenn das bekannte Gonna fly now einsetzt (und auch sonst ist der Soundtrack durchaus hörenswert) und man den, naja fast noch jungen Sly, durch die Straßen laufen sieht, fühlt man sich irgendwie wohl. Der Film, mit all seinen Ecken und Kanten, macht einfach Spaß und wird zum Ende hin sogar richtig spannend. Es ist also nicht der ganz große Wurf, aber ein Film, den man durchaus mal gesehen haben darf. Am besten heute, an Silvester, zu Ehren von Sly.

Apollo Creed: „Apollo Creed vs. the Italian Stallion. Sounds like a damn monster movie.“

Der Marlboro-Mann

The saddest thing that I‘d ever seen, were smokers outside the hospital doors. Editors – Smokers outside the hospital doors

Wenn eine Idee schon über sieben Jahre in meinem Kopf rumschwebt und da einfach nicht herausgeht, dann muss sie verdammt gut sein, schließlich herrscht da oben neben einem reichlichen Durcheinander auch ein ständiges Kommen und Gehen.

Im Jahre 2008 hatte ich die Idee zu einem Werbespot. Er sollte – so meine gewagte Phantasie – in Kinos laufen. Da ich jedoch nicht über ausreichendes filmisches Know-How und die, für meinen tollkühnen Plan nötigen, finanziellen Mittel verfüge, wurde dieser Film nie gedreht und lief somit einzig und allein in meinem kleinen Kopfkino.

Da jedoch heutzutage bei Raubkopien selbst vor kleinen Indie-Kopfkino-Produktionen nicht zurückgeschreckt wird, habe ich beschlossen, meine Idee hier niederzuschreiben. Sollte dann also doch jemand den Spot drehen, könnte ich wenigstens anschließend nett fragen, ob die Person mich irgendwie am garantiert eintretenden, unermesslichen Ruhm beteiligt.

Der Titel des Spots ist Der Marlboro-Mann und ich versuche alles möglichst genau zu beschreiben, jedoch dürft ihr die gedanklichen Leerstellen gerne mit Beiwerk füllen.

Es ist ein sonniger Tag und die Kamera fängt einen sehr runtergekommenen Bahnsteig ein. Es sieht aus, als wäre die letzte Bahn hier schon längst abgefahren. Unkraut wuchert, eine alte grüne Holzbank, bei der die Farbe schon abplatzt ist, steht verloren herum und sogar einen alten Aschenbecher gibt es, ein Relikt aus einer Zeit, als noch keine kleinen gelben Quadrate die Bahnhöfe dieser Welt musterten.

Auf der Bank sitzt ein alter, ungepflegter Mann, der auch so aussieht, als hätte er seine besten Tage schon hinter sich. Zerschlissene, ausgewaschene Jeans, ein kaputtes Karohemd und ein Gesicht wie sieben Jahre Kohlebergwerk. Zerfurcht, abgespannt, kaputt. Die Haare fettig und verklebt und der Bart voll, aber nicht rasiert, sondern verwahrlost.

Der Marlboro-Mann sitzt da und die Kamera fängt ihn langsam ein und hält unangenehm drauf. Langsam holt er mit seinen schmutzigen Händen eine Packung Zigaretten aus der Brusttasche. Mit gelben Fingernägeln fischt er sich zitternd eine Kippe raus und zündet diese bedächtig mit einem Streichholz an. Er inhaliert die erste Dosis Rauch mit geschlossenen Augen, verzieht aber sonst keine Miene.

Die Kamera schwenkt und zeigt in der Ferne einen Zug, der näherkommt. Allerdings nur sehr klein als Punkt zu erkennen. Die Luft flimmert, es ist heiß. Ein schöner Tag. Der Mann steht auf und stellt sich an den Bahnsteig. Alles passiert sehr langsam. Er wartet. Der Zug kommt. Er zieht. Rauch umweht seinen Kopf.

Dann erreicht ihn die Bahn und es gibt einen riesigen Knall, Explosionen, dichter, schwarzer Nebel. Blackscreen. Die Kamera fährt raus und dabei lichtet sich der Rauch etwas. Man sieht den entgleisten, brennenden Zug. Ein Rad dreht sich. Zerstörung und die Kamera fährt weiter raus und der Blick fällt auf einen abgetrennten Arm, der dort unter der Lok hervorschaut. In der Hand die Zigarette und in genau diesem Moment fällt ein letztes Stück Asche von der Kippe. Blut fließt aus dem Arm heraus. Es bildet sich ein Satz. Immer deutlicher wird es. Da steht: Jeder Zug kann tödlich sein.

Bücher zu verschenken

Da ich sehr kurzfristig ein Jobangebot in Irland bekommen und dieses auch angenommen habe, schaffe ich die Oscarberichterstattung einfach nicht mehr – zu viel gibt es im Moment zu organisieren. Allerdings kann ich so bald Geschichten von der grünen Insel erzählen. Vorher muss ich mich aber von vielen meinen Büchern trennen. Zu schwer, zu sperrig und gerade bei Büchern, die ich schon gelesen habe, glaube ich kaum, dass ich sie nochmal lese. Wer also was will – ich habe die Bücher noch etwa eine Woche in Rostock bei mir, danach geht alles, was keiner wollte, in die Gebrauchtbuchhandlung. Ihr dürft gern zum Stöbern vorbeikommen oder blind zusagen – wer zuerst hier ist und sie abholt, liest zuerst. Die Qualität ist meistens gut bis sehr gut; einige sind auch schon leicht angelesen. Ich will für die Bücher nichts haben, freue mich aber natürlich über kleine Reisespenden – frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss!

Bücher
Hardcover:
Horst Kunze – Das große Buch vom Buch
Robert Louis Stevenson – Die Schatzinsel
Bernd List – Der Goldmacher
Rolf Lappert – Auf den Inseln des letzten Lichtes
Patrick Roth – Sunrise
Dan Brown – Das verlorene Symbol
Franz Fühmann – Der Jongleur im Kino
Christoph Peters – Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung
Stefan Zweig – Meistererzählungen
Ephraim Kishon – Total verkabelt
Rolf Schneider – Unerwartete Veränderung
Jan Faktor – Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag
Fjodor Dostojewski – Der Spieler
Adelbert von Chamisso – Peter Schlemihls wundersame Geschichte
Nathaniel Hawthorne – Der scharlachrote Buchstabe/Die Blithedale Maskerade

Softcover:
Edwin und Hannelore Kuna – Das alte Rostock und sein Handwerk
Gerrit Koehler – Drehbuch schreiben
Claus Vainstain – Erfolgreich Schreiben
Ulla Mothes – Kreatives Schreiben
Verlagssuche
Duden Abiturhilfe – Erzählende Prosatexte analysieren
Reiner Mnich/Lutz Nöh – Rostock und Warnemünde. Bildende Kunst im Stadtbild
Isländische Lyrik
Redieck und Schade – Rostocker Zorenappels – Stadt-Schreiber-Geschichten
Joachim Seidel – HimbeerToni
Robert Louis Stevenson – Treasure Island (Englisch)
Nick Hornby – A Long Way Down
Rainer Weiss – Lektüre zwischen den Jahren
Franz Fühmann – Pavlos Papierbuch und andere Erzählngen
Stephen King – Colorado Kid
Leonie Swann – Glennkill
Tony Parsons – Die schönste Frau der Welt
Schlaflose-Nächste-Buch – Eine traumhafte Geschichtensammlung
Daniel Kehlmann – Ruhm
Das komische Lesebuch
Juri M. Lotman – Kunst als Sprache
Duden – Rechtschreibung und Grammatik – leicht gemacht
Arthur Conan Doyle – Sherlock Holmes Geschichten
Michael Joseph/Matthias Schümann – Herrentier – ein Rostock-Krimi
Wladimir Tendrjakow – Der siebente Tag
Alessandro Sili – Die wahre Geschichte des Gian Burlasca
Terry Pratchett – Die Magie der Scheibenwelt
Terry Pratchett – Lords und Ladies / Helle Barden
Terry Pratchett – Hohle Köpfe
Terry Pratchett – Echt zauberhaft
Terry Pratchett – Heiße Hüpfer
Terry Pratchett – Fliegende Fetzen
Terry Pratchett – Der Zauberhut
Terry Pratchett – Schweinsgalopp
Terry Pratchett – Ruhig Blut
Terry Pratchett – Mummenschanz
Terry Pratchett – Schlamassel auf der Scheibenwelt
Terry Pratchett – Wachen! Wachen!
Terry Pratchett – Total verhext/Einfach göttlich

Reclam:
Lessing – Literaturwissen
Max Frisch – Andorra
Ludwig Tieck – Der gestiefelte Kater
Thomas Nagel – Was bedeutet das alles? – Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie
Chr. F. Gellert – Das Leben der schwedischen Gräfin von G
Friedrich Nietzsche – Die Geburt der Tragödie
Joseph von Eichendorff – Aus dem Leben eines Taugenichts
John L. Austin – Zur Theorie der Sprechakte
J. Chr. Gottsched – Sterbender Cato
E.T.A. Hoffmann – Der Sandmann
E.T.A. Hoffmann – Nussknacker und Mäusekönig
Johann Elias Schlegel – Canut
Sophokles – König Ödipus
Chr. M. Wieland – Musarion
Gottfried Keller – Kleider machen Leute
G. E. Lessing – Miss Sara Sampson
Andreas Gryphius – Catharina von Georgien
Daniel Casper von Lohenstein – Cleopatra

Besonderes:
Kochbuch: Lust auf leichte Küche
Heinrich Mann – Die Jagd nach Liebe (Ausgabe von 1967)
Alexej Tolstoi – Der hinkende Fürst (Ausgabe von 1966)
Schillers Werke in zehn Bänden – Band 4 – 7; sehr alt; in Frakturschrift
Mark Twain – Tom Sawyers Abenteuer (Ausgabe von 1951)

Wie ich Master wurde und meinen Titel kurz darauf verlor

I‘ll be lost i‘ll be found in every corner of this town Slut – Tomorrow will be mine

Es war einmal, in einem fernen Land vor gar nicht allzu langer Zeit … Nein, ich will kein Märchen erzählen, aber doch eine lustige Geschichte und gleichzeitig die Chance nutzen, um hier mal wieder etwas Leben reinzubekommen. Es ist ja doch viel passiert in den vergangenen Tagen und Wochen und das Wichtigste ist wohl, dass ich jetzt hochoffiziell Master of Arts im Bereich Germanistik bin. Und alle so YEAH!

Und wenn ich so überlege, wie stressig und anstrengend das alles war, vor allem motivationstechnisch – nur noch mal für das Protokoll: Ich habe effektiv drei Wochen an den 70 Seiten gearbeitet, dann einen Abend für die Vorbereitung der mündlichen Prüfung gebraucht und am Ende ganz viele Nerven verloren – so fühlt es sich doch irgendwie unbesonders an. Vielleicht habe ich mich inzwischen auch nur einfach schon etwas daran gewöhnt.

Jedenfalls bin ich nun auf fleißig auf Jobsuche in ganz verschiedenen Bereichen, irgendwas mit Medien, Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit oder Journalismus. Die ersten Bewerbungen sind raus, drückt mir also die Daumen, dass bald die ersten Einladungen zu Vorstellungsgesprächen in meinen digitalen oder analogen Briefkasten liegen. Wer noch spannende Stellen hat, kann sie gerne in den Kommentaren posten, ich freue mich über jede Anregung!

Nun aber endlich zu der versprochenen lustigen Geschichte, die auch wieder einmal zeigt, dass ich manchmal, äußerst selten natürlich, ein ganz schöner (sympathischer) Trottel bin. Es war Donnerstag und ich war mit Freunden am Margaretenplatz, einer zentralen und offenen Fläche in Rostock verabredet. Da noch Zeit war, holte ich mich vorher kurz mein Zeugnis, das endlich fertig war, aus der Uni ab. Am Margaretenplatz setzte ich mich auf eine Bank in der Sonne und blätterte die zwei papierreichen Mappen durch und dachte so: „Joa, kann man haben, son Zeugnis.

Dann traf ich die Freunde und wir gingen ein Eis essen und der Tag war schön und so weiter. Am nächsten Abend saß ich so am Rechner, wie man das halt so macht, und bekam bei Facebook eine Nachricht von meinem Mitbewohner, die ich an dieser Stelle wortgenau wiedergeben möchte:

    „Saß gerade mit einem in ner Kneipe, der vor ein paar Tagen ne Masterurkunde der Germanistik auf dem Margaretenplatz gefunden hat. Ist das zufällig deins?“

Und ich so: „Ähh…, Moment, das kann doch eigentlich nicht sein, *nachguck*, fuck, verdammt, ja, das dürfte meine sein!“ Da hatte ich doch tatsächlich, trottelig, wie ich bin, beim Blättern in meinen Unterlagen meine Masterurkunde verloren. Ich traf meinen Mitbewohner und kurz darauf fanden wir auch den Freund des Freundes wieder, der ganz locker drauf war und der mir am nächsten Tag das Zeugnis wiedergab. Die Vorderseite und auch die Ränder sehen noch makellos aus (wer weiß, wie lange das da so auf dem Boden lag), nur auf der Rückseite ist in der Ecke ein kleiner Teil eines Fußabdruckes zu erkennen, was aber nicht wirklich tragisch ist. Bei genauerer Untersuchung stellte ich fest, dass es sich dabei wahrscheinlich auch noch um meinen eigenen Fußabdruck handelt. Ich hatte also das Blatt nicht nur verloren, sondern bin auch noch raufgetreten.

Nun ist aber alles wieder gut, ich hab die Urkunde wieder und bin froh, dass die Welt manchmal so ein Dorf ist. Was für ein Zufall, dass jemand das Blatt findet, das in der Kneipe erzählt (okay, hätte ich auch gemacht, is ja ne lustige Geschichte), aber dann auch noch mein Mitbewohner zufällig dabei ist und geistesgegenwärtig reagiert. Danke an dieser Stelle noch mal dem ehrlichen Finder und Felix, für das Retten meiner Masterwürde.

Master und Desaster

Es könnte alles, so einfach sein – isses aber nicht. Die fantastischen Vier – Einfach sein

Ich habe den schriftlichen Teil meiner Masterarbeit bestanden (und alle so YEAH!) Das klingt erst einmal super und erleichternd und alles und das ist es natürlich auch, doch trotzdem ging es heute irgendwie Schlag auf Schlag und die kommende Woche wird definitiv ein heißer Tanz.

Aber vom Anfang an. Nach sechs langen Jahren Germanistikstudium habe ich am 30. September meine Masterarbeit abgegeben. Anfang September war jegliche Motivation weg, sodass ich überlegt habe: „Okay Dré, du hast zwei Optionen. Entweder: Du scheißt auf den Master und schmeißt das Studium so kurz vor dem Ziel hin. Oder: Du meldest dich zurück und versuchst im nächsten Semester noch einmal, deine Motivation zu finden.“ Irgendwie habe ich dann angefangen und die 70 Seiten mehr oder weniger komplett in zwei Wochen (mit Korrekturphase) runtergeschrieben. Dementsprechend war oder bin ich auch nicht hundertprozentig zufrieden mit der Arbeit. Es war aber das Beste, was ich ohne jegliche germanistische Grundmotivation erreichen konnte.

Nach etwa drei Wochen habe ich mal per Mail nachgefragt, wie es denn aussieht und es kam eine ziemlich negative Antwort zurück. Die Arbeit sei eine Enttäuschung, philologisch auf wackligen Beinen und insgesamt eher dünn. Von da an hieß es bangen und warten – nach der Mail habe ich schon damit gerechnet, durchgefallen zu sein – bis ich heute einen Anruf von meinem Prüfungsamt bekam. Ich versuche es mal aus dem Gedächtnis wiederzugeben, es muss irgendwie so gewesen sein:

  • Ich: Hallo?
  • PA: Ja, Prüfungsamt hier. Ich wollte mal fragen, wann Ihre Verteidigung der Masterarbeit ist.
  • Ich: Joa, wüsste ich auch gern. Habe noch kein Ergebnis und kein Gutachten bekommen. Keine Ahnung.
  • PA: Achso, hmm. Weil am 30. Oktober ist ja die feierliche Absolventenverabschiedung in der Universitätskirche. Da wollen Sie doch sicher auch dabei sein.
  • Ich: Joa, an sich klar. Aber glaube nicht, dass ich bis dahin Rückmeldung habe, geschweige denn meine Arbeit verteidigt habe.
  • PA: Schreiben Sie doch mal Ihrem Dozenten, wäre doch schade.
  • Ich: Okay, mach ich.

Etwa zehn Minuten später klingelte mein Telefon erneut, es war wieder das Prüfungsamt:

  • Ich: Hallo?
  • PA: Ja, hier noch mal Prüfungsamt. Es hatte vorhin einen Grund, dass ich Sie angerufen habe. Bei der Absolventenverabschiedung hält auch immer ein Student eine Rede. Da haben wir in diesem Jahr an Sie gedacht.
  • Ich: Achso?! Okay… Naja, ähm. Prinzipiell klar, warum nicht, kann ich mir schon vorstellen. Nur muss ich ja dann schon meine letzte Prüfung hinter mir haben, oder?
  • PA: Ja genau. Das könnte aber klappen. Das Gutachten Ihres Hauptprüfers liegt schon vor. Sie haben auf jeden Fall bestanden. Die Verteidigung müsste dann aber spätestens in einer Woche sein.
  • Ich: *Schluck* Okay…ja, das ist sehr knapp, aber klar, versuchen wir es, wenn die Dozenten damit einverstanden sind.
  • PA: Super, ich kläre das und melde mich noch einmal bei Ihnen.

Dann lagen meine Nerven erstmal gepflegt ein wenig blank. Habenseite: Schriftlicher Teil der Masterarbeit bestanden. Problem: Innerhalb einer Woche Verteidigung und Rede schreiben. Dann bin ich in die Mensa gegangen und danach einfach mal zum Prüfungsamt hin und persönlich absprechen, wie es jetzt weitergeht.

Dort bekam ich dann eine Kopie des Gutachtens meines Hauptprüfers und es liest sich ziemlich vernichtend. Wenn ich die Note nicht ausnahmsweise (aufgrund der besonderen Situation) erfahren hätte, hätte ich nie mit einer 2,7 gerechnet. Sondern maximal mit 4,0. Oder mit einem noch schlechteren Ergebnis. Problem ist nun, dass mein Zweitkorrektor nicht beim Kolloquium dabei sein kann. Davon hatte ich mir eigentlich ein wenig Sicherheit erhofft. Außerdem hab ich nicht mal eine Woche Zeit, um das Gutachten durchzuarbeiten und die Kritikpunkte entsprechend vorzubereiten. Ach ja und nebenbei muss noch eine etwa zehn- bis fünfzehnminütige Rede vorbereitet werden. Autschi!

Mein Dozent ist sehr anspruchsvoll, ich hoffe aber, dass er mich nicht durchfallen lässt. Notentechnisch ist gar nicht so viel Spielraum. Wenn ich mich nicht verrechnet habe, komme ich mit einer hypothetischen 1,0 im mündlichen Teil auf eine Gesamtmasterarbeitsnote von 2,4, bei einer 4,0 würde ich bei 3,0 auf dem Zeugnis landen. Noch weniger wird es an der Gesamtnote ausmachen. Die liegt auf jeden Fall, wenn ich bestehe (ich klopfe auf Holz), bei 1,6 oder 1,7, was total geil und viel besser als am Anfang des Studiums erwartet ist.

Die Woche jetzt wird noch mal echt stressig, aber dafür habe ich es dann wahrscheinlich am Dienstag alles hinter mir – deutlich schneller als erwartet. Drückt mir bitte alle ab 09:00 Uhr für eine Stunde die Daumen. Sonst kommt hier am Ende wieder ein total negativer und düsterer Post. Und dann war da ja noch diese Rede, nun gut, da machen wir uns dann Gedanken drum.

Ach ja, ein weiteres großes Problem ist, dass ich gerade eigentlich mal wieder dabei war, mir einen richtig schönen Holzfäller-Vollbart wachsen zu lassen. Der muss dann natürlich auch dran glauben für die Rede. Was für ein Desaster mit diesem Master.