Der Marlboro-Mann

The saddest thing that I‘d ever seen, were smokers outside the hospital doors. Editors – Smokers outside the hospital doors

Wenn eine Idee schon über sieben Jahre in meinem Kopf rumschwebt und da einfach nicht herausgeht, dann muss sie verdammt gut sein, schließlich herrscht da oben neben einem reichlichen Durcheinander auch ein ständiges Kommen und Gehen.

Im Jahre 2008 hatte ich die Idee zu einem Werbespot. Er sollte – so meine gewagte Phantasie – in Kinos laufen. Da ich jedoch nicht über ausreichendes filmisches Know-How und die, für meinen tollkühnen Plan nötigen, finanziellen Mittel verfüge, wurde dieser Film nie gedreht und lief somit einzig und allein in meinem kleinen Kopfkino.

Da jedoch heutzutage bei Raubkopien selbst vor kleinen Indie-Kopfkino-Produktionen nicht zurückgeschreckt wird, habe ich beschlossen, meine Idee hier niederzuschreiben. Sollte dann also doch jemand den Spot drehen, könnte ich wenigstens anschließend nett fragen, ob die Person mich irgendwie am garantiert eintretenden, unermesslichen Ruhm beteiligt.

Der Titel des Spots ist Der Marlboro-Mann und ich versuche alles möglichst genau zu beschreiben, jedoch dürft ihr die gedanklichen Leerstellen gerne mit Beiwerk füllen.

Es ist ein sonniger Tag und die Kamera fängt einen sehr runtergekommenen Bahnsteig ein. Es sieht aus, als wäre die letzte Bahn hier schon längst abgefahren. Unkraut wuchert, eine alte grüne Holzbank, bei der die Farbe schon abplatzt ist, steht verloren herum und sogar einen alten Aschenbecher gibt es, ein Relikt aus einer Zeit, als noch keine kleinen gelben Quadrate die Bahnhöfe dieser Welt musterten.

Auf der Bank sitzt ein alter, ungepflegter Mann, der auch so aussieht, als hätte er seine besten Tage schon hinter sich. Zerschlissene, ausgewaschene Jeans, ein kaputtes Karohemd und ein Gesicht wie sieben Jahre Kohlebergwerk. Zerfurcht, abgespannt, kaputt. Die Haare fettig und verklebt und der Bart voll, aber nicht rasiert, sondern verwahrlost.

Der Marlboro-Mann sitzt da und die Kamera fängt ihn langsam ein und hält unangenehm drauf. Langsam holt er mit seinen schmutzigen Händen eine Packung Zigaretten aus der Brusttasche. Mit gelben Fingernägeln fischt er sich zitternd eine Kippe raus und zündet diese bedächtig mit einem Streichholz an. Er inhaliert die erste Dosis Rauch mit geschlossenen Augen, verzieht aber sonst keine Miene.

Die Kamera schwenkt und zeigt in der Ferne einen Zug, der näherkommt. Allerdings nur sehr klein als Punkt zu erkennen. Die Luft flimmert, es ist heiß. Ein schöner Tag. Der Mann steht auf und stellt sich an den Bahnsteig. Alles passiert sehr langsam. Er wartet. Der Zug kommt. Er zieht. Rauch umweht seinen Kopf.

Dann erreicht ihn die Bahn und es gibt einen riesigen Knall, Explosionen, dichter, schwarzer Nebel. Blackscreen. Die Kamera fährt raus und dabei lichtet sich der Rauch etwas. Man sieht den entgleisten, brennenden Zug. Ein Rad dreht sich. Zerstörung und die Kamera fährt weiter raus und der Blick fällt auf einen abgetrennten Arm, der dort unter der Lok hervorschaut. In der Hand die Zigarette und in genau diesem Moment fällt ein letztes Stück Asche von der Kippe. Blut fließt aus dem Arm heraus. Es bildet sich ein Satz. Immer deutlicher wird es. Da steht: Jeder Zug kann tödlich sein.

Musikvideos für die Ewigkeit: Frittenbude – Bilder mit Katze

Und so sehr wie Romeo und Julia wird sich niemand je mehr lieben. Muff Potter – Das halbvolle Glas des Kulturpessimismus

Ich war gestern mal wieder in so einer Phase, wie Olli Schulz singen würde. Ich habe zwei Stunden im Bett rumgelegen und habe Musik gehört und vor allem geschaut. Viele meiner Lieblingssongs sind nicht nur durch einen großartigen Text oder tolle Musik in meinem Kopf geblieben, sondern auch durch ein besonders Video.

Musikvideos werden – gefühlt – immer unwichtiger. Es gibt kein MTV oder Viva mehr, Spotify unterstützt (noch) keine Videos und in der Straßenbahn oder im Bus ist es auch nicht wirklich praktisch, nebenbei auch noch auf das Handy zu schauen, während man so vor sich hindöst, Quizduell spielt oder mit aller Welt kommuniziert.

Das ist verdammt schade, denn noch immer gibt es Künstler, die sich sehr viel Mühe damit geben, ihre Songs visuell umzusetzen oder aber mit einer ausgefallenen Idee das Lied um eine neue Ebene zu erweitern. Manchmal sind Musikvideos aber auch einfach nur lustiger Quatsch und ein großer Spaß fürs Auge.

Während der besagten Phase ist mir also mal wieder aufgefallen, wie viel mir manche dieser kleinen Kunstwerke bedeuten. Und da hatte ich die Idee, dass ich das als Vorwand nutzen könnte, um endlich mal wieder zu bloggen.
Lange Vorrede, kurzer Sinn: Ich werde hier nun in unregelmäßigen Abständen (und mit unregelmäßig meine ich, dass es auch nach diesem Beitrag schon wieder durch akuten Lustmangel vorbei sein könnte) Musikvideos vorstellen, die irgendwie einzigartig sind oder die mir viel bedeuten. Ich freue mich natürlich auch, wenn andere Leute auch solche Beiträge schreiben oder aber mir Videos empfehlen.

Den Anfang macht heute die Band Frittenbude mit dem Song Bilder mit Katze.

Das Video dazu hat Katrin Gebbe im Jahr 2010 gemacht. Das Lied erzählt die Geschichte einer Beziehung, von Anfang bis Ende. Und wer, genau wie Muff Potter, glaubt, dass sich niemand je wieder wie Romeo und Julia lieben kann, der wird hier eines Besseren belehrt.

Es braucht nicht immer Schmuck oder andere Kostbarkeiten, oft reicht schon eine Geste, ein T-Shirt mit neun großen Buchstaben, um das Herz eines Menschen zu erobern. Was danach kommt, mag eine „ganz normale“ Liebesgeschichte sein, aber gerade darum ist das alles so emotional. Weil jeder schon einmal irgendwie verliebt war und diese ganze Aufregung kennt.

Das Video erzählt die Geschichte des Songs einfach noch einmal. Wer also keinen Bock auf die Töne hat, erfährt die Geschichte vom Shirt und den Menschen, die es tragen, auch in der Stummfilmversion. Es hat tolle Bilder und alles, was eine romantische Schnulze braucht: Zusammenbrüche, Luftballons, Küsse, (etwas) Sex, eine eigene Tanzchoreographie und ganz viel Gefühl.

Mein persönliches Highlight ist der Mittelteil, in dem es keinen Gesang gibt, weil einfach alles gesagt ist. Die Momente, die Katrin Gebbe da einfängt, sind einfach nur toll und lustig und schön und so verdammt traurig und wahr und was weiß ich schon.

Am Ende senkt sich der Vorhang viel zu schnell. Halt, ich will noch eine Weile dabei bleiben und wissen, wie es ausgegangen ist. Haben sie sich nun bekommen? Aber hier ist Bilder mit Katze nun mal keine klassische Liebesschnulze, denn wir erfahren es einfach nicht. Es bleibt offen und wir müssen uns selbst im Kopf die Fortsetzung zusammenpuzzeln.

Bei mir hängt es ganz stark davon ab, wie ich drauf bin. Manchmal kriegen sie sich und manchmal sind die schönen großen Buchstaben einfach schon zu sehr ausgewaschen. Traurig, aber wahr.

Oscars Werkschau 2015 – Teil 2: Boyhood

Wo gehen wir hin? Wo kommen wir her? Was ist der Sinn? Ist da noch mehr? Die fantastischen Vier – Geboren

Das Leben schreibt die besten Geschichten. Da aber das Leben halt kein Regisseur ist und somit auch keine Filme drehen kann, was wiederum auch bedeutet, dass eine Nominierung für den Oscar und die damit zusammenhängende Besprechung (die eher eine Beschreibung ist) hier unmöglich ist, hat sich Filmemacher Richard Linklater gedacht, dass man ja auch einfach das Leben verfilmen kann. Oder kurz: Boyhood erzählt die Geschichte eines Lebens. Also eigentlich nur einen Teil daraus, nämlich den, in dem ein Mensch von einem Kind über den langen und beschwerlichen Umweg Pubertät zu einem jungen Erwachsenen wird.

Der Clou an der ganzen Sache ist, dass Boyhood über elf Jahre hinweg gedreht wurde. Linklater zeigt seine Protagonisten quasi in Echtzeit. Aber – da war ich selbst ein wenig verwirrt – der Film ist keine Dokumentation, sondern erzählt eine fiktive Geschichte.

Im Zentrum steht dabei Mason, den wir bei seiner Zeit im Knabenalter (Übersetzung LEO) begleiten. Wir gehen gemeinsam mit ihm in die Schule, trinken unseren ersten Alkohol und fangen gemeinsam an, uns für Mädchen zu interessieren. Vor allem aber flicken wir uns Stück für Stück eine immer größer werdende Patchworkdeckenfamilie zusammen.

Und je größer der Familienflickenteppich wird, um so größer werden auch die Probleme und Spannungen zwischen den Akteuren. Vor allem die neuen Lebensabschnittsgefährten von Masons Mutter Olivia (Patricia Arquette) sorgen für Konflikte und reichlich Zoff.

Für mich war es ziemlich spannend zu sehen, dass mir die Geschichte eigentlich gar nicht so wichtig war. Es gab keinen klassischen Handlungsverlauf mit aufsteigendem Spannungsbogen, der sich auf den einen Höhepunkt zubewegt. Viel mehr war es eine gleichbleibend unaufgeregte Erzählung, die als Vehikel für das Konzept des Films funktioniert hat.

Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass es Linklater darum ging, eine revolutionäre Geschichte zu erzählen. Es sind die Charaktere, die hier wichtig sind und die wir mit jeder der (teilweise etwas zu langen) 163 Minuten immer besser kennenlernen. Wir werden als Zuschauer irgendwie Teil der Familie.

Aber so ist es eben ein bisschen wie beim großen Familienessen am Sonntag. Es ist schön, alle wiederzusehen und mit ihnen Zeit zu verbringen, aber am Ende ist man auch wieder froh, wenn man allein Zuhause ist. Ich habe mich nie gelangweilt bei Boyhood, aber dieses Gefühl, zurück in mein „richtiges Zuhause“ zu wollen, war mehr als einmal da.

So kann ich auch nicht ganz verstehen, warum Boyhood im letzten Jahr über als DER FILM schlechthin verkauft wurde. Eine Durchschnittswertung von 100 von 100 möglichen Punkten bei 49 Kritiken (Metacritic) ist schon mehr als krass. Und das keiner davon den Film wenigstens ein bisschen blöd findet, ist in meinen Augen mehr als erstaunlich.

Jeder, der ein Herz für Familienfilme hat und damit leben kann, dass eben nicht viel passiert, sollte sich Boyhood aber vormerken. Wer zudem noch ein Faible für Filme hat oder sich selbst als Cineast bezeichnet, kommt eh nicht drum herum, den Streifen zu schauen, denn Boyhood ist ein bis dato einzigartiges und ambitioniertes Experiment, das auf jeden Fall funktioniert. Dafür gibt es von mir, auch wenn es nie mein Lieblingsfilm werden wird, 8 von 10 Sonntagsbraten.

Oscarchancen? Boyhood ist der wohl größte Favorit in den Königskategorien Film und Regie und eine Auszeichnung hier wäre definitiv verdient. Richard Linklater hat ein Stück Film geschaffen, das man gesehen haben sollte und das, selbst wenn man der Thematik nicht so viel abgewinnen kann, niemanden wehtut. Den Preis als beste Nebendarstellerin würde ich Patricia Arquette auf jeden Fall gönnen, wobei ich da nicht einschätzen kann, wie die Konkurrenz ist (wie auch bei Ethan Hawke.) Ich glaube, dass Boyhood einer der Gewinner des Abends am 22. Februar in Los Angeles wird.

Nominiert für:

  • Bester Film
  • Beste Regie
  • Bestes Originaldrehbuch
  • Beste Nebendarstellerin
  • Bester Nebendarsteller
  • Bester Schnitt

Oscars Werkschau 2015 – Teil 1: Grand Budapest Hotel

Plenty of room at the Hotel California. Any time of year you can find it here. Eagles – Hotel California

Okay, ich gebe zu, das Einstiegszitat ist nicht besonders kreativ, Wes Andersons Oscarhotel liegt nicht in Kalifornien und es kommt nicht ein einziger Igel im Film vor. Aber wenigstens ist es ein Hotel und damit doch immerhin ein Anfang. Ein Anfang nämlich für diese erste Oscarfilmkritiksbeschreibungsrezensionsgedönsdingens 2015! Und alle so: „Hey, das Wort gibt’s aber so nicht!“ Und ich dann so: „Hey, das Grand Budapest Hotel gibt´s auch so nicht. Und es steht auch nicht in Ungarn!“ Hätten wir das also schon einmal geklärt.

Lang lang (wie der chinesische Pianist) ist es her, dass ich Grand Budapest Hotel gesehen habe. Irgendwann Anfang 2014, kurz bevor ich temporär nach Irland auswanderte, habe ich im wundervollen Rostocker Lichtspieltheater Wundervoll den ersten Nominierten für den Film des Jahres gesehen. Und damals konnte ja keiner ahnen, dass der Film mit neun Nominierungen zusammen mit Birdman zu den großen Favoriten des Jahres gehören würde.

So kann ich mich auch nicht mehr an alle Details erinnern, sodass ich, bevor ich diesen Text verfassen konnte, erst noch einmal bei Wikipedia nachlesen musste, was überhaupt passiert. Denn so richtig ist mir die Handlung nicht im Gedächtnis hängen geblieben. Vielmehr glaube ich mich zu erinnern, dass ich schon direkt nach dem Kinobesuch so dachte: Hä?

Da Hä? Jedoch eher unzureichend für eine Inhaltsangabe ist, versuche ich kurz und wie immer spoilerfrei zusammenzufassen, was Wikipedia über die Zusammenfassung des Films zusammenfasst, oder so. Es gibt vier Zeitebenen und fünf Kapitel und eigentlich wird auf jeder Ebene eine Geschichte erzählt, die auf einer anderen Ebene zu einer anderen Geschichte führt und wie auf eine andere Ebene überleitet. Eigentlich geht es aber um den Lobbyboy Zéro und seinen charismatischen Lehrmeister Gustave H.

Dieser hat einen Schlag bei den Frauen und bekommt ein Bild vererbt, dass irgendwie jeder haben will und auch die Polizei und sowieso ist ja grad Krieg und die Schriftstellerei, die spielt auch eine wichtige Rolle und Verfolgungsjagden und Schnee. Ehrlich gesagt dachte ich mehrfach beim Lesen der Zusammenfassung: Was, das ist passiert? Daran kann ich mich gar nicht erinnern! Trotzdem ist Grand Budapest Hotel ein Film, der einem im Gedächtnis bleibt und zwar ob seiner tollen Optik und seiner vielen Stars. Meiner Meinung ist hier eindeutig Style over Substance die Devise.

Einmalig ist, was Wes Anderson für Bilder auf die Kinoleinwand (oder inzwischen auf den heimischen Fernseher) wirft und was für eine eigene kleine Welt er dort und damit entwirft. Am besten lässt es sich für mich mit dem Wort pittoresk beschreiben. Nicht selten denkt man, man schaut sich eine quietschbunte Puppenstube mit vielen lustigen Puppen an. Dazu kommen vereinzelte Scherenschnitteinlagen, verrückte Kameraeinstellungen und tolle Kulissen. Wirklich ein Festmahl für die Augen, wobei man, wie bei jedem guten Festmahl irgendwann mal satt ist. Es ist aber nicht dieses: „Boah, ich muss gleich spucken“-satt, sondern viel mehr ein „Ich würde gern noch einen Happen essen aber ich kann nicht mehr“-satt.

Der Cast ist, wie fast immer wenn Wes Anderson einen Film macht, hochkarätig besetzt. Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Tilda Swinton, Edward Norton, Bill Murray usw. usf. Es ist zwar schön die Nasen (vor allem die von Adrien Brody) mal vereint zu sehen, allerdings entsteht dabei auch wieder ein Problem, das ich häufig bei Filmen des Regisseurs habe. Es wird einfach kaum eine Symphatiefigur entwickelt. Alles geht so schnell: Zack,da. Zack, weg. Und die Tatsache, dass sie alle verrückte und verschrobene Figuren sind, macht die Sache nicht leichter. Irgendwann dachte ich so: Ach guck, wieder ein Star, der kurz durch das Bild huscht und dann nie wieder kommt. Auch hier wieder ein Effekt, den böse Zungen als Ablenkung vom eigentlichen Film auslegen könnten.

Ich bin aber keine böse Zunge und so kann ich einen Besuch im Grand Budapest Hotel schon insgesamt empfehlen. Es sieht schick aus, hört sich gut an und ist in einigen Momenten durch seine Skurrilität wirklich witzig. Trotzdem ist es halt mehr Kino für die Augen, als für das Herz und ich habe mich zwischendrin schon ein wenig gelangweilt. Daher ist er für mich auch kein (potenzieller) Gewinner in der Kategorie bester Film. Aber dazu kommen wir (Pluralis Majestatis) gleich. Erst noch schnell die 7 (von 10) Punktekoffer auf das Hotelzimmer bringen.

Oscarchancen? Bei neun Nominierungen sollte schon der eine oder andere Goldjunge für Wes Anderson und sein Team drin sein (auch wenn American Hustle im letzten Jahr zeigte, dass man auch 10-mal nominiert werden kann und dann trotzdem nichts gewinnen muss.) Wie gesagt, bester Film und auch beste Regie sind meiner Meinung nach unwahrscheinlich. Szenebild ist fast ein Muss, Kamera und Schnitt sind die Chancen sicher auch nicht schlecht und auch beim Originaldrehbuch hat der Streifen sicher noch ein Wort mitzureden.

Nominiert für:

  • Bester Film
  • Beste Regie
  • Bestes Originaldrehbuch
  • Bestes Szenenbild
  • Beste Kamera
  • Bestes Kostümdesign
  • Bester Schnitt
  • Bestes Make-up und beste Frisuren
  • Beste Filmmusik

Eine Vorschau auf die Oscars 2015 und ein Rückblick auf mein Filmjahr 2014

Theater, Theater, der Vorhang geht auf – Katja Ebstein

Ein Oscar kommt selten allein (außer es ist Oscar aus der Tonne, der ziemlich einzigartig ist) und so werden am 22.2.2015 wieder zahlreiche Goldjungen unter das Volk gebracht. Und nachdem ich mir im letzten Jahr erfolglos vorgenommen hatte, mehr zu schreiben und überhaupt alle Filme zu rezensieren, nehme ich mir das ganze einfach wieder (hoffentlich nicht erfolglos) vor.

Anders als in den vergangenen Jahren sind in diesem Jahr nur acht statt neun Filmen nominiert. Das passt auch ganz gut zu meiner persönlichen Meinung zum Filmjahr 2014: Es war irgendwie nicht schlecht, aber so richtige Kracher fehlten mir. So habe ich zum Beispiel Interstellar heiß erwartet, jedoch entpuppte er sich dann als kleine Enttäuschung. Ich kann nicht mal genau sagen, was mich konkret gestört hat, aber es fehlte irgendwas, weshalb ich, obwohl großer Nolan-Fan, nicht traurig bin, dass es nicht für eine Nominierung zum besten Film gereicht hat.

Was ich aber doch ziemlich schade finde ist, dass der grandiose Lego-Film nicht zum besten Animationsfilm nominiert wurde. Das Klötzchenspektakel war für mich eine der größten Überraschungen des vergangenen Jahres und kann Groß und Klein gleichermaßen viel Spaß machen, vor allem wenn man auf ziemlich quatschige Witze steht. Dafür ist nun ein relativ unbekannter Film nominiert, der nicht mal einen deutschen Wikipedia-Artikel hat – Skandal!
Ebenfalls gegönnt hätte ich Jake Gyllenhaal eine Nominierung, der in seiner Hauptrolle als Louis Bloom mit Nightcrawler meinen persönlichen Film des Jahres 2014 abgeliefert hat. Ein beeindruckend unangenehmer und zeitgleich faszinierender Film mit einem Antihelden, der kaum Sympathiepotenzial hat und mit dem man trotzdem voll mitfiebert. Und das ist eben vor allem Gyllenhaals Performance zu verdanken, die sogar in der unvermeidbaren deutschen Version noch ziemlich großartig war.

Trotzdem bleibt der männliche Hauptdarsteller spannend, da auf jeden Fall – wie auch bei der Regie und dem Drehbuch– jemand gewinnt, der vorher noch nie mit einem Goldjungen ausgezeichnet wurde. Und das ist doch schön, oder? (Rhetorische Frage bitte mit ja beantworten.)

So viel zur Vorbesprechung des Oscarverleihung 2015. Ich freue mich auf die kommenden, filmreichen Wochen. Wird gut, auch wenn meine Mitmenschen möglicherweise minimal von meinem Rumgenerde genervt sein könnten gewesen worden sein, oder so.

Nur noch kurz zum Abschluss meine Top 5 Filme aus dem letzten Jahr:

5. The Raid 2 – Absolut kompromissloser und brutaler Actionfilm aus Indonesien mit okayer Mafiastory, der aber wirklich mitreißend und genial inszeniert ist (deutlich besser als sein Vorgänger.)
4. The Wolf of Wall Street – Hätte ich im letzten Jahr mehr als drei Oscarfilme rezensiert, hätte ich hier auf die Rezension verwiesen. Hab ich aber nicht. Kennt aber eh fast jeder. Drei Stunden, die irgendwie nie langweilig werden und Leonardo DiCarpio, der irgendwie nie nicht gut ist in diesem Film und überhaupt. War gut.
3. American Hustle – Hätte ich im letzten Jahr mehr als drei Oscarfilme rezensiert, ach naja, ihr wisst schon. Sehr schicker und spaßiger Film im 70er-Jahre-Look, von David O. Russell, der schon mit Silver Linings ganz groß abgeliefert hat. Amy Adams…hach und Jennifer Lawrence…hach.
2. Gone Girl – Hätte ich in Irland mehr geschrieben, hätte ich den vielleicht auch rezensiert. Am besten funktioniert das Drama mit der großartigen Rosamund Pike und dem auch nicht schlechten Ben Affleck, wenn man möglichst wenig darüber weiß.
1. Nightcrawler – Hättest du den Text oben gelesen, wüsstest du schon, dass ich den wirklich gut fand. Ein Außenseiter wird zum Katastrophen-Kameramann. Keine leichte Kost, aber ziemlich faszinierend.

Kurzkritik: Black Sea

We all live in a yellow submarine – The Beatles

Premierenstimmung! Das Kino hatte extra den roten Teppich ausgerollt, schließlich sollte das erste Mal eine Sneak Preview besucht werden.
Bei den Trailern wuchs die Spannung. Mist, nicht John Wick…Puh, nicht Bros before Hos. Dann Filmbeginn, hoffentlich Birdman, hoffentlich Birdman…Und dann kam der Führer. Na klasse, diese Nazis wird man auch nicht mehr los.

Zum Glück folgte dann der Schnitt in die Gegenwart, sozusagen eine Schwarzblende *no pun intended* und es begann Black Sea, der uneheliche Ziehsohn von Jagd auf Roter Oktober und Das Boot (beide noch nicht gesehen, aber kennste einen, kennste alle.)

Jude Law ist alt und abgewrackt, eine Rolle, die ihm irgendwie ganz gut steht und die beweist, dass er nicht nur den Grafen von Sowieso und den anderen Herzog von Ent oder Weder spielen kann. Er wurde gefeuert und beschließt, dass son bisschen Nazigold ja ein schönes Ruhegeld wäre. Und da man Nazigold nur in U-Booten findet, braucht man auch selbst ein U-Boot. Und da das natürlich nur russisch sein kann, muss die Hälfte des Teams (man braucht ja auch Konfliktpotenzial auf dem Boot) auch aus Russen sein.

Was dann kommt, ist über weite Strecken wirklich stimmig inszeniert, packend und spannend. Gerade ich, der ein Faible für Unterwasserwelten hat, kommt bei so etwas natürlich auf seine Kosten. Man ist gespannt, in welche Überraschung (natürlich selten gut), die Crew als Nächstes stolpert und vor allem, welche Dummheit als Nächstes begangen wird.

Und hier haben wir auch den Hauptgrund dafür, warum Black Sea eben nur ein ganz guter und kein großartiger Film ist: Die Handlung wird fast ununterbrochen von dummen Aktionen und platten Klischees vorangetrieben – tiefgangtechnisch bewegt sich der Streifen eher in der Badewanne als im Bodensee. Mehrfach habe ich mir im Kino mit der flachen Hand vor die Stirn geschlagen.

Wenn man bestimmte Dinge ja noch irgendwie akzeptieren kann (Wie wird man so einen Barren Gold mit Hakenkreuz eigentlich los? Geht man zum Altgoldhändler seines Vertrauens?), fragt man sich manchmal schon, ob Regisseur Kevin Macdonald nicht was Logischeres hätte einfallen können, um Spannung zu schaffen. Ein U-Boot-Fresser-Krakenangriff, zum Beispiel. Und auch die Charaktere bleiben eher blass (unter dem Meer gibt es ja auch nicht viel Sonne.)

Davon abgesehen wird die Enge und Bedrohlichkeit aber gut eingefangen und überzeugend in Szene gesetzt. Es gibt einige Unterwasseraufnahmen, die zwischen beeindruckend und eher so geht so schwanken, einen unauffälligen, aber passenden Score und okaye Schauspieler, allen voran Jude Law, der wirklich das Beste aus seiner eher schwachen Rolle macht.

Insgesamt wird Black Sea nicht langweilig und war wahrscheinlich auch für den Großteil der Sneakbesucher ein konsensfähiges Erlebnis, trotzdem sollte man keine Meisterleistung oder Neuerfindung des Genres erwarten. Aber mit 7 von 10 Torpedos ist Black Sea kein Blindgänger, sondern ein gelungener Auftakt für das Kinojahr 2015, das aber auch noch Luft (oder in diesem Fall Wasser) nach oben hat.

Heimsucht

Eigentlich wollte ich hier ja aus Irland berichten und den Blog weiterführen und Fotos posten und coole Storys und alles. Uneigentlich ist hier im letzten halben Jahr nichts passiert. Kann man jetzt auch nicht mehr ändern.

Allerdings war ich heute Nacht in einem Anflug von spontaner Kreativität mal wieder in der Lage, einen (Poetry Slam) Text zu schreiben. Den möchte ich ohne lange Vorrede mit euch teilen. Nur so viel: Es ist natürlich wie immer nicht biografisch und ein rein fiktiver Text. Alle Ähnlichkeiten mit real existierendem … Krams sind rein zufällig. Der Text heißt Heimsucht und ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Heimsucht

Wenn einer eine Reise tut und diese Reise nicht nur eine Reise ist, im Sinne von: Mensch, endlich mal wieder schön verreisen, schön mit Handgepäck und Urlaubsspeck, nix wie weg aus Deutschland, und schön in die Karibik, aber nur für zwei schöne Wochen, dann ist aber auch schön wieder gut und überhaupt sprechen die ja auch eh alle kein Deutsch da, und das muss ja auch nicht sein, ganz pauschal: Tourist ist nicht nur zufällig phonetisch nah dran am Terrorist.

Sondern im Sinne von: Das Land verlassen und auf zu neuen Ufern, in anderen Städten ausufern und auschecken, was so geht und aus dem Hotel, das für die ersten 14 Tage die Heimat war, und rein in die erste eigene Wohnung im Ausland, das von nun an nicht mehr Ausland ist, sondern der Ort, wo du arbeitest und lebst und schläfst und kochst und Pizza bestellst und Klopapier kaufst und den du dann immer mit Deutschland vergleicht, im Sinne von: Mensch, das hätte es ja in Deutschland nicht gegeben und: Hach, guck ma einer an, diese Verrückten hier. Und überhaupt ist das ja alles ganz anders, aber schon auch irgendwie ähnlich.

Und aus Fernweh wird Heimsucht, die dich heimsucht und verflucht und: Verflucht noch mal, was soll ich noch hier. Du betrittst das erste Mal den lokalen Aldimarkt, der vielleicht eine deutsche Erfindung sein mag, aber genau so ein Exportschlager ist, wie der der Lidlmarkt nebenan oder Milka Schokolade oder Rammstein oder deutsche Autos oder alkoholfreies Becks Blue. Und dann hörst du das erste Mal die Frage: „How are you?“ Und du bist verdutzt und verwirrt und verzweifelt. Und du bastelst dir mit deinem besten schlechten Englisch eine Antwort. Und du stotterst sie deinem Gegenüber ins Gesicht: „Ähm. Yeah. Thank you. I am äh good. And you?“ Und du erntest das erste Mal diesen absolut verdutzten und verwirrten und fast verzweifelten Gesichtsausdruck. Und zwar nicht, weil dein Englisch so schlecht ist, sondern, weil man auf „How are you“ nicht antwortet, sondern einfach nur nickt oder grinst oder ausdruckslos angestrengt gar nichts macht, weil es eigentlich auch scheißegal ist, how you are.

Und aus Fernweh wird Heimsucht, die dich heimsucht und verflucht und: Verflucht noch mal, was soll ich noch hier. Und am Anfang skypst du noch regelmäßig mit deinen Bekannten und machst dich mit neuen Menschen bekannt und du kennst schnell den einen oder die andere, aber verkennst die Veränderung und bestehst auf der Vergangenheit. Mit Postkarten teilst du jedem, der es nicht wissen will, mit, dass es auch im Ausland Wetter gibt. Und Wettervorhersagen. Und Alkohol. Und es geht dir gut, aber der Postkartenempfangende fehlt schon irgendwie ein bisschen. Und das Meer auch. Aber die Postkarten werden weniger, denn du kannst nicht ertragen, dass das Leben in der alten Heimat auch ohne dich weitergeht. Und du gehst weiter deinen Umweg und du hast das Gefühl, etwas zu verpassen, und du verpasst den Anschluss und den Tag auf Arbeit, und im Anschluss verlierst du deinen Job und das Interesse daran, das zu ändern, denn Veränderung hattest du schon genug in letzter Zeit, und die Richtung, in die sich die Welt dreht, hat sich ja auch nicht verändert in den letzten 1000 Jahren.

Und aus Fernweh wird Heimsucht, die dich heimsucht und verflucht und: Verflucht noch mal, was soll ich noch hier. Und du hältst dich wieder an deinem Smartphone fest und stellst alle zwei Minuten neu fest, dass dir wieder niemand geschrieben hat. Und du schreibst ab, dich, und die Zeilen aus diesem Auswander-Forum im Internet, wo ja eh jeder irgendwie zu Hause ist, und da steht: „Am Anfang ist es ganz normal, ein bisschen Heimweh zu haben. Das geht vorbei“, und zwar dir und mir und jedem und am Arsch. Home is where your heart is und dein Herz will langsam mal nach Hause.

Und aus Fernweh wird Heimsucht, die dich heimsucht und verflucht und: Verflucht noch mal, was soll ich noch hier. Es geht doch immer weiter, zumindest noch bergab, wussten schon Turbostaat und du weißt es jetzt auch und nicht besser, und Wissen ist Macht, macht dich aber irgendwie machtlos, und loslassen willst du, aber losmachen kannst du nicht, denn du hast dir vorher geschworen, dass Scheitern keine Option ist. Denn du hast schon so viel angehäuft auf deinem Scheiterhaufen und haufenweise Sachen ausprobiert und aufgegeben und angefangen und abgebrochen. Failure is not an option. Und so ist dieses Mal alles anders und du bist anders und anders ist gut also bist du gut und das alles muss gut sein und damit ist alles gut. Sagst du dir, und glaubst sogar fast selber dran.

Und aus Fernweh wird Heimsucht, die dich heimsucht und verflucht und: Verflucht noch mal, was soll ich noch hier. Du kannst die Frage nicht beantworten und willst die Frage nicht beantworten und du willst dir auch die Frage nicht mehr stellen, sondern lieber gleich die Antwort kennen oder lernen, was es heißt, zu sein. Irgendwo angekommen und nicht wieder auf der Strecke abhanden, selbst wenn die Strecke nur ein Rückweg ist. Ins alte Leben, das ja doch gar nicht mal so schlecht war, irgendwie.

Und dann sagst du der Ferne Ade und suchst dein altes Heim auf und: Verflucht noch mal mal, tut das gut, wieder hier zu sein. Und dann bestellst du dir erst einmal schön ne Pizza und kaufst dir schön Klopapier und suchst dir schön ne Arbeit und du bist froh, dass alle wieder Deutsch sprechen, mehr oder weniger, und du bist selbst wieder einer dieser verrückten Deutschen, die es ja im Ausland so nicht gibt. Sondern nur so ähnlich. Irgendwie.

Bücher zu verschenken

Da ich sehr kurzfristig ein Jobangebot in Irland bekommen und dieses auch angenommen habe, schaffe ich die Oscarberichterstattung einfach nicht mehr – zu viel gibt es im Moment zu organisieren. Allerdings kann ich so bald Geschichten von der grünen Insel erzählen. Vorher muss ich mich aber von vielen meinen Büchern trennen. Zu schwer, zu sperrig und gerade bei Büchern, die ich schon gelesen habe, glaube ich kaum, dass ich sie nochmal lese. Wer also was will – ich habe die Bücher noch etwa eine Woche in Rostock bei mir, danach geht alles, was keiner wollte, in die Gebrauchtbuchhandlung. Ihr dürft gern zum Stöbern vorbeikommen oder blind zusagen – wer zuerst hier ist und sie abholt, liest zuerst. Die Qualität ist meistens gut bis sehr gut; einige sind auch schon leicht angelesen. Ich will für die Bücher nichts haben, freue mich aber natürlich über kleine Reisespenden – frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss!

Bücher
Hardcover:
Horst Kunze – Das große Buch vom Buch
Robert Louis Stevenson – Die Schatzinsel
Bernd List – Der Goldmacher
Rolf Lappert – Auf den Inseln des letzten Lichtes
Patrick Roth – Sunrise
Dan Brown – Das verlorene Symbol
Franz Fühmann – Der Jongleur im Kino
Christoph Peters – Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung
Stefan Zweig – Meistererzählungen
Ephraim Kishon – Total verkabelt
Rolf Schneider – Unerwartete Veränderung
Jan Faktor – Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag
Fjodor Dostojewski – Der Spieler
Adelbert von Chamisso – Peter Schlemihls wundersame Geschichte
Nathaniel Hawthorne – Der scharlachrote Buchstabe/Die Blithedale Maskerade

Softcover:
Edwin und Hannelore Kuna – Das alte Rostock und sein Handwerk
Gerrit Koehler – Drehbuch schreiben
Claus Vainstain – Erfolgreich Schreiben
Ulla Mothes – Kreatives Schreiben
Verlagssuche
Duden Abiturhilfe – Erzählende Prosatexte analysieren
Reiner Mnich/Lutz Nöh – Rostock und Warnemünde. Bildende Kunst im Stadtbild
Isländische Lyrik
Redieck und Schade – Rostocker Zorenappels – Stadt-Schreiber-Geschichten
Joachim Seidel – HimbeerToni
Robert Louis Stevenson – Treasure Island (Englisch)
Nick Hornby – A Long Way Down
Rainer Weiss – Lektüre zwischen den Jahren
Franz Fühmann – Pavlos Papierbuch und andere Erzählngen
Stephen King – Colorado Kid
Leonie Swann – Glennkill
Tony Parsons – Die schönste Frau der Welt
Schlaflose-Nächste-Buch – Eine traumhafte Geschichtensammlung
Daniel Kehlmann – Ruhm
Das komische Lesebuch
Juri M. Lotman – Kunst als Sprache
Duden – Rechtschreibung und Grammatik – leicht gemacht
Arthur Conan Doyle – Sherlock Holmes Geschichten
Michael Joseph/Matthias Schümann – Herrentier – ein Rostock-Krimi
Wladimir Tendrjakow – Der siebente Tag
Alessandro Sili – Die wahre Geschichte des Gian Burlasca
Terry Pratchett – Die Magie der Scheibenwelt
Terry Pratchett – Lords und Ladies / Helle Barden
Terry Pratchett – Hohle Köpfe
Terry Pratchett – Echt zauberhaft
Terry Pratchett – Heiße Hüpfer
Terry Pratchett – Fliegende Fetzen
Terry Pratchett – Der Zauberhut
Terry Pratchett – Schweinsgalopp
Terry Pratchett – Ruhig Blut
Terry Pratchett – Mummenschanz
Terry Pratchett – Schlamassel auf der Scheibenwelt
Terry Pratchett – Wachen! Wachen!
Terry Pratchett – Total verhext/Einfach göttlich

Reclam:
Lessing – Literaturwissen
Max Frisch – Andorra
Ludwig Tieck – Der gestiefelte Kater
Thomas Nagel – Was bedeutet das alles? – Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie
Chr. F. Gellert – Das Leben der schwedischen Gräfin von G
Friedrich Nietzsche – Die Geburt der Tragödie
Joseph von Eichendorff – Aus dem Leben eines Taugenichts
John L. Austin – Zur Theorie der Sprechakte
J. Chr. Gottsched – Sterbender Cato
E.T.A. Hoffmann – Der Sandmann
E.T.A. Hoffmann – Nussknacker und Mäusekönig
Johann Elias Schlegel – Canut
Sophokles – König Ödipus
Chr. M. Wieland – Musarion
Gottfried Keller – Kleider machen Leute
G. E. Lessing – Miss Sara Sampson
Andreas Gryphius – Catharina von Georgien
Daniel Casper von Lohenstein – Cleopatra

Besonderes:
Kochbuch: Lust auf leichte Küche
Heinrich Mann – Die Jagd nach Liebe (Ausgabe von 1967)
Alexej Tolstoi – Der hinkende Fürst (Ausgabe von 1966)
Schillers Werke in zehn Bänden – Band 4 – 7; sehr alt; in Frakturschrift
Mark Twain – Tom Sawyers Abenteuer (Ausgabe von 1951)

Oscars Werkschau 2014 – Teil 3: Captain Phillips

I am sailing, I am sailing. Home again ‚cross the sea. Rod Stewart – Sailing

Tom Hanks ist zurück. Okay, er war nie wirklich weg, aber eine Rolle, in der er auftrumpfen kann und einen guten Film trägt, ist doch schon etwas länger her. 19 Jahre nach Forrest Gump spielt er in Captain Phillips mal wieder den titelgebenden Helden. Wie er sich dabei schlägt, warum die Piraten keine Augenklappen tragen und nicht die ganze Zeit „ARRRRRR“ machen und ob man sich den neusten Streich von Paul Greengrass angucken sollte, verrate ich euch gleich. Von der Handlung verrate ich dagegen wie immer nicht viel – ihr könnt also beruhigt weiterlesen, ohne gespoilert zu werden.

Captain Phillips ist – und das kommt jetzt wahrscheinlich für einige mehr als überraschend – Kapitän. Auch ich dachte, dass ich ein Biopic über Gerard Philips, den Gründer des Elektronikkonzerns, zu sehen bekomme. Aber nein, wir haben ein L mehr im Namen und auch sonst gibt es kein auffälliges unauffälliges Product Placement – Tom Hanks trägt sogar Bart und hat nicht die Chance genutzt, sich in einer Szene formschön mit dem neuen Philips-Schwingkopf-Fünfklingentrimmer die Gesichtsbehaarung zu stutzen.

Der Bärtige ist also Schiffslenker (und nein, es gibt auch keine Szene, in der er irgendwo hinschifft) und steuert sein Containerfrachter über alle sieben Weltmeere. Sein aktueller Auftrag führt ihn vom Oman über den Golf von Aden nach Mombasa. Für die Leute, die keine Afrika/Asienkarte im Kopf haben: Der Weg führt vorbei an Somalia und in Somalia gibt es ganz viele Piraten. Darum hat Captain Jack (eigentlich heißt er Richard, aber Jack klingt lustiger) auch ein ganz schlechtes Gefühl als er im Hafen losschippert und lässt die Crew Sicherheitsübungen durchführen. Und weil es wirklich es nicht wirklich hollywoodtauglich wäre, einen Film zu zeigen, wo ein Schiff von A nach B fährt, zwischendrin eine Übung macht und dann problemlos ankommt, treten die Piraten natürlich wirklich auf den Plan. Und dann wird es spannend, denn ein packender Wettkampf zwischen David und Goliath beginnt.

Auch wenn die Grundprämisse erst mal nicht wirklich unterhaltsam klingt – Piraten wollen Schiff kapern, Schiff will nicht gekapert werden und keiner isst Kapern – gelingt es Paul Greengrass wirklich erstaunlich, über zwei Stunden hinweg die Spannung aufrechtzuerhalten. Dabei lässt er sich viel Zeit und lässt die Kamera auch immer wieder auf dem großen Pott und seinen kleinen Verfolgern verweilen, sodass man wirklich ein Gefühl bekommt, mit dabei auf hoher See zu sein. Es sieht einfach toll aus und gerade für mich, der total auf maritimes Flair steht, reichen die Aufnahmen von Chefkameramann Barry Ackroyd schon aus, um dem Film zu mögen.

Die Hauptdarsteller des Films sind zwar vor allem die Schiffe und das Meer, aber ohne gute Akteure ließe sich wohl kaum die Stimmung des Thrillers über die gesamte Spielzeit halten. Dabei liefert der schon erwähnte Tom Hanks natürlich gewohnt souverän ab, aber auch der Rest vom Cast macht einen super Job. Vor allem die Piraten, die von Schauspielanfängern verkörpert werden, überzeugen komplett. Durch sie bekommt die sonst etwas platte und abgedroschene Handlung auch etwas Tiefgang, denn sie werden hier nicht als die bösen, fiesen Piraten präsentiert, sondern als Menschen, die nicht anders können und nur ihre Familie ernähren wollen. Dieser Zwiespalt, in dem sie stecken wird, gut deutlich und auch glaubhaft von Barkhad Abdi und seinen Kollegen verkörpert.

Der Film erzählt eine wahre Geschichte aus dem Jahr 2009 nach, weshalb es natürlich schwierig ist, den Sinn hinter einigen Aktionen zu erfragen. Trotzdem haben wir es nicht mit einer Dokumentation, sondern mit einem Spielfilm zu tun, weshalb er sich diese Fragen zumindest gefallen lassen muss. So sind die Piraten zwar schon glaubhaft und zwiespältig gezeichnet, Captain Phillips selbst wirkt aber wie ein klassischer (ja, vielleicht auch amerikanischer) Superheldenmenschtyp, der nie einen Fehler oder etwas Böses tut und vielleicht sogar am liebsten selbst noch Geld für seine Angreifer spenden würde. Man würde doch ein etwas anderes Verhalten bei Angriffen erwarten. Und auch die Rolle und das Bild des Militärs hätte meiner Meinung nach noch etwas differenzierter ausfallen können.

Außerdem geht der Film halt eben doch über zwei Stunden und soooo viel passiert da eben nicht. Klar ist es schon irgendwie immer spannend und man ist auch gepackt, das täuscht aber nicht über einige kleine Längen hinweg, die es auf jeden Fall gibt. Und auch großartige Innovationen sollte man von Captain Phillips nicht erwarten. Aber die braucht es ja auch nicht immer und ein sehenswerter und spannender Thriller ist es auf jeden Fall, weshalb ich insgesamt 7,5 von 10 Punkten vergebe, eventuell mit einer ganz leichten Tendenz nach oben. Sehr solide Kost mit schönen Bildern, die man aber vor allem kein zweites Mal sehen braucht, da die Spannung vor allem daherrührt, dass man nicht weiß, wie die Situation ausgeht.

Oscarchancen?
Auch wenn Tom Hanks wirklich gut abliefert, ist er – meiner Meinung nach auch zurecht – nicht für einen Goldjungen nominiert. Die Konkurrenz bei den männlichen Hauptdarstellern ist in diesem Jahr auch einfach gigantisch. Bester Film wird er ziemlich sicher auch nicht, beim Preis für den besten Nebendarsteller könnte Barkhad Abdi eine Überraschung gelingen. Bei den Bafta, dem britischen Filmpreis, konnte er das Rennen für sich entscheiden, bei den Oscars würde ich aber eher auf Bradley Cooper oder Jared Leto tippen.

Nominiert für:

  • Bester Film
  • Bester Nebendarsteller (Barkhad Abdi)

Oscars Werkschau 2014 – Teil 2: Nebraska

These boots are made for walking, and that’s just what they‘ll do. Nancy Sinatra – These Boots Are Made for Walkin‘

Ich sitze gespannt und auch etwas müde in einem kleinen Kino in Berlin. Endlich wieder Oscarfilme schauen! Auf dem Programm steht Nebraska, von dem ich eigentlich gar nichts weiß, außer, dass er für den begehrten Hauptpreis nominiert ist. Nach dem Vorspann dann eine Szene in schwarz-weiß. Ich tippe meinen besten Freund neben mir an: „Der ist doch nicht etwa komplett so, oder?“ Er: „Doch, ich dachte, das wüsstest du?!“

Viel zu lange hat es gedauert, dass ich hier endlich mit meiner Werkschau der diesjährigen Academy Awards weitermache. Zum jetzigen Zeitpunkt, gut zwei Wochen vor der Verleihung, habe ich bereits acht der neun Nominierten gesehen. Ich könnte das Gesamtfeld schon gut einschätzen und habe auch schon einen Favoriten, allerdings hebe ich mir das alles noch auf. Heute soll es erstmal um Nebraska gehen. Dabei verzichte ich natürlich wie immer auf Spoiler oder zu detaillierte Hintergründe zur Handlung – ihr sollt den Film ja auch noch selbst schauen.

Es war einmal ein alter Mann (und alte Männer gibt es ja viele, ich selbst bin gar nicht mehr so weit weg davon und womöglich lässt sich dieses Alter auch nicht mehr lange aufhalten – wie dem auch sei) und ein Lotterielos. Diese Lose kennt jeder: Herzlichen Glückwunsch [zufälliger Name in anderer Schriftart], sie haben gewonnen. Überweisen sie uns nur 100 Euro und schon überweisen wir Ihnen 10000 Euro! Dem alten Woody wird sogar noch mehr versprochen: eine Million Dollar, die er sich nur persönlich in Nebraska abholen muss. „1500 Kilometer? Ein Klacks!“, denkt er sich und marschiert los.

Auf einer Autobahnauffahrt wird er von zwei Polizisten gestoppt und nach Hause gebracht (das erinnert mich an eine Geschichte, die mir mal passiert, allerdings war ich da noch nicht alt und senil, habe jedoch noch getrunken.) Apropos Trinken; auch dem war Woody über die Jahre nicht abgeneigt, worunter auch die Beziehung zu seinen Söhnen gelitten hat. Seine Frau (wirklich toll gespielt von June Squibb) meckert und zetert, doch der leicht senile und sehr dickköpfige Rentner geht bei der nächsten Gelegenheit wieder los. Er will seinen Gewinn und lässt sich nicht davon überzeugen, dass die ganze Sache vielleicht nur eine Betrügerei ist.

Also erbarmt sich sein Sohn David, mit ihm die (Tor)Tour zu machen. Beide kommen auch in der alten Heimat vorbei, wo sich schnell rumspricht, dass Woody bald reich ist. Auf einmal fällt jedem ein, dass er ihm doch vor Ewigkeiten was geliehen hat und überhaupt immer schon sein bester Freund war. Und gönnen tut natürlich sowieso keiner keinem etwas. Die Familie zofft und verträgt sich und es entwickelt sich ein familiärer Roadtrip. Allerdings nicht in einem geklauten Sportwagen, wie sonst häufig in Roadmovies, sondern in einem gut klimatisierten Reisebus mit Wärmedecken.

Nebraska verzichtet komplett auf Hektik und ist der wohl am langsamsten erzählte Film im gesamten, diesjährigen Oscarfeld. Die Kamera bleibt lange auf Szenen, es wird oft nicht viel gesagt, Landschaften werden gezeigt und alles wird von einem ganz entspannten Country-Soundtrack untermalt. Es wirkte schon so, als wäre das vorwiegend alte (Ü 50) Kinopublikum mit mir im Saal eher die Zielgruppe, als ich, der ja sowieso ein von Actionfilmen und den Medien abgestumpfter Klotz ist. Und weil alles soooo ruhig und beschaulich war und mein Tag lang und anstrengend, schlummerte ich – gegen meinen Willen – auch einige Minuten ein.

Das machte aber nichts, denn als ich die Augen aufmachte, war immer noch nicht viel passiert. Und auch wenn das alles ziemlich abwertend klingt, ist Nebraska ein guter, ansehnlicher Film, den ich auch gern mehr gemocht hätte. Die Darsteller sind sympathisch, die Stimmung ist versöhnlich, man kann sich gut entspannen und es gibt auch viele wirklich lustige Stellen. Aber in leise, nicht so zum Brüllen komisch. Ich war halt einfach nicht in der Stimmung für so einen Film und auch nicht vorbereitet. Und vielleicht bin ich auch zu jung, aber gleichzeitig wäre es auch ziemlicher Quatsch, die Wirkung eines Films vom Alter abhängig zu machen. Es soll ja auch junge Menschen geben, die Lost in Translation gut finden (für mich persönlich ja absolut unverständlich.)

Wer ein Problem damit hat, sich Landschaften mit Menschen und Musik anzuschauen, ohne dass viel passiert, sollte Nebraska vielleicht lieber weiträumig umfahren. Wem das jedoch bewusst ist, kann mit diesem Film auch ein kleines Juwel entdecken, dass man ins Herz schließen möchte und nicht mehr loslassen, weil es doch so lieb und nett ist. Ich schwanke irgendwo dazwischen und fühlte mich stellenweise gelangweilt, stellenweise gut unterhalten und größtenteils in so eine warme, flauschige Wolke eingehüllt. Und diese Wolke hatte die Form einer 6,5, was ganz zufällig auch meiner Punktzahl entspricht (auf einer Skala von 0 bis 10.)

Oscarchancen? Kaum! In der Königsklasse sind einfach zu viele starke Streifen im Rennen, da ist es zwar schön, dass so eine kleine Komödie etwas Bekanntheit erlangt, allerdings wäre es eine enorme Überraschung, wenn er dort, ebenso wie bei der Regie, gewinnt. Beide Darsteller überzeugen in ihrer Rolle, aber auch da ist die Konkurrenz einfach zu groß, besonders bei den Männern. Ähnliches gilt auch für Drehbuch und Kamera. Ich lege mich mal fest, dass Nebraska leer ausgehen wird. Und damit könnte ich auch leben.

Nominiert für:

  • Nominierung in der Kategorie Bester Film
  • Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Alexander Payne
  • Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Bruce Dern
  • Nominierung in der Kategorie Beste Nebendarstellerin für June Squibb
  • Nominierung in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch für Bob Nelson
  • Nominierung in der Kategorie Beste Kamera