Oscars Werkschau 2015 – Teil 1: Grand Budapest Hotel

Plenty of room at the Hotel California. Any time of year you can find it here. Eagles – Hotel California

Okay, ich gebe zu, das Einstiegszitat ist nicht besonders kreativ, Wes Andersons Oscarhotel liegt nicht in Kalifornien und es kommt nicht ein einziger Igel im Film vor. Aber wenigstens ist es ein Hotel und damit doch immerhin ein Anfang. Ein Anfang nämlich für diese erste Oscarfilmkritiksbeschreibungsrezensionsgedönsdingens 2015! Und alle so: „Hey, das Wort gibt’s aber so nicht!“ Und ich dann so: „Hey, das Grand Budapest Hotel gibt´s auch so nicht. Und es steht auch nicht in Ungarn!“ Hätten wir das also schon einmal geklärt.

Lang lang (wie der chinesische Pianist) ist es her, dass ich Grand Budapest Hotel gesehen habe. Irgendwann Anfang 2014, kurz bevor ich temporär nach Irland auswanderte, habe ich im wundervollen Rostocker Lichtspieltheater Wundervoll den ersten Nominierten für den Film des Jahres gesehen. Und damals konnte ja keiner ahnen, dass der Film mit neun Nominierungen zusammen mit Birdman zu den großen Favoriten des Jahres gehören würde.

So kann ich mich auch nicht mehr an alle Details erinnern, sodass ich, bevor ich diesen Text verfassen konnte, erst noch einmal bei Wikipedia nachlesen musste, was überhaupt passiert. Denn so richtig ist mir die Handlung nicht im Gedächtnis hängen geblieben. Vielmehr glaube ich mich zu erinnern, dass ich schon direkt nach dem Kinobesuch so dachte: Hä?

Da Hä? Jedoch eher unzureichend für eine Inhaltsangabe ist, versuche ich kurz und wie immer spoilerfrei zusammenzufassen, was Wikipedia über die Zusammenfassung des Films zusammenfasst, oder so. Es gibt vier Zeitebenen und fünf Kapitel und eigentlich wird auf jeder Ebene eine Geschichte erzählt, die auf einer anderen Ebene zu einer anderen Geschichte führt und wie auf eine andere Ebene überleitet. Eigentlich geht es aber um den Lobbyboy Zéro und seinen charismatischen Lehrmeister Gustave H.

Dieser hat einen Schlag bei den Frauen und bekommt ein Bild vererbt, dass irgendwie jeder haben will und auch die Polizei und sowieso ist ja grad Krieg und die Schriftstellerei, die spielt auch eine wichtige Rolle und Verfolgungsjagden und Schnee. Ehrlich gesagt dachte ich mehrfach beim Lesen der Zusammenfassung: Was, das ist passiert? Daran kann ich mich gar nicht erinnern! Trotzdem ist Grand Budapest Hotel ein Film, der einem im Gedächtnis bleibt und zwar ob seiner tollen Optik und seiner vielen Stars. Meiner Meinung ist hier eindeutig Style over Substance die Devise.

Einmalig ist, was Wes Anderson für Bilder auf die Kinoleinwand (oder inzwischen auf den heimischen Fernseher) wirft und was für eine eigene kleine Welt er dort und damit entwirft. Am besten lässt es sich für mich mit dem Wort pittoresk beschreiben. Nicht selten denkt man, man schaut sich eine quietschbunte Puppenstube mit vielen lustigen Puppen an. Dazu kommen vereinzelte Scherenschnitteinlagen, verrückte Kameraeinstellungen und tolle Kulissen. Wirklich ein Festmahl für die Augen, wobei man, wie bei jedem guten Festmahl irgendwann mal satt ist. Es ist aber nicht dieses: „Boah, ich muss gleich spucken“-satt, sondern viel mehr ein „Ich würde gern noch einen Happen essen aber ich kann nicht mehr“-satt.

Der Cast ist, wie fast immer wenn Wes Anderson einen Film macht, hochkarätig besetzt. Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Tilda Swinton, Edward Norton, Bill Murray usw. usf. Es ist zwar schön die Nasen (vor allem die von Adrien Brody) mal vereint zu sehen, allerdings entsteht dabei auch wieder ein Problem, das ich häufig bei Filmen des Regisseurs habe. Es wird einfach kaum eine Symphatiefigur entwickelt. Alles geht so schnell: Zack,da. Zack, weg. Und die Tatsache, dass sie alle verrückte und verschrobene Figuren sind, macht die Sache nicht leichter. Irgendwann dachte ich so: Ach guck, wieder ein Star, der kurz durch das Bild huscht und dann nie wieder kommt. Auch hier wieder ein Effekt, den böse Zungen als Ablenkung vom eigentlichen Film auslegen könnten.

Ich bin aber keine böse Zunge und so kann ich einen Besuch im Grand Budapest Hotel schon insgesamt empfehlen. Es sieht schick aus, hört sich gut an und ist in einigen Momenten durch seine Skurrilität wirklich witzig. Trotzdem ist es halt mehr Kino für die Augen, als für das Herz und ich habe mich zwischendrin schon ein wenig gelangweilt. Daher ist er für mich auch kein (potenzieller) Gewinner in der Kategorie bester Film. Aber dazu kommen wir (Pluralis Majestatis) gleich. Erst noch schnell die 7 (von 10) Punktekoffer auf das Hotelzimmer bringen.

Oscarchancen? Bei neun Nominierungen sollte schon der eine oder andere Goldjunge für Wes Anderson und sein Team drin sein (auch wenn American Hustle im letzten Jahr zeigte, dass man auch 10-mal nominiert werden kann und dann trotzdem nichts gewinnen muss.) Wie gesagt, bester Film und auch beste Regie sind meiner Meinung nach unwahrscheinlich. Szenebild ist fast ein Muss, Kamera und Schnitt sind die Chancen sicher auch nicht schlecht und auch beim Originaldrehbuch hat der Streifen sicher noch ein Wort mitzureden.

Nominiert für:

  • Bester Film
  • Beste Regie
  • Bestes Originaldrehbuch
  • Bestes Szenenbild
  • Beste Kamera
  • Bestes Kostümdesign
  • Bester Schnitt
  • Bestes Make-up und beste Frisuren
  • Beste Filmmusik

Eine Vorschau auf die Oscars 2015 und ein Rückblick auf mein Filmjahr 2014

Theater, Theater, der Vorhang geht auf – Katja Ebstein

Ein Oscar kommt selten allein (außer es ist Oscar aus der Tonne, der ziemlich einzigartig ist) und so werden am 22.2.2015 wieder zahlreiche Goldjungen unter das Volk gebracht. Und nachdem ich mir im letzten Jahr erfolglos vorgenommen hatte, mehr zu schreiben und überhaupt alle Filme zu rezensieren, nehme ich mir das ganze einfach wieder (hoffentlich nicht erfolglos) vor.

Anders als in den vergangenen Jahren sind in diesem Jahr nur acht statt neun Filmen nominiert. Das passt auch ganz gut zu meiner persönlichen Meinung zum Filmjahr 2014: Es war irgendwie nicht schlecht, aber so richtige Kracher fehlten mir. So habe ich zum Beispiel Interstellar heiß erwartet, jedoch entpuppte er sich dann als kleine Enttäuschung. Ich kann nicht mal genau sagen, was mich konkret gestört hat, aber es fehlte irgendwas, weshalb ich, obwohl großer Nolan-Fan, nicht traurig bin, dass es nicht für eine Nominierung zum besten Film gereicht hat.

Was ich aber doch ziemlich schade finde ist, dass der grandiose Lego-Film nicht zum besten Animationsfilm nominiert wurde. Das Klötzchenspektakel war für mich eine der größten Überraschungen des vergangenen Jahres und kann Groß und Klein gleichermaßen viel Spaß machen, vor allem wenn man auf ziemlich quatschige Witze steht. Dafür ist nun ein relativ unbekannter Film nominiert, der nicht mal einen deutschen Wikipedia-Artikel hat – Skandal!
Ebenfalls gegönnt hätte ich Jake Gyllenhaal eine Nominierung, der in seiner Hauptrolle als Louis Bloom mit Nightcrawler meinen persönlichen Film des Jahres 2014 abgeliefert hat. Ein beeindruckend unangenehmer und zeitgleich faszinierender Film mit einem Antihelden, der kaum Sympathiepotenzial hat und mit dem man trotzdem voll mitfiebert. Und das ist eben vor allem Gyllenhaals Performance zu verdanken, die sogar in der unvermeidbaren deutschen Version noch ziemlich großartig war.

Trotzdem bleibt der männliche Hauptdarsteller spannend, da auf jeden Fall – wie auch bei der Regie und dem Drehbuch– jemand gewinnt, der vorher noch nie mit einem Goldjungen ausgezeichnet wurde. Und das ist doch schön, oder? (Rhetorische Frage bitte mit ja beantworten.)

So viel zur Vorbesprechung des Oscarverleihung 2015. Ich freue mich auf die kommenden, filmreichen Wochen. Wird gut, auch wenn meine Mitmenschen möglicherweise minimal von meinem Rumgenerde genervt sein könnten gewesen worden sein, oder so.

Nur noch kurz zum Abschluss meine Top 5 Filme aus dem letzten Jahr:

5. The Raid 2 – Absolut kompromissloser und brutaler Actionfilm aus Indonesien mit okayer Mafiastory, der aber wirklich mitreißend und genial inszeniert ist (deutlich besser als sein Vorgänger.)
4. The Wolf of Wall Street – Hätte ich im letzten Jahr mehr als drei Oscarfilme rezensiert, hätte ich hier auf die Rezension verwiesen. Hab ich aber nicht. Kennt aber eh fast jeder. Drei Stunden, die irgendwie nie langweilig werden und Leonardo DiCarpio, der irgendwie nie nicht gut ist in diesem Film und überhaupt. War gut.
3. American Hustle – Hätte ich im letzten Jahr mehr als drei Oscarfilme rezensiert, ach naja, ihr wisst schon. Sehr schicker und spaßiger Film im 70er-Jahre-Look, von David O. Russell, der schon mit Silver Linings ganz groß abgeliefert hat. Amy Adams…hach und Jennifer Lawrence…hach.
2. Gone Girl – Hätte ich in Irland mehr geschrieben, hätte ich den vielleicht auch rezensiert. Am besten funktioniert das Drama mit der großartigen Rosamund Pike und dem auch nicht schlechten Ben Affleck, wenn man möglichst wenig darüber weiß.
1. Nightcrawler – Hättest du den Text oben gelesen, wüsstest du schon, dass ich den wirklich gut fand. Ein Außenseiter wird zum Katastrophen-Kameramann. Keine leichte Kost, aber ziemlich faszinierend.

Kurzkritik: Black Sea

We all live in a yellow submarine – The Beatles

Premierenstimmung! Das Kino hatte extra den roten Teppich ausgerollt, schließlich sollte das erste Mal eine Sneak Preview besucht werden.
Bei den Trailern wuchs die Spannung. Mist, nicht John Wick…Puh, nicht Bros before Hos. Dann Filmbeginn, hoffentlich Birdman, hoffentlich Birdman…Und dann kam der Führer. Na klasse, diese Nazis wird man auch nicht mehr los.

Zum Glück folgte dann der Schnitt in die Gegenwart, sozusagen eine Schwarzblende *no pun intended* und es begann Black Sea, der uneheliche Ziehsohn von Jagd auf Roter Oktober und Das Boot (beide noch nicht gesehen, aber kennste einen, kennste alle.)

Jude Law ist alt und abgewrackt, eine Rolle, die ihm irgendwie ganz gut steht und die beweist, dass er nicht nur den Grafen von Sowieso und den anderen Herzog von Ent oder Weder spielen kann. Er wurde gefeuert und beschließt, dass son bisschen Nazigold ja ein schönes Ruhegeld wäre. Und da man Nazigold nur in U-Booten findet, braucht man auch selbst ein U-Boot. Und da das natürlich nur russisch sein kann, muss die Hälfte des Teams (man braucht ja auch Konfliktpotenzial auf dem Boot) auch aus Russen sein.

Was dann kommt, ist über weite Strecken wirklich stimmig inszeniert, packend und spannend. Gerade ich, der ein Faible für Unterwasserwelten hat, kommt bei so etwas natürlich auf seine Kosten. Man ist gespannt, in welche Überraschung (natürlich selten gut), die Crew als Nächstes stolpert und vor allem, welche Dummheit als Nächstes begangen wird.

Und hier haben wir auch den Hauptgrund dafür, warum Black Sea eben nur ein ganz guter und kein großartiger Film ist: Die Handlung wird fast ununterbrochen von dummen Aktionen und platten Klischees vorangetrieben – tiefgangtechnisch bewegt sich der Streifen eher in der Badewanne als im Bodensee. Mehrfach habe ich mir im Kino mit der flachen Hand vor die Stirn geschlagen.

Wenn man bestimmte Dinge ja noch irgendwie akzeptieren kann (Wie wird man so einen Barren Gold mit Hakenkreuz eigentlich los? Geht man zum Altgoldhändler seines Vertrauens?), fragt man sich manchmal schon, ob Regisseur Kevin Macdonald nicht was Logischeres hätte einfallen können, um Spannung zu schaffen. Ein U-Boot-Fresser-Krakenangriff, zum Beispiel. Und auch die Charaktere bleiben eher blass (unter dem Meer gibt es ja auch nicht viel Sonne.)

Davon abgesehen wird die Enge und Bedrohlichkeit aber gut eingefangen und überzeugend in Szene gesetzt. Es gibt einige Unterwasseraufnahmen, die zwischen beeindruckend und eher so geht so schwanken, einen unauffälligen, aber passenden Score und okaye Schauspieler, allen voran Jude Law, der wirklich das Beste aus seiner eher schwachen Rolle macht.

Insgesamt wird Black Sea nicht langweilig und war wahrscheinlich auch für den Großteil der Sneakbesucher ein konsensfähiges Erlebnis, trotzdem sollte man keine Meisterleistung oder Neuerfindung des Genres erwarten. Aber mit 7 von 10 Torpedos ist Black Sea kein Blindgänger, sondern ein gelungener Auftakt für das Kinojahr 2015, das aber auch noch Luft (oder in diesem Fall Wasser) nach oben hat.

Heimsucht

Eigentlich wollte ich hier ja aus Irland berichten und den Blog weiterführen und Fotos posten und coole Storys und alles. Uneigentlich ist hier im letzten halben Jahr nichts passiert. Kann man jetzt auch nicht mehr ändern.

Allerdings war ich heute Nacht in einem Anflug von spontaner Kreativität mal wieder in der Lage, einen (Poetry Slam) Text zu schreiben. Den möchte ich ohne lange Vorrede mit euch teilen. Nur so viel: Es ist natürlich wie immer nicht biografisch und ein rein fiktiver Text. Alle Ähnlichkeiten mit real existierendem … Krams sind rein zufällig. Der Text heißt Heimsucht und ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Heimsucht

Wenn einer eine Reise tut und diese Reise nicht nur eine Reise ist, im Sinne von: Mensch, endlich mal wieder schön verreisen, schön mit Handgepäck und Urlaubsspeck, nix wie weg aus Deutschland, und schön in die Karibik, aber nur für zwei schöne Wochen, dann ist aber auch schön wieder gut und überhaupt sprechen die ja auch eh alle kein Deutsch da, und das muss ja auch nicht sein, ganz pauschal: Tourist ist nicht nur zufällig phonetisch nah dran am Terrorist.

Sondern im Sinne von: Das Land verlassen und auf zu neuen Ufern, in anderen Städten ausufern und auschecken, was so geht und aus dem Hotel, das für die ersten 14 Tage die Heimat war, und rein in die erste eigene Wohnung im Ausland, das von nun an nicht mehr Ausland ist, sondern der Ort, wo du arbeitest und lebst und schläfst und kochst und Pizza bestellst und Klopapier kaufst und den du dann immer mit Deutschland vergleicht, im Sinne von: Mensch, das hätte es ja in Deutschland nicht gegeben und: Hach, guck ma einer an, diese Verrückten hier. Und überhaupt ist das ja alles ganz anders, aber schon auch irgendwie ähnlich.

Und aus Fernweh wird Heimsucht, die dich heimsucht und verflucht und: Verflucht noch mal, was soll ich noch hier. Du betrittst das erste Mal den lokalen Aldimarkt, der vielleicht eine deutsche Erfindung sein mag, aber genau so ein Exportschlager ist, wie der der Lidlmarkt nebenan oder Milka Schokolade oder Rammstein oder deutsche Autos oder alkoholfreies Becks Blue. Und dann hörst du das erste Mal die Frage: „How are you?“ Und du bist verdutzt und verwirrt und verzweifelt. Und du bastelst dir mit deinem besten schlechten Englisch eine Antwort. Und du stotterst sie deinem Gegenüber ins Gesicht: „Ähm. Yeah. Thank you. I am äh good. And you?“ Und du erntest das erste Mal diesen absolut verdutzten und verwirrten und fast verzweifelten Gesichtsausdruck. Und zwar nicht, weil dein Englisch so schlecht ist, sondern, weil man auf „How are you“ nicht antwortet, sondern einfach nur nickt oder grinst oder ausdruckslos angestrengt gar nichts macht, weil es eigentlich auch scheißegal ist, how you are.

Und aus Fernweh wird Heimsucht, die dich heimsucht und verflucht und: Verflucht noch mal, was soll ich noch hier. Und am Anfang skypst du noch regelmäßig mit deinen Bekannten und machst dich mit neuen Menschen bekannt und du kennst schnell den einen oder die andere, aber verkennst die Veränderung und bestehst auf der Vergangenheit. Mit Postkarten teilst du jedem, der es nicht wissen will, mit, dass es auch im Ausland Wetter gibt. Und Wettervorhersagen. Und Alkohol. Und es geht dir gut, aber der Postkartenempfangende fehlt schon irgendwie ein bisschen. Und das Meer auch. Aber die Postkarten werden weniger, denn du kannst nicht ertragen, dass das Leben in der alten Heimat auch ohne dich weitergeht. Und du gehst weiter deinen Umweg und du hast das Gefühl, etwas zu verpassen, und du verpasst den Anschluss und den Tag auf Arbeit, und im Anschluss verlierst du deinen Job und das Interesse daran, das zu ändern, denn Veränderung hattest du schon genug in letzter Zeit, und die Richtung, in die sich die Welt dreht, hat sich ja auch nicht verändert in den letzten 1000 Jahren.

Und aus Fernweh wird Heimsucht, die dich heimsucht und verflucht und: Verflucht noch mal, was soll ich noch hier. Und du hältst dich wieder an deinem Smartphone fest und stellst alle zwei Minuten neu fest, dass dir wieder niemand geschrieben hat. Und du schreibst ab, dich, und die Zeilen aus diesem Auswander-Forum im Internet, wo ja eh jeder irgendwie zu Hause ist, und da steht: „Am Anfang ist es ganz normal, ein bisschen Heimweh zu haben. Das geht vorbei“, und zwar dir und mir und jedem und am Arsch. Home is where your heart is und dein Herz will langsam mal nach Hause.

Und aus Fernweh wird Heimsucht, die dich heimsucht und verflucht und: Verflucht noch mal, was soll ich noch hier. Es geht doch immer weiter, zumindest noch bergab, wussten schon Turbostaat und du weißt es jetzt auch und nicht besser, und Wissen ist Macht, macht dich aber irgendwie machtlos, und loslassen willst du, aber losmachen kannst du nicht, denn du hast dir vorher geschworen, dass Scheitern keine Option ist. Denn du hast schon so viel angehäuft auf deinem Scheiterhaufen und haufenweise Sachen ausprobiert und aufgegeben und angefangen und abgebrochen. Failure is not an option. Und so ist dieses Mal alles anders und du bist anders und anders ist gut also bist du gut und das alles muss gut sein und damit ist alles gut. Sagst du dir, und glaubst sogar fast selber dran.

Und aus Fernweh wird Heimsucht, die dich heimsucht und verflucht und: Verflucht noch mal, was soll ich noch hier. Du kannst die Frage nicht beantworten und willst die Frage nicht beantworten und du willst dir auch die Frage nicht mehr stellen, sondern lieber gleich die Antwort kennen oder lernen, was es heißt, zu sein. Irgendwo angekommen und nicht wieder auf der Strecke abhanden, selbst wenn die Strecke nur ein Rückweg ist. Ins alte Leben, das ja doch gar nicht mal so schlecht war, irgendwie.

Und dann sagst du der Ferne Ade und suchst dein altes Heim auf und: Verflucht noch mal mal, tut das gut, wieder hier zu sein. Und dann bestellst du dir erst einmal schön ne Pizza und kaufst dir schön Klopapier und suchst dir schön ne Arbeit und du bist froh, dass alle wieder Deutsch sprechen, mehr oder weniger, und du bist selbst wieder einer dieser verrückten Deutschen, die es ja im Ausland so nicht gibt. Sondern nur so ähnlich. Irgendwie.

Bücher zu verschenken

Da ich sehr kurzfristig ein Jobangebot in Irland bekommen und dieses auch angenommen habe, schaffe ich die Oscarberichterstattung einfach nicht mehr – zu viel gibt es im Moment zu organisieren. Allerdings kann ich so bald Geschichten von der grünen Insel erzählen. Vorher muss ich mich aber von vielen meinen Büchern trennen. Zu schwer, zu sperrig und gerade bei Büchern, die ich schon gelesen habe, glaube ich kaum, dass ich sie nochmal lese. Wer also was will – ich habe die Bücher noch etwa eine Woche in Rostock bei mir, danach geht alles, was keiner wollte, in die Gebrauchtbuchhandlung. Ihr dürft gern zum Stöbern vorbeikommen oder blind zusagen – wer zuerst hier ist und sie abholt, liest zuerst. Die Qualität ist meistens gut bis sehr gut; einige sind auch schon leicht angelesen. Ich will für die Bücher nichts haben, freue mich aber natürlich über kleine Reisespenden – frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss!

Bücher
Hardcover:
Horst Kunze – Das große Buch vom Buch
Robert Louis Stevenson – Die Schatzinsel
Bernd List – Der Goldmacher
Rolf Lappert – Auf den Inseln des letzten Lichtes
Patrick Roth – Sunrise
Dan Brown – Das verlorene Symbol
Franz Fühmann – Der Jongleur im Kino
Christoph Peters – Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung
Stefan Zweig – Meistererzählungen
Ephraim Kishon – Total verkabelt
Rolf Schneider – Unerwartete Veränderung
Jan Faktor – Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag
Fjodor Dostojewski – Der Spieler
Adelbert von Chamisso – Peter Schlemihls wundersame Geschichte
Nathaniel Hawthorne – Der scharlachrote Buchstabe/Die Blithedale Maskerade

Softcover:
Edwin und Hannelore Kuna – Das alte Rostock und sein Handwerk
Gerrit Koehler – Drehbuch schreiben
Claus Vainstain – Erfolgreich Schreiben
Ulla Mothes – Kreatives Schreiben
Verlagssuche
Duden Abiturhilfe – Erzählende Prosatexte analysieren
Reiner Mnich/Lutz Nöh – Rostock und Warnemünde. Bildende Kunst im Stadtbild
Isländische Lyrik
Redieck und Schade – Rostocker Zorenappels – Stadt-Schreiber-Geschichten
Joachim Seidel – HimbeerToni
Robert Louis Stevenson – Treasure Island (Englisch)
Nick Hornby – A Long Way Down
Rainer Weiss – Lektüre zwischen den Jahren
Franz Fühmann – Pavlos Papierbuch und andere Erzählngen
Stephen King – Colorado Kid
Leonie Swann – Glennkill
Tony Parsons – Die schönste Frau der Welt
Schlaflose-Nächste-Buch – Eine traumhafte Geschichtensammlung
Daniel Kehlmann – Ruhm
Das komische Lesebuch
Juri M. Lotman – Kunst als Sprache
Duden – Rechtschreibung und Grammatik – leicht gemacht
Arthur Conan Doyle – Sherlock Holmes Geschichten
Michael Joseph/Matthias Schümann – Herrentier – ein Rostock-Krimi
Wladimir Tendrjakow – Der siebente Tag
Alessandro Sili – Die wahre Geschichte des Gian Burlasca
Terry Pratchett – Die Magie der Scheibenwelt
Terry Pratchett – Lords und Ladies / Helle Barden
Terry Pratchett – Hohle Köpfe
Terry Pratchett – Echt zauberhaft
Terry Pratchett – Heiße Hüpfer
Terry Pratchett – Fliegende Fetzen
Terry Pratchett – Der Zauberhut
Terry Pratchett – Schweinsgalopp
Terry Pratchett – Ruhig Blut
Terry Pratchett – Mummenschanz
Terry Pratchett – Schlamassel auf der Scheibenwelt
Terry Pratchett – Wachen! Wachen!
Terry Pratchett – Total verhext/Einfach göttlich

Reclam:
Lessing – Literaturwissen
Max Frisch – Andorra
Ludwig Tieck – Der gestiefelte Kater
Thomas Nagel – Was bedeutet das alles? – Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie
Chr. F. Gellert – Das Leben der schwedischen Gräfin von G
Friedrich Nietzsche – Die Geburt der Tragödie
Joseph von Eichendorff – Aus dem Leben eines Taugenichts
John L. Austin – Zur Theorie der Sprechakte
J. Chr. Gottsched – Sterbender Cato
E.T.A. Hoffmann – Der Sandmann
E.T.A. Hoffmann – Nussknacker und Mäusekönig
Johann Elias Schlegel – Canut
Sophokles – König Ödipus
Chr. M. Wieland – Musarion
Gottfried Keller – Kleider machen Leute
G. E. Lessing – Miss Sara Sampson
Andreas Gryphius – Catharina von Georgien
Daniel Casper von Lohenstein – Cleopatra

Besonderes:
Kochbuch: Lust auf leichte Küche
Heinrich Mann – Die Jagd nach Liebe (Ausgabe von 1967)
Alexej Tolstoi – Der hinkende Fürst (Ausgabe von 1966)
Schillers Werke in zehn Bänden – Band 4 – 7; sehr alt; in Frakturschrift
Mark Twain – Tom Sawyers Abenteuer (Ausgabe von 1951)

Oscars Werkschau 2014 – Teil 3: Captain Phillips

I am sailing, I am sailing. Home again ‚cross the sea. Rod Stewart – Sailing

Tom Hanks ist zurück. Okay, er war nie wirklich weg, aber eine Rolle, in der er auftrumpfen kann und einen guten Film trägt, ist doch schon etwas länger her. 19 Jahre nach Forrest Gump spielt er in Captain Phillips mal wieder den titelgebenden Helden. Wie er sich dabei schlägt, warum die Piraten keine Augenklappen tragen und nicht die ganze Zeit „ARRRRRR“ machen und ob man sich den neusten Streich von Paul Greengrass angucken sollte, verrate ich euch gleich. Von der Handlung verrate ich dagegen wie immer nicht viel – ihr könnt also beruhigt weiterlesen, ohne gespoilert zu werden.

Captain Phillips ist – und das kommt jetzt wahrscheinlich für einige mehr als überraschend – Kapitän. Auch ich dachte, dass ich ein Biopic über Gerard Philips, den Gründer des Elektronikkonzerns, zu sehen bekomme. Aber nein, wir haben ein L mehr im Namen und auch sonst gibt es kein auffälliges unauffälliges Product Placement – Tom Hanks trägt sogar Bart und hat nicht die Chance genutzt, sich in einer Szene formschön mit dem neuen Philips-Schwingkopf-Fünfklingentrimmer die Gesichtsbehaarung zu stutzen.

Der Bärtige ist also Schiffslenker (und nein, es gibt auch keine Szene, in der er irgendwo hinschifft) und steuert sein Containerfrachter über alle sieben Weltmeere. Sein aktueller Auftrag führt ihn vom Oman über den Golf von Aden nach Mombasa. Für die Leute, die keine Afrika/Asienkarte im Kopf haben: Der Weg führt vorbei an Somalia und in Somalia gibt es ganz viele Piraten. Darum hat Captain Jack (eigentlich heißt er Richard, aber Jack klingt lustiger) auch ein ganz schlechtes Gefühl als er im Hafen losschippert und lässt die Crew Sicherheitsübungen durchführen. Und weil es wirklich es nicht wirklich hollywoodtauglich wäre, einen Film zu zeigen, wo ein Schiff von A nach B fährt, zwischendrin eine Übung macht und dann problemlos ankommt, treten die Piraten natürlich wirklich auf den Plan. Und dann wird es spannend, denn ein packender Wettkampf zwischen David und Goliath beginnt.

Auch wenn die Grundprämisse erst mal nicht wirklich unterhaltsam klingt – Piraten wollen Schiff kapern, Schiff will nicht gekapert werden und keiner isst Kapern – gelingt es Paul Greengrass wirklich erstaunlich, über zwei Stunden hinweg die Spannung aufrechtzuerhalten. Dabei lässt er sich viel Zeit und lässt die Kamera auch immer wieder auf dem großen Pott und seinen kleinen Verfolgern verweilen, sodass man wirklich ein Gefühl bekommt, mit dabei auf hoher See zu sein. Es sieht einfach toll aus und gerade für mich, der total auf maritimes Flair steht, reichen die Aufnahmen von Chefkameramann Barry Ackroyd schon aus, um dem Film zu mögen.

Die Hauptdarsteller des Films sind zwar vor allem die Schiffe und das Meer, aber ohne gute Akteure ließe sich wohl kaum die Stimmung des Thrillers über die gesamte Spielzeit halten. Dabei liefert der schon erwähnte Tom Hanks natürlich gewohnt souverän ab, aber auch der Rest vom Cast macht einen super Job. Vor allem die Piraten, die von Schauspielanfängern verkörpert werden, überzeugen komplett. Durch sie bekommt die sonst etwas platte und abgedroschene Handlung auch etwas Tiefgang, denn sie werden hier nicht als die bösen, fiesen Piraten präsentiert, sondern als Menschen, die nicht anders können und nur ihre Familie ernähren wollen. Dieser Zwiespalt, in dem sie stecken wird, gut deutlich und auch glaubhaft von Barkhad Abdi und seinen Kollegen verkörpert.

Der Film erzählt eine wahre Geschichte aus dem Jahr 2009 nach, weshalb es natürlich schwierig ist, den Sinn hinter einigen Aktionen zu erfragen. Trotzdem haben wir es nicht mit einer Dokumentation, sondern mit einem Spielfilm zu tun, weshalb er sich diese Fragen zumindest gefallen lassen muss. So sind die Piraten zwar schon glaubhaft und zwiespältig gezeichnet, Captain Phillips selbst wirkt aber wie ein klassischer (ja, vielleicht auch amerikanischer) Superheldenmenschtyp, der nie einen Fehler oder etwas Böses tut und vielleicht sogar am liebsten selbst noch Geld für seine Angreifer spenden würde. Man würde doch ein etwas anderes Verhalten bei Angriffen erwarten. Und auch die Rolle und das Bild des Militärs hätte meiner Meinung nach noch etwas differenzierter ausfallen können.

Außerdem geht der Film halt eben doch über zwei Stunden und soooo viel passiert da eben nicht. Klar ist es schon irgendwie immer spannend und man ist auch gepackt, das täuscht aber nicht über einige kleine Längen hinweg, die es auf jeden Fall gibt. Und auch großartige Innovationen sollte man von Captain Phillips nicht erwarten. Aber die braucht es ja auch nicht immer und ein sehenswerter und spannender Thriller ist es auf jeden Fall, weshalb ich insgesamt 7,5 von 10 Punkten vergebe, eventuell mit einer ganz leichten Tendenz nach oben. Sehr solide Kost mit schönen Bildern, die man aber vor allem kein zweites Mal sehen braucht, da die Spannung vor allem daherrührt, dass man nicht weiß, wie die Situation ausgeht.

Oscarchancen?
Auch wenn Tom Hanks wirklich gut abliefert, ist er – meiner Meinung nach auch zurecht – nicht für einen Goldjungen nominiert. Die Konkurrenz bei den männlichen Hauptdarstellern ist in diesem Jahr auch einfach gigantisch. Bester Film wird er ziemlich sicher auch nicht, beim Preis für den besten Nebendarsteller könnte Barkhad Abdi eine Überraschung gelingen. Bei den Bafta, dem britischen Filmpreis, konnte er das Rennen für sich entscheiden, bei den Oscars würde ich aber eher auf Bradley Cooper oder Jared Leto tippen.

Nominiert für:

  • Bester Film
  • Bester Nebendarsteller (Barkhad Abdi)

Oscars Werkschau 2014 – Teil 2: Nebraska

These boots are made for walking, and that’s just what they‘ll do. Nancy Sinatra – These Boots Are Made for Walkin‘

Ich sitze gespannt und auch etwas müde in einem kleinen Kino in Berlin. Endlich wieder Oscarfilme schauen! Auf dem Programm steht Nebraska, von dem ich eigentlich gar nichts weiß, außer, dass er für den begehrten Hauptpreis nominiert ist. Nach dem Vorspann dann eine Szene in schwarz-weiß. Ich tippe meinen besten Freund neben mir an: „Der ist doch nicht etwa komplett so, oder?“ Er: „Doch, ich dachte, das wüsstest du?!“

Viel zu lange hat es gedauert, dass ich hier endlich mit meiner Werkschau der diesjährigen Academy Awards weitermache. Zum jetzigen Zeitpunkt, gut zwei Wochen vor der Verleihung, habe ich bereits acht der neun Nominierten gesehen. Ich könnte das Gesamtfeld schon gut einschätzen und habe auch schon einen Favoriten, allerdings hebe ich mir das alles noch auf. Heute soll es erstmal um Nebraska gehen. Dabei verzichte ich natürlich wie immer auf Spoiler oder zu detaillierte Hintergründe zur Handlung – ihr sollt den Film ja auch noch selbst schauen.

Es war einmal ein alter Mann (und alte Männer gibt es ja viele, ich selbst bin gar nicht mehr so weit weg davon und womöglich lässt sich dieses Alter auch nicht mehr lange aufhalten – wie dem auch sei) und ein Lotterielos. Diese Lose kennt jeder: Herzlichen Glückwunsch [zufälliger Name in anderer Schriftart], sie haben gewonnen. Überweisen sie uns nur 100 Euro und schon überweisen wir Ihnen 10000 Euro! Dem alten Woody wird sogar noch mehr versprochen: eine Million Dollar, die er sich nur persönlich in Nebraska abholen muss. „1500 Kilometer? Ein Klacks!“, denkt er sich und marschiert los.

Auf einer Autobahnauffahrt wird er von zwei Polizisten gestoppt und nach Hause gebracht (das erinnert mich an eine Geschichte, die mir mal passiert, allerdings war ich da noch nicht alt und senil, habe jedoch noch getrunken.) Apropos Trinken; auch dem war Woody über die Jahre nicht abgeneigt, worunter auch die Beziehung zu seinen Söhnen gelitten hat. Seine Frau (wirklich toll gespielt von June Squibb) meckert und zetert, doch der leicht senile und sehr dickköpfige Rentner geht bei der nächsten Gelegenheit wieder los. Er will seinen Gewinn und lässt sich nicht davon überzeugen, dass die ganze Sache vielleicht nur eine Betrügerei ist.

Also erbarmt sich sein Sohn David, mit ihm die (Tor)Tour zu machen. Beide kommen auch in der alten Heimat vorbei, wo sich schnell rumspricht, dass Woody bald reich ist. Auf einmal fällt jedem ein, dass er ihm doch vor Ewigkeiten was geliehen hat und überhaupt immer schon sein bester Freund war. Und gönnen tut natürlich sowieso keiner keinem etwas. Die Familie zofft und verträgt sich und es entwickelt sich ein familiärer Roadtrip. Allerdings nicht in einem geklauten Sportwagen, wie sonst häufig in Roadmovies, sondern in einem gut klimatisierten Reisebus mit Wärmedecken.

Nebraska verzichtet komplett auf Hektik und ist der wohl am langsamsten erzählte Film im gesamten, diesjährigen Oscarfeld. Die Kamera bleibt lange auf Szenen, es wird oft nicht viel gesagt, Landschaften werden gezeigt und alles wird von einem ganz entspannten Country-Soundtrack untermalt. Es wirkte schon so, als wäre das vorwiegend alte (Ü 50) Kinopublikum mit mir im Saal eher die Zielgruppe, als ich, der ja sowieso ein von Actionfilmen und den Medien abgestumpfter Klotz ist. Und weil alles soooo ruhig und beschaulich war und mein Tag lang und anstrengend, schlummerte ich – gegen meinen Willen – auch einige Minuten ein.

Das machte aber nichts, denn als ich die Augen aufmachte, war immer noch nicht viel passiert. Und auch wenn das alles ziemlich abwertend klingt, ist Nebraska ein guter, ansehnlicher Film, den ich auch gern mehr gemocht hätte. Die Darsteller sind sympathisch, die Stimmung ist versöhnlich, man kann sich gut entspannen und es gibt auch viele wirklich lustige Stellen. Aber in leise, nicht so zum Brüllen komisch. Ich war halt einfach nicht in der Stimmung für so einen Film und auch nicht vorbereitet. Und vielleicht bin ich auch zu jung, aber gleichzeitig wäre es auch ziemlicher Quatsch, die Wirkung eines Films vom Alter abhängig zu machen. Es soll ja auch junge Menschen geben, die Lost in Translation gut finden (für mich persönlich ja absolut unverständlich.)

Wer ein Problem damit hat, sich Landschaften mit Menschen und Musik anzuschauen, ohne dass viel passiert, sollte Nebraska vielleicht lieber weiträumig umfahren. Wem das jedoch bewusst ist, kann mit diesem Film auch ein kleines Juwel entdecken, dass man ins Herz schließen möchte und nicht mehr loslassen, weil es doch so lieb und nett ist. Ich schwanke irgendwo dazwischen und fühlte mich stellenweise gelangweilt, stellenweise gut unterhalten und größtenteils in so eine warme, flauschige Wolke eingehüllt. Und diese Wolke hatte die Form einer 6,5, was ganz zufällig auch meiner Punktzahl entspricht (auf einer Skala von 0 bis 10.)

Oscarchancen? Kaum! In der Königsklasse sind einfach zu viele starke Streifen im Rennen, da ist es zwar schön, dass so eine kleine Komödie etwas Bekanntheit erlangt, allerdings wäre es eine enorme Überraschung, wenn er dort, ebenso wie bei der Regie, gewinnt. Beide Darsteller überzeugen in ihrer Rolle, aber auch da ist die Konkurrenz einfach zu groß, besonders bei den Männern. Ähnliches gilt auch für Drehbuch und Kamera. Ich lege mich mal fest, dass Nebraska leer ausgehen wird. Und damit könnte ich auch leben.

Nominiert für:

  • Nominierung in der Kategorie Bester Film
  • Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Alexander Payne
  • Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Bruce Dern
  • Nominierung in der Kategorie Beste Nebendarstellerin für June Squibb
  • Nominierung in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch für Bob Nelson
  • Nominierung in der Kategorie Beste Kamera

Oscars Werkschau 2014 – Teil 1: Gravity

Völlig losgelöst, von der Erde, schwebt das Raumschiff, völlig schwerelos. Tom Schilling – Major Tom

Da ist so ein Kribbeln. Ein komisches Gefühl auf der Haut. Mein Kopf ist leicht benommen. Irgendwas stimmt da doch nicht. Also Arzt aufgesucht, angestellt, abgecheckt und Aufklärung bekommen: Es sind die Oscars! Nehmen Sie regelmäßig Filme zu sich und bei Risiken und Nebenwirkungen schreiben Sie am besten selbst die Packungsbeilage.

Im letzten Jahr habe ich angefangen, im Rahmen der Oscars zwei von meinen liebsten Hobbys miteinander zu verbinden: Filme und Schreibkram. Da ich Spaß daran hatte, werde ich auch in diesem Jahr wieder versuchen, alle Nominierten für Bester Film zu schauen und für jeden einen kleinen Text zu schreiben. Los geht es mit Gravity, dem SciFi-Streifen von Alfonso Cuarón, der bereits im Oktober des vergangenen Jahres bei uns lief.

Gravity sind 90 Minuten visueller Hochgenuss. Um das zu bezahlen, wurde bei den Schauspielern gespart. Es gibt Sandra Bullock und George Clooney, dazu die Stimme von Ed Harris und einen weiteren Typen. Das war es. Aber der eigentliche Star des Films ist eh der Weltraum, den Alfonso Cuarón und sein Team auf die Leinwand zaubern.

Astronaut Matt Kowalsky und Wissenschaftlerin Ryan Stone haben die Mission, das Weltraumteleskop Hubble zu reparieren. Doch das Weltall ist groß und so fliegt da einiges rum und trifft dann anderes und schon kommt es zur Katastrophe. Und zack ist auf einmal ein Müllsturm in der Umlaufbahn und der trifft dummerweise auch Shuttle, Teleskop und Forscher. Und so nimmt das Unglück seinen Lauf.

Ich muss zugeben, dass ich vor dem Kinobesuch überhaupt nicht an Gravity interessiert war. Ja, die Effekte sollen super sein, aber der Rest? Sandra Bullock, die ne Stunde allein und verwirrt durchs All fliegt – wie soll das bitte ein guter Film werden? Das kann doch überhaupt nicht spannend oder mitreißend sein. Allerdings täuschte ich mich, zumindest ein wenig. Denn irgendwie wurde ich doch mitgerissen. Auch wenn es nur ein Kammerspiel (mit der wahrscheinlich größten denkbaren Kammer überhaupt) ist, kommt doch Spannung auf. Schafft sie, es rechtzeitig zur rettenden Station zu kommen? Was ist mit ihrem Kollegen? Reicht der Sauerstoff? Begegnet sie den Naziflugscheiben aus Iron Sky?

Die visuellen Effekte sind wirklich bombastisch und hier wird Gravity auch mit ziemlicher Sicherheit den Oscar einstreichen. Noch nie zuvor hatte ich nach einem Film so sehr das Gefühl, dass ich doch gern mal die Erde von ganz oben sehen würde (trotz Höhenangst). Selbst richtige Astronauten sollen von dem Ausblick begeistert gewesen sein. Doch auch der Rest der Inszenierung steht der Optik in nichts nach. Alfonso Cuarón spielt mit der Abwesenheit von Geräuschen in der Schwerelosigkeit und setzt nur auf ganz wenige Töne, die dann aber umso beeindruckender wirken. Ergänzt wird alles mit einem Soundtrack, der irgendwie immer passt, aber dabei doch dezent im Hintergrund bleibt.

Also alles gut und volle Punktzahl? Nein, denn auch die schönste Milchstraße hat einige Schlaglöcher. Denn auch wenn Sandra Bullocks Überlebenskampf irgendwie mitreißt, ist es doch außen hui und innen geht so. Denn es bleiben so richtige Überraschungen aus. Sie wird von einer Katastrophe in die nächste geschleudert und dabei geht es auch gerne mal reichlich unrealistisch zur Sache. Okay, ich kann es nicht beurteilen, also ist vielleicht unglaubwürdig der bessere Ausdruck. Gerade im Gegensatz zu der unfassbar realistischen und detaillierten Welt wirken die Dinge, die darin passieren, teilweise sogar ziemlich dämlich. Da ist auf einmal ein freundlicher Farmer, der heimlich die Frequenz mithört und multilinguale Gebrauchsanweisungen und ein Feuerlöscher.

Das klingt vielleicht komisch, aber für mich persönlich schafft der Film einfach den Spagat nicht. Er sieht aus, wie eine Weltraumdoku und präsentiert aber eine hanebüchene Ereigniskette. Wie man das hätte lösen können, weiß ich allerdings auch nicht. Mehr Doku wäre wahrscheinlich langweilig geworden und mehr Kram und Bang und Zeug wäre wahrscheinlich Trash gewesen. So war es teilweise recht lahm und ermüdend und teilweise trotzdem zu übertrieben spannend.

Mich hat Gravity einfach nicht mitnehmen können. Klar, es war schon schön für die Augen und Ohren, aber nach 20 Minuten hatte ich mich erstmal sattgesehen und dann ließ die Begeisterung spürbar nach. Klar, Clooney und vor allem Sandra Bullock machen ihre Sache super, die Kamera ist toll und alles, aber für mich eben einfach nicht überragend. Trotzdem sollte man Gravity gesehen haben, allein um mitreden zu können. Ich glaube, er funktioniert auch auf dem kleineren Bildschirm, aber wenn ihr die Chance habt, noch eine Vorstellung im Kino mitzunehmen, dann tut lieber das, denn da wirkt der Film sicher deutlich stärker. Für mich 7 von 10 Punkten und damit eine gelungene Eröffnung der Oscarsaison. Ich habe zum jetzigen Zeitpunkt erst zwei weitere Streifen gesehen und kann daher noch nicht wirklich einschätzen, wo Gravity im Gesamtfeld steht. Was man so hört, werden es wohl einige Goldjungen in den technischen Kategorien, aber in den großen Kategorien dürfte die Konkurrenz stärker sein. Aber im März wissen wir mehr.

Nominiert für:

  • Nominierung in der Kategorie Bester Film
  • Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Alfonso Cuarón
  • Nominierung in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin für Sandra Bullock
  • Nominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild für Andy Nicholson, Rosie Goodwin und Joanne Woollard
  • Nominierung in der Kategorie Beste Filmmusik für Steven Price
  • Nominierung in der Kategorie Beste Kamera für Emmanuel Lubezki
  • Nominierung in der Kategorie Bester Schnitt für Alfonso Cuarón und Mark Sanger
  • Nominierung in der Kategorie Bester Ton für Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro
  • Nominierung in der Kategorie Bester Tonschnitt für Glenn Freemantle
  • Nominierung in der Kategorie Beste visuelle Effekte für Tim Webber, Chris Lawrence, Dave Shirk und Neil Corbould

Wie ich 2014 kennenlernte und mit ihr „Vielleicht lieber morgen“ schaute

Sam: „Ich hab mich gefragt, warum ich und alle, die ich liebe uns immer jemanden aussuchen, der uns behandelt als wären wir nichts weiter als ein Stück Dreck.“
Charlie: „Wir akzeptieren das, was wir zu verdienen glauben.“
– Vielleicht lieber morgen

Es ist der Neujahrsmorgen 2014 und eigentlich wollte ich schon längst aufgestanden sein, als es auf einmal an der Tür klingelt. Obwohl ich gestern schon um 23 Uhr im Bett lag, wollte das mit dem Einschlafen irgendwie nicht so richtig klappen – konnte dann ja auch keiner ahnen, dass Punkt Mitternacht auf einmal Böller und Raketen gezündet wurden, als gäbe es kein Morgen mehr. So bin ich nach einer Stunde schlaflosen Rumwänzelns noch einmal aufgestanden und habe noch etwa zwei Stunden ein Ballerspiel am Computer gezockt. Borderlands 2 statt Böller! Jedoch verschob sich so natürlich auch mein geplanter Aufstehzeitpunkt, weshalb ich auch noch relativ verschlafen bin, als ich dem unbekannten Klingelnden im Bademantel die Tür aufmache.

2014: „Moin, ich bin 2014, freut mich dich kennenzulernen. Ich habe uns eine DVD mitgebracht.“
Ich: „Oh, mit dir hätte ich ja nun gar nicht gerechnet. Tut mir leid, ich hab jetzt nicht extra aufgeräumt.“
2014: „Ach kein Problem. Ich bin auch eher der unordentliche Typ. Lässt du mich trotzdem rein? So ganz ungezwungen einen Film gucken?
Ich: „Meine letzte Beziehung mit dem Jahr 2013 ist gerade einmal einen Tag her und ich weiß nicht, ob ich schon bereit für etwas Neues bin.“
2014: „Lass uns einfach abwarten was passiert. Alles kann, nichts muss!“

Und so machte ich uns beiden einen Tee und 2014 schob schon mal die DVD ins Laufwerk rein. Sie hatte „Vielleicht lieber morgen“ ausgesucht. Ich wusste nicht viel von dem Streifen, nur dass er im Original „The Perks of Being a Wallflower“ heißt, was der zehntausendmal schönere Titel ist und das Emma Watson, die als Hermine Granger bekannt geworden ist, und der Typ aus Percy Jackson mitspielen. Ich ließ mich also überraschen und wurde sehr positiv überrascht. Denn das neue Jahr startete direkt mit einem neuen Lieblingsfilm. Aber von vorne.

Charlie ist ein schüchterner Junge kurz vor seinem ersten Tag an der High School. Das heißt natürlich wie in fast allen Filmen mit diesem Setting: Mauerblümchen, keine Freunde, sehr belesen, einsam und auf der Suche nach Anschluss. Okay, nicht gerade innovativ, aber man muss das Rad nicht neu erfinden, wenn es schon so sehr gut rollt. Aber wenn man geile Felgen und ne fesche Farbe nimmt, ist selbst so etwas wie das gute alte Rad wieder richtig flott.

Und das gelingt Stephen Chbosky, der hier seinen eigenen Briefroman als zweite Regiearbeit auf die Leinwand bringt. Denn die Geschichte von Sam und seinem neuen Freundeskreis ist so sensibel erzählt, schön und aus dem Leben gegriffen, dass ich tatsächlich nach der ersten Viertelstunde dachte: Das kann doch nicht wahr sein, ich muss anhalten, ich halte es nicht aus den zu gucken, so gut ist der!

Mag sein, dass der Film auch einfach einen Nerv bei mir getroffen hat. Ein leicht melancholische Grundstimmung, dazu sehr viel Identifikationspotential mit Charlie, garniert mit schöner Musik und einem feinen Humor und schon hat man mich komplett überzeugt.

Charlie findet einen neuen Freundeskreis und verliebt sich sofort in Sam, das tollste Mädchen der Welt (ich musste den Namen grad nicht mal nachschauen und das ist selten, dass ich mir so kleine Details merke.) Die ist einfach nur froh, so einen tollen Freund wie ihn zu haben und merkt nicht, dass da mehr sein könnte. Um diese Grundprämisse strickt Chbosky Drogenerfahrungen, Homosexualität und Probleme, die viel tiefer liegen.

All das wird von einem unglaublich starken Cast getragen. Klar sehen alle ein wenig zu gut aus, um als Außenseiter durchzugehen, aber das konnte ich irgendwie total schnell vergessen. Logan Lerman, der vor allem als Percy Jackson bekannt geworden ist, spielt zu seiner Rolle passend sehr zurückhaltend aber unglaublich sympathisch. Ich wollte ihn eigentlich die ganze Zeit nur in den Arm nehmen und sagen: „Komm schon, das wird schon alles wieder werden.“ Und Emma Watson beweist in ihrer zweiten großen Rolle nach Hermine, warum sie inzwischen zu den großen Jungstars gehört. Sobald man sie zur Musik von David Bowie sieht, ist man einfach verliebt. Sie strahlt und für mich war es hundertprozentig klar, warum Charlie sich unsterblich in ihre Figur verliebt.

Ich hatte immer wieder feuchte Äugelein während des Schauens und noch häufiger dachte ich: Ja, das kenne ich und genau das frage ich mich auch manchmal (siehe Zitat am Eingang dieses Textes.) Es passte einfach wie Radkappe auf Rad auf Auto, um den Vergleich von vorhin noch mal rauszuholen. Trotzdem ziehe ich für ein bis zwei kleine Details einen halben Punkt ab, das ist aber ein persönliches Geschmacksurteil, dass ich hier nicht weiter begründen möchte, weil ich sonst zu viel vom Film verraten würde. Und vielleicht schaue ich ihn in einem halben Jahr noch einmal und denke: Joa, ganz nett, aber was ich damals so besonders fand, weiß ich jetzt auch nicht mehr. Im Moment, einen Tag danach, bin ich aber immer noch wirklich bewegt und fasziniert und würde jedem raten, der etwas mit gefühlvollen Filmen über das Erwachsenwerden anfangen kann, „Vielleicht lieber morgen“ zu schauen und das vielleicht lieber schon heute.

Während des Abspanns schaute ich 2014 an, die neben mir saß und mit den Tränen kämpfte. Vielleicht wird es ja doch was mit uns beiden. Um meine ehemalige Lieblingsband Muff Potter zu zitieren: „Es könnte was werden. Ich könnte sie lieben. Lernen.“ Aber ich wollte nichts überstürzen. „Du bist noch so jung und wir haben alle Zeit der Welt. Es sind noch mindestens 500 Tage bis zum Sommer. Ich bring dich zu Tür, aber komm ruhig bald mal wieder vorbei und bring auch gerne wieder einen Film mit.“ Denn eins muss man 2014 jetzt schon mal lassen: Sie hat deutlich besseren Filmgeschmack als ihre Vorgängerin.

Silvester im Bademantel – Jahresrückblick vor dem Schlafengehen

Erinnerst Du Dich, dass es jemals nicht die reinste Pest war, zu Silvester? Sven van Thom – Scheiß Silvester

2013: So, ich geh dann mal Zigaretten holen.
Ich: Muss das sein? Kannst du nicht einen Abend auf die Dinger verzichten?
2013: Ich habe mir vorgenommen, im nächsten Jahr damit aufzuhören.
Ich: Ach, man macht sich Vorsätze? Wie wäre es denn gleich mal damit, etwas mehr Sport zu treiben?
2013: Da fange ich sogar jetzt schon mit an, indem ich mal losgehe. Wir sehen uns.

Und dann ging 2013 und ließ mich hier sitzen, vor dem Computer mit meiner Flasche Mate und kam nie wieder zurück. So ist es ja auch immer in solchen Geschichten und natürlich rechnet da auch niemand mit, zack, und auf einmal ist es aus, das Jahr. Der ganz große Knall, na frohes Fest. Das Feuerwerk der Gefühle ausgebrannt. 2013 du Schwein, ich dachte, es wäre etwas Ernstes mit uns beiden!?

Nachdem mein Silvester letztes Jahr eine relative Katastrophe war – es fing damit an, dass unser Zug fünf Minuten nach Fahrtbeginn ein Auto voll in die Seite rammte, was die Stimmung unabänderlich zu Boden drückte – dachte ich mir, dass ich dieses Jahr etwas mache, das vor zwei Jahren schon mal super geklappt hat: Den Tag einfach mal ganz allein Zuhause verbringen, nichts Sinnvolles machen, den ganzen Tag im Bademantel rumlaufen (wie der Dude) und früh ins Bett gehen, um den Jahreswechsel zu verschlafen. So entspannt wie damals bin ich lange nicht mehr an Neujahr erwacht.

Daher habe ich gestern alle Vorbereitungen getroffen, um einen perfekten Tag zu haben. Ich habe mein Bett frisch bezogen, habe mich rasiert, aufgeräumt, Wäsche gewaschen und ganz viel leckeres Zeug gekauft – Mate, eine Tüte Chips und ein Eis – um noch einmal so richtig zu sündigen, bevor es im nächsten Jahr wieder mit Sport und ordentlicher Ernährung weitergeht. Vorsätze und so.

Warum ich nicht mit anderen Leuten feiern wollte? Schwer zu sagen, hat auf jeden Fall mit meinem komischen Kopf zu tun. Ich habe wirklich viele Einladungen und Angebote von lieben Menschen bekommen, den Abend gemeinsam zu verbringen, aber ich habe alle abgelehnt. Schon seit zwei Monaten habe ich mich diebisch auf diesen Tag gefreut. Einerseits mal so richtig gehen lassen, andererseits das Jahr noch mal sacken lassen. Und jetzt, um kurz nach 22 Uhr, war es zwar wirklich entspannt. Aber irgendwie hatte ich es mir besser vorgestellt, erfüllender und so. Aber konnte ja auch keiner ahnen, dass 2013 einfach so abhauen würde. Was für ein blöder Zeitpunkt für eine Trennung!

Jahresrückblicke sind bescheuert, finde ich. Da wird schon Anfang Dezember zusammengefasst, wie krass das Jahr war und wie geil und was für fette Partys am Start waren und wer der heißeste Promi war und wo das übelste Unwetter tobte und so weiter. Und dann ist am 28. Dezember doch noch ne richtig geile Party mit Promis und Unwettern und alle Redakteure bei den Sendern so: „Doof.“ Trotzdem will auch ich, nicht im Detail, sondern nur ganz allgemein auf die vergangen 365 (es war doch kein Schaltjahr, oder?) zurückblicken. Als kleines Hilfsmittel nutze ich Facebook. Nachdem ich mich im Oktober 2012 (um nach einem Mädchen zu suchen, Trottel ich) da angemeldet habe, ist es nun mein erstes richtiges Jahr mit dem sozialen Netzwerk. Dadurch lohnt sich auch mal zu schauen, was Facebook sagt, was meine 20 wichtigsten Momente waren – wahrscheinlich durch Gefällt-mir-Klicks und Kommentare bewertet. Ich werde nicht alle durchgehen, sondern nur auf einige wenige eingehen.

Wurde gerade vom #sutra als Mitarbeiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim AStA bestätigt. Danke dafür. (23. Januar) – Fast ein ganzes Jahr habe ich diesen Job gemacht und dabei wirklich viel gelernt und noch mehr tolle Leute kennengelernt. Wäre ich noch länger Student gewesen, hätte ich das sehr gerne weiter gemacht. War jut!

Meine erste, selbstgekochte, vegane Lasagne. (27. März)
– Ja, um die Zeit habe ich ungefähr angefangen meine Ernährung umzustellen. Und siehe da, es hat nicht nur funktioniert, sondern auch geschmeckt. Auch wenn der Dezember wieder sehr sündenreich war, bin ich sicher, dass der Monat als Ausrutscher zu verzeichnen ist. Ab Januar geht es wieder deutlich bewusster zu. Ging doch und mir besser! Seit über einem halben Jahr habe ich übrigens auch keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken. Ich glaube, das behalte ich auch noch eine Weile bei.

Letzter Gürtelkauf: 1,50 Meter (Dezember) – heutiger Gürtelkauf: 1,30 Meter (heute). Mysteriös. (18. Juni)
– Es hat sich halt doch bemerkbar gemacht. Die Gewichtsbeiträge wiegen eindeutig am schwersten (höhö) in meiner Jahreschronik. Über 50 Kilo in nem halben Jahr. Kann man mal machen und sollte man, ich, wenn auch nicht ganz so krass, wiederholen. 20 Kilo weniger sollte das Jahresziel sein.

Meine Damen und Herren, darf ich vorstellen: M.A. André Marschke! Ich habs geschafft und auch die letzte Hürde souverän und mit 2,0 übersprungen. Yippieyayeah Schweinebacke. (29. Oktober) – Das war das zweite große Ding in diesem Jahr. Das Ende meines Studiums und der Anfang der Arbeitslosigkeit (hoffentlich nur eine kurze Etappe meines Lebens.) Hat ja dann alles doch irgendwie geklappt, aber davon konnte man ja hier schon zu Genüge lesen.

Wenn man das alles so liest, kann man schon sagen, dass es insgesamt ein ereignisreiches und gutes Jahr war. Allerdings gab es auch unzählige Tiefpunkte, die Facebook nicht mit aufzählt – entweder, weil ich sie nicht mit aller Welt geteilt habe, oder weil sowas nicht wirklich viele Gefällt-mir-Klicks bekommt, was dafür spricht, dass ich nicht viele Freunde habe, denen es gefällt, wenn es mir schlecht geht. Das gefällt mir! Trotzdem waren diese Momente da und oftmals waren es eher Monate als Momente. Zum Glück war aber immer jemand da, der mich trotz Übergewicht aufgefangen hat und für mich da war. Danke. Für mehr fehlen mir einfach die Worte. Ich hoffe aber, dass ihr noch etwas Kraft habt, denn auch im nächsten Jahr wird es aller Wahrscheinlichkeit nach wieder Rückschläge geben. Wäre schön, wenn ihr auch dann wieder für mich da seid. Ich hoffe natürlich, dass ich mich mit offenen Armen und Ohren dafür revanchieren kann.

Es gab viele Dinge, die blöd gelaufen sind und Sachen, mit denen ich auch jetzt noch nicht ganz klarkomme. Menschen, mein Kopf, Herzen, die Zeit und der ganze Rest – wer mich kennt, weiß, was gemeint ist und wer gut gemeint nachfragen will, kann mich gerne kennenlernen. Ich bin wie ein offenes Blog, oder aber anders. Man weiß es nicht. Und ich finde es doof, dass mich das jetzt schon wieder etwas runterzieht. Aber so ist es nun mal oder so bin ich nun mal oder so ist dieses Blog nun mal (in das ich schon wieder viel zu selten schreibe, mal nebenbei.)

Wenn ihr die Möglichkeit hättet, in die Zukunft zu schauen, genau ein Jahr, würdet ihr es tun? Ich schon, weil das Warten scheiße ist. Denn wenn man wartet, dann denkt man und wenn man denkt, verrennt man sich in Gedanken und verheddert sich in seinen eigenen Erwartungen. Wenn man jedoch schon wüsste, wie das Jahr wird, könnte man dagegen steuern. Obwohl … vielleicht versuche ich auch einfach so, das Beste aus allem zu machen. Auch wenn ich irgendwie nicht wirklich optimistisch sein kann (is ein seltener Hirndefekt, eine Nebenwirkung von Dings, habe ich bei Dr. House gelernt) und sagen kann, dass alles toll und geil und überhaupt wird, bin ich doch gespannt, was kommt. Und wenn die Zukunft einen Vorteil hat, dann den, dass sie kommt und sich nicht aufhalten lässt.

Auch wenn ich bei Facebook geschrieben habe, dass ich mir vornehme im nächsten Jahr weniger nett und mehr Arschloch zu sein, glaube ich nicht, dass ich das einhalten möchte. Zwar scheinen Arschlöcher einen enormen Reiz, gerade auf Frauen auszuüben, aber das bin einfach nicht. Ich kann nun mal nicht Nein sagen und denke lieber an andere als an mich selbst. Das ist aber für die anderen zumindest nicht schlecht, glaube ich. Und das ist doch schon mal etwas.

Und außerdem ist Silvester doch eh nur ein Tag wie jeder andere auch. Nun gut, ich trage den ganzen Tag einen Bademantel und kann nicht mit offenem Fenster schlafen, aber wenn Silvester im Juni und nicht im Dezember wäre, wäre heute ein Tag wie jeder andere auch. Darum gehe ich nun auch ins Bett und freue mich morgen früh, dass ich keine Böller- oder Partyüberreste aufräumen muss. Allen Lesern wünsche ich viel Kraft, Vergnügen, Glück und Freude in den nächsten 365 Tagen. Und wer weiß, vielleicht versuche ich es nächstes Jahr mal mit wieder mit einer Feierei. Schließlich braucht selbst Dinner for One mindestens zwei Personen.