Bücher zu verschenken

Da ich sehr kurzfristig ein Jobangebot in Irland bekommen und dieses auch angenommen habe, schaffe ich die Oscarberichterstattung einfach nicht mehr – zu viel gibt es im Moment zu organisieren. Allerdings kann ich so bald Geschichten von der grünen Insel erzählen. Vorher muss ich mich aber von vielen meinen Büchern trennen. Zu schwer, zu sperrig und gerade bei Büchern, die ich schon gelesen habe, glaube ich kaum, dass ich sie nochmal lese. Wer also was will – ich habe die Bücher noch etwa eine Woche in Rostock bei mir, danach geht alles, was keiner wollte, in die Gebrauchtbuchhandlung. Ihr dürft gern zum Stöbern vorbeikommen oder blind zusagen – wer zuerst hier ist und sie abholt, liest zuerst. Die Qualität ist meistens gut bis sehr gut; einige sind auch schon leicht angelesen. Ich will für die Bücher nichts haben, freue mich aber natürlich über kleine Reisespenden – frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss!

Bücher
Hardcover:
Horst Kunze – Das große Buch vom Buch
Robert Louis Stevenson – Die Schatzinsel
Bernd List – Der Goldmacher
Rolf Lappert – Auf den Inseln des letzten Lichtes
Patrick Roth – Sunrise
Dan Brown – Das verlorene Symbol
Franz Fühmann – Der Jongleur im Kino
Christoph Peters – Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung
Stefan Zweig – Meistererzählungen
Ephraim Kishon – Total verkabelt
Rolf Schneider – Unerwartete Veränderung
Jan Faktor – Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag
Fjodor Dostojewski – Der Spieler
Adelbert von Chamisso – Peter Schlemihls wundersame Geschichte
Nathaniel Hawthorne – Der scharlachrote Buchstabe/Die Blithedale Maskerade

Softcover:
Edwin und Hannelore Kuna – Das alte Rostock und sein Handwerk
Gerrit Koehler – Drehbuch schreiben
Claus Vainstain – Erfolgreich Schreiben
Ulla Mothes – Kreatives Schreiben
Verlagssuche
Duden Abiturhilfe – Erzählende Prosatexte analysieren
Reiner Mnich/Lutz Nöh – Rostock und Warnemünde. Bildende Kunst im Stadtbild
Isländische Lyrik
Redieck und Schade – Rostocker Zorenappels – Stadt-Schreiber-Geschichten
Joachim Seidel – HimbeerToni
Robert Louis Stevenson – Treasure Island (Englisch)
Nick Hornby – A Long Way Down
Rainer Weiss – Lektüre zwischen den Jahren
Franz Fühmann – Pavlos Papierbuch und andere Erzählngen
Stephen King – Colorado Kid
Leonie Swann – Glennkill
Tony Parsons – Die schönste Frau der Welt
Schlaflose-Nächste-Buch – Eine traumhafte Geschichtensammlung
Daniel Kehlmann – Ruhm
Das komische Lesebuch
Juri M. Lotman – Kunst als Sprache
Duden – Rechtschreibung und Grammatik – leicht gemacht
Arthur Conan Doyle – Sherlock Holmes Geschichten
Michael Joseph/Matthias Schümann – Herrentier – ein Rostock-Krimi
Wladimir Tendrjakow – Der siebente Tag
Alessandro Sili – Die wahre Geschichte des Gian Burlasca
Terry Pratchett – Die Magie der Scheibenwelt
Terry Pratchett – Lords und Ladies / Helle Barden
Terry Pratchett – Hohle Köpfe
Terry Pratchett – Echt zauberhaft
Terry Pratchett – Heiße Hüpfer
Terry Pratchett – Fliegende Fetzen
Terry Pratchett – Der Zauberhut
Terry Pratchett – Schweinsgalopp
Terry Pratchett – Ruhig Blut
Terry Pratchett – Mummenschanz
Terry Pratchett – Schlamassel auf der Scheibenwelt
Terry Pratchett – Wachen! Wachen!
Terry Pratchett – Total verhext/Einfach göttlich

Reclam:
Lessing – Literaturwissen
Max Frisch – Andorra
Ludwig Tieck – Der gestiefelte Kater
Thomas Nagel – Was bedeutet das alles? – Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie
Chr. F. Gellert – Das Leben der schwedischen Gräfin von G
Friedrich Nietzsche – Die Geburt der Tragödie
Joseph von Eichendorff – Aus dem Leben eines Taugenichts
John L. Austin – Zur Theorie der Sprechakte
J. Chr. Gottsched – Sterbender Cato
E.T.A. Hoffmann – Der Sandmann
E.T.A. Hoffmann – Nussknacker und Mäusekönig
Johann Elias Schlegel – Canut
Sophokles – König Ödipus
Chr. M. Wieland – Musarion
Gottfried Keller – Kleider machen Leute
G. E. Lessing – Miss Sara Sampson
Andreas Gryphius – Catharina von Georgien
Daniel Casper von Lohenstein – Cleopatra

Besonderes:
Kochbuch: Lust auf leichte Küche
Heinrich Mann – Die Jagd nach Liebe (Ausgabe von 1967)
Alexej Tolstoi – Der hinkende Fürst (Ausgabe von 1966)
Schillers Werke in zehn Bänden – Band 4 – 7; sehr alt; in Frakturschrift
Mark Twain – Tom Sawyers Abenteuer (Ausgabe von 1951)

Oscars Werkschau 2014 – Teil 3: Captain Phillips

I am sailing, I am sailing. Home again ‚cross the sea. Rod Stewart – Sailing

Tom Hanks ist zurück. Okay, er war nie wirklich weg, aber eine Rolle, in der er auftrumpfen kann und einen guten Film trägt, ist doch schon etwas länger her. 19 Jahre nach Forrest Gump spielt er in Captain Phillips mal wieder den titelgebenden Helden. Wie er sich dabei schlägt, warum die Piraten keine Augenklappen tragen und nicht die ganze Zeit „ARRRRRR“ machen und ob man sich den neusten Streich von Paul Greengrass angucken sollte, verrate ich euch gleich. Von der Handlung verrate ich dagegen wie immer nicht viel – ihr könnt also beruhigt weiterlesen, ohne gespoilert zu werden.

Captain Phillips ist – und das kommt jetzt wahrscheinlich für einige mehr als überraschend – Kapitän. Auch ich dachte, dass ich ein Biopic über Gerard Philips, den Gründer des Elektronikkonzerns, zu sehen bekomme. Aber nein, wir haben ein L mehr im Namen und auch sonst gibt es kein auffälliges unauffälliges Product Placement – Tom Hanks trägt sogar Bart und hat nicht die Chance genutzt, sich in einer Szene formschön mit dem neuen Philips-Schwingkopf-Fünfklingentrimmer die Gesichtsbehaarung zu stutzen.

Der Bärtige ist also Schiffslenker (und nein, es gibt auch keine Szene, in der er irgendwo hinschifft) und steuert sein Containerfrachter über alle sieben Weltmeere. Sein aktueller Auftrag führt ihn vom Oman über den Golf von Aden nach Mombasa. Für die Leute, die keine Afrika/Asienkarte im Kopf haben: Der Weg führt vorbei an Somalia und in Somalia gibt es ganz viele Piraten. Darum hat Captain Jack (eigentlich heißt er Richard, aber Jack klingt lustiger) auch ein ganz schlechtes Gefühl als er im Hafen losschippert und lässt die Crew Sicherheitsübungen durchführen. Und weil es wirklich es nicht wirklich hollywoodtauglich wäre, einen Film zu zeigen, wo ein Schiff von A nach B fährt, zwischendrin eine Übung macht und dann problemlos ankommt, treten die Piraten natürlich wirklich auf den Plan. Und dann wird es spannend, denn ein packender Wettkampf zwischen David und Goliath beginnt.

Auch wenn die Grundprämisse erst mal nicht wirklich unterhaltsam klingt – Piraten wollen Schiff kapern, Schiff will nicht gekapert werden und keiner isst Kapern – gelingt es Paul Greengrass wirklich erstaunlich, über zwei Stunden hinweg die Spannung aufrechtzuerhalten. Dabei lässt er sich viel Zeit und lässt die Kamera auch immer wieder auf dem großen Pott und seinen kleinen Verfolgern verweilen, sodass man wirklich ein Gefühl bekommt, mit dabei auf hoher See zu sein. Es sieht einfach toll aus und gerade für mich, der total auf maritimes Flair steht, reichen die Aufnahmen von Chefkameramann Barry Ackroyd schon aus, um dem Film zu mögen.

Die Hauptdarsteller des Films sind zwar vor allem die Schiffe und das Meer, aber ohne gute Akteure ließe sich wohl kaum die Stimmung des Thrillers über die gesamte Spielzeit halten. Dabei liefert der schon erwähnte Tom Hanks natürlich gewohnt souverän ab, aber auch der Rest vom Cast macht einen super Job. Vor allem die Piraten, die von Schauspielanfängern verkörpert werden, überzeugen komplett. Durch sie bekommt die sonst etwas platte und abgedroschene Handlung auch etwas Tiefgang, denn sie werden hier nicht als die bösen, fiesen Piraten präsentiert, sondern als Menschen, die nicht anders können und nur ihre Familie ernähren wollen. Dieser Zwiespalt, in dem sie stecken wird, gut deutlich und auch glaubhaft von Barkhad Abdi und seinen Kollegen verkörpert.

Der Film erzählt eine wahre Geschichte aus dem Jahr 2009 nach, weshalb es natürlich schwierig ist, den Sinn hinter einigen Aktionen zu erfragen. Trotzdem haben wir es nicht mit einer Dokumentation, sondern mit einem Spielfilm zu tun, weshalb er sich diese Fragen zumindest gefallen lassen muss. So sind die Piraten zwar schon glaubhaft und zwiespältig gezeichnet, Captain Phillips selbst wirkt aber wie ein klassischer (ja, vielleicht auch amerikanischer) Superheldenmenschtyp, der nie einen Fehler oder etwas Böses tut und vielleicht sogar am liebsten selbst noch Geld für seine Angreifer spenden würde. Man würde doch ein etwas anderes Verhalten bei Angriffen erwarten. Und auch die Rolle und das Bild des Militärs hätte meiner Meinung nach noch etwas differenzierter ausfallen können.

Außerdem geht der Film halt eben doch über zwei Stunden und soooo viel passiert da eben nicht. Klar ist es schon irgendwie immer spannend und man ist auch gepackt, das täuscht aber nicht über einige kleine Längen hinweg, die es auf jeden Fall gibt. Und auch großartige Innovationen sollte man von Captain Phillips nicht erwarten. Aber die braucht es ja auch nicht immer und ein sehenswerter und spannender Thriller ist es auf jeden Fall, weshalb ich insgesamt 7,5 von 10 Punkten vergebe, eventuell mit einer ganz leichten Tendenz nach oben. Sehr solide Kost mit schönen Bildern, die man aber vor allem kein zweites Mal sehen braucht, da die Spannung vor allem daherrührt, dass man nicht weiß, wie die Situation ausgeht.

Oscarchancen?
Auch wenn Tom Hanks wirklich gut abliefert, ist er – meiner Meinung nach auch zurecht – nicht für einen Goldjungen nominiert. Die Konkurrenz bei den männlichen Hauptdarstellern ist in diesem Jahr auch einfach gigantisch. Bester Film wird er ziemlich sicher auch nicht, beim Preis für den besten Nebendarsteller könnte Barkhad Abdi eine Überraschung gelingen. Bei den Bafta, dem britischen Filmpreis, konnte er das Rennen für sich entscheiden, bei den Oscars würde ich aber eher auf Bradley Cooper oder Jared Leto tippen.

Nominiert für:

  • Bester Film
  • Bester Nebendarsteller (Barkhad Abdi)

Oscars Werkschau 2014 – Teil 2: Nebraska

These boots are made for walking, and that’s just what they‘ll do. Nancy Sinatra – These Boots Are Made for Walkin‘

Ich sitze gespannt und auch etwas müde in einem kleinen Kino in Berlin. Endlich wieder Oscarfilme schauen! Auf dem Programm steht Nebraska, von dem ich eigentlich gar nichts weiß, außer, dass er für den begehrten Hauptpreis nominiert ist. Nach dem Vorspann dann eine Szene in schwarz-weiß. Ich tippe meinen besten Freund neben mir an: „Der ist doch nicht etwa komplett so, oder?“ Er: „Doch, ich dachte, das wüsstest du?!“

Viel zu lange hat es gedauert, dass ich hier endlich mit meiner Werkschau der diesjährigen Academy Awards weitermache. Zum jetzigen Zeitpunkt, gut zwei Wochen vor der Verleihung, habe ich bereits acht der neun Nominierten gesehen. Ich könnte das Gesamtfeld schon gut einschätzen und habe auch schon einen Favoriten, allerdings hebe ich mir das alles noch auf. Heute soll es erstmal um Nebraska gehen. Dabei verzichte ich natürlich wie immer auf Spoiler oder zu detaillierte Hintergründe zur Handlung – ihr sollt den Film ja auch noch selbst schauen.

Es war einmal ein alter Mann (und alte Männer gibt es ja viele, ich selbst bin gar nicht mehr so weit weg davon und womöglich lässt sich dieses Alter auch nicht mehr lange aufhalten – wie dem auch sei) und ein Lotterielos. Diese Lose kennt jeder: Herzlichen Glückwunsch [zufälliger Name in anderer Schriftart], sie haben gewonnen. Überweisen sie uns nur 100 Euro und schon überweisen wir Ihnen 10000 Euro! Dem alten Woody wird sogar noch mehr versprochen: eine Million Dollar, die er sich nur persönlich in Nebraska abholen muss. „1500 Kilometer? Ein Klacks!“, denkt er sich und marschiert los.

Auf einer Autobahnauffahrt wird er von zwei Polizisten gestoppt und nach Hause gebracht (das erinnert mich an eine Geschichte, die mir mal passiert, allerdings war ich da noch nicht alt und senil, habe jedoch noch getrunken.) Apropos Trinken; auch dem war Woody über die Jahre nicht abgeneigt, worunter auch die Beziehung zu seinen Söhnen gelitten hat. Seine Frau (wirklich toll gespielt von June Squibb) meckert und zetert, doch der leicht senile und sehr dickköpfige Rentner geht bei der nächsten Gelegenheit wieder los. Er will seinen Gewinn und lässt sich nicht davon überzeugen, dass die ganze Sache vielleicht nur eine Betrügerei ist.

Also erbarmt sich sein Sohn David, mit ihm die (Tor)Tour zu machen. Beide kommen auch in der alten Heimat vorbei, wo sich schnell rumspricht, dass Woody bald reich ist. Auf einmal fällt jedem ein, dass er ihm doch vor Ewigkeiten was geliehen hat und überhaupt immer schon sein bester Freund war. Und gönnen tut natürlich sowieso keiner keinem etwas. Die Familie zofft und verträgt sich und es entwickelt sich ein familiärer Roadtrip. Allerdings nicht in einem geklauten Sportwagen, wie sonst häufig in Roadmovies, sondern in einem gut klimatisierten Reisebus mit Wärmedecken.

Nebraska verzichtet komplett auf Hektik und ist der wohl am langsamsten erzählte Film im gesamten, diesjährigen Oscarfeld. Die Kamera bleibt lange auf Szenen, es wird oft nicht viel gesagt, Landschaften werden gezeigt und alles wird von einem ganz entspannten Country-Soundtrack untermalt. Es wirkte schon so, als wäre das vorwiegend alte (Ü 50) Kinopublikum mit mir im Saal eher die Zielgruppe, als ich, der ja sowieso ein von Actionfilmen und den Medien abgestumpfter Klotz ist. Und weil alles soooo ruhig und beschaulich war und mein Tag lang und anstrengend, schlummerte ich – gegen meinen Willen – auch einige Minuten ein.

Das machte aber nichts, denn als ich die Augen aufmachte, war immer noch nicht viel passiert. Und auch wenn das alles ziemlich abwertend klingt, ist Nebraska ein guter, ansehnlicher Film, den ich auch gern mehr gemocht hätte. Die Darsteller sind sympathisch, die Stimmung ist versöhnlich, man kann sich gut entspannen und es gibt auch viele wirklich lustige Stellen. Aber in leise, nicht so zum Brüllen komisch. Ich war halt einfach nicht in der Stimmung für so einen Film und auch nicht vorbereitet. Und vielleicht bin ich auch zu jung, aber gleichzeitig wäre es auch ziemlicher Quatsch, die Wirkung eines Films vom Alter abhängig zu machen. Es soll ja auch junge Menschen geben, die Lost in Translation gut finden (für mich persönlich ja absolut unverständlich.)

Wer ein Problem damit hat, sich Landschaften mit Menschen und Musik anzuschauen, ohne dass viel passiert, sollte Nebraska vielleicht lieber weiträumig umfahren. Wem das jedoch bewusst ist, kann mit diesem Film auch ein kleines Juwel entdecken, dass man ins Herz schließen möchte und nicht mehr loslassen, weil es doch so lieb und nett ist. Ich schwanke irgendwo dazwischen und fühlte mich stellenweise gelangweilt, stellenweise gut unterhalten und größtenteils in so eine warme, flauschige Wolke eingehüllt. Und diese Wolke hatte die Form einer 6,5, was ganz zufällig auch meiner Punktzahl entspricht (auf einer Skala von 0 bis 10.)

Oscarchancen? Kaum! In der Königsklasse sind einfach zu viele starke Streifen im Rennen, da ist es zwar schön, dass so eine kleine Komödie etwas Bekanntheit erlangt, allerdings wäre es eine enorme Überraschung, wenn er dort, ebenso wie bei der Regie, gewinnt. Beide Darsteller überzeugen in ihrer Rolle, aber auch da ist die Konkurrenz einfach zu groß, besonders bei den Männern. Ähnliches gilt auch für Drehbuch und Kamera. Ich lege mich mal fest, dass Nebraska leer ausgehen wird. Und damit könnte ich auch leben.

Nominiert für:

  • Nominierung in der Kategorie Bester Film
  • Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Alexander Payne
  • Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Bruce Dern
  • Nominierung in der Kategorie Beste Nebendarstellerin für June Squibb
  • Nominierung in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch für Bob Nelson
  • Nominierung in der Kategorie Beste Kamera

Oscars Werkschau 2014 – Teil 1: Gravity

Völlig losgelöst, von der Erde, schwebt das Raumschiff, völlig schwerelos. Tom Schilling – Major Tom

Da ist so ein Kribbeln. Ein komisches Gefühl auf der Haut. Mein Kopf ist leicht benommen. Irgendwas stimmt da doch nicht. Also Arzt aufgesucht, angestellt, abgecheckt und Aufklärung bekommen: Es sind die Oscars! Nehmen Sie regelmäßig Filme zu sich und bei Risiken und Nebenwirkungen schreiben Sie am besten selbst die Packungsbeilage.

Im letzten Jahr habe ich angefangen, im Rahmen der Oscars zwei von meinen liebsten Hobbys miteinander zu verbinden: Filme und Schreibkram. Da ich Spaß daran hatte, werde ich auch in diesem Jahr wieder versuchen, alle Nominierten für Bester Film zu schauen und für jeden einen kleinen Text zu schreiben. Los geht es mit Gravity, dem SciFi-Streifen von Alfonso Cuarón, der bereits im Oktober des vergangenen Jahres bei uns lief.

Gravity sind 90 Minuten visueller Hochgenuss. Um das zu bezahlen, wurde bei den Schauspielern gespart. Es gibt Sandra Bullock und George Clooney, dazu die Stimme von Ed Harris und einen weiteren Typen. Das war es. Aber der eigentliche Star des Films ist eh der Weltraum, den Alfonso Cuarón und sein Team auf die Leinwand zaubern.

Astronaut Matt Kowalsky und Wissenschaftlerin Ryan Stone haben die Mission, das Weltraumteleskop Hubble zu reparieren. Doch das Weltall ist groß und so fliegt da einiges rum und trifft dann anderes und schon kommt es zur Katastrophe. Und zack ist auf einmal ein Müllsturm in der Umlaufbahn und der trifft dummerweise auch Shuttle, Teleskop und Forscher. Und so nimmt das Unglück seinen Lauf.

Ich muss zugeben, dass ich vor dem Kinobesuch überhaupt nicht an Gravity interessiert war. Ja, die Effekte sollen super sein, aber der Rest? Sandra Bullock, die ne Stunde allein und verwirrt durchs All fliegt – wie soll das bitte ein guter Film werden? Das kann doch überhaupt nicht spannend oder mitreißend sein. Allerdings täuschte ich mich, zumindest ein wenig. Denn irgendwie wurde ich doch mitgerissen. Auch wenn es nur ein Kammerspiel (mit der wahrscheinlich größten denkbaren Kammer überhaupt) ist, kommt doch Spannung auf. Schafft sie, es rechtzeitig zur rettenden Station zu kommen? Was ist mit ihrem Kollegen? Reicht der Sauerstoff? Begegnet sie den Naziflugscheiben aus Iron Sky?

Die visuellen Effekte sind wirklich bombastisch und hier wird Gravity auch mit ziemlicher Sicherheit den Oscar einstreichen. Noch nie zuvor hatte ich nach einem Film so sehr das Gefühl, dass ich doch gern mal die Erde von ganz oben sehen würde (trotz Höhenangst). Selbst richtige Astronauten sollen von dem Ausblick begeistert gewesen sein. Doch auch der Rest der Inszenierung steht der Optik in nichts nach. Alfonso Cuarón spielt mit der Abwesenheit von Geräuschen in der Schwerelosigkeit und setzt nur auf ganz wenige Töne, die dann aber umso beeindruckender wirken. Ergänzt wird alles mit einem Soundtrack, der irgendwie immer passt, aber dabei doch dezent im Hintergrund bleibt.

Also alles gut und volle Punktzahl? Nein, denn auch die schönste Milchstraße hat einige Schlaglöcher. Denn auch wenn Sandra Bullocks Überlebenskampf irgendwie mitreißt, ist es doch außen hui und innen geht so. Denn es bleiben so richtige Überraschungen aus. Sie wird von einer Katastrophe in die nächste geschleudert und dabei geht es auch gerne mal reichlich unrealistisch zur Sache. Okay, ich kann es nicht beurteilen, also ist vielleicht unglaubwürdig der bessere Ausdruck. Gerade im Gegensatz zu der unfassbar realistischen und detaillierten Welt wirken die Dinge, die darin passieren, teilweise sogar ziemlich dämlich. Da ist auf einmal ein freundlicher Farmer, der heimlich die Frequenz mithört und multilinguale Gebrauchsanweisungen und ein Feuerlöscher.

Das klingt vielleicht komisch, aber für mich persönlich schafft der Film einfach den Spagat nicht. Er sieht aus, wie eine Weltraumdoku und präsentiert aber eine hanebüchene Ereigniskette. Wie man das hätte lösen können, weiß ich allerdings auch nicht. Mehr Doku wäre wahrscheinlich langweilig geworden und mehr Kram und Bang und Zeug wäre wahrscheinlich Trash gewesen. So war es teilweise recht lahm und ermüdend und teilweise trotzdem zu übertrieben spannend.

Mich hat Gravity einfach nicht mitnehmen können. Klar, es war schon schön für die Augen und Ohren, aber nach 20 Minuten hatte ich mich erstmal sattgesehen und dann ließ die Begeisterung spürbar nach. Klar, Clooney und vor allem Sandra Bullock machen ihre Sache super, die Kamera ist toll und alles, aber für mich eben einfach nicht überragend. Trotzdem sollte man Gravity gesehen haben, allein um mitreden zu können. Ich glaube, er funktioniert auch auf dem kleineren Bildschirm, aber wenn ihr die Chance habt, noch eine Vorstellung im Kino mitzunehmen, dann tut lieber das, denn da wirkt der Film sicher deutlich stärker. Für mich 7 von 10 Punkten und damit eine gelungene Eröffnung der Oscarsaison. Ich habe zum jetzigen Zeitpunkt erst zwei weitere Streifen gesehen und kann daher noch nicht wirklich einschätzen, wo Gravity im Gesamtfeld steht. Was man so hört, werden es wohl einige Goldjungen in den technischen Kategorien, aber in den großen Kategorien dürfte die Konkurrenz stärker sein. Aber im März wissen wir mehr.

Nominiert für:

  • Nominierung in der Kategorie Bester Film
  • Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Alfonso Cuarón
  • Nominierung in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin für Sandra Bullock
  • Nominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild für Andy Nicholson, Rosie Goodwin und Joanne Woollard
  • Nominierung in der Kategorie Beste Filmmusik für Steven Price
  • Nominierung in der Kategorie Beste Kamera für Emmanuel Lubezki
  • Nominierung in der Kategorie Bester Schnitt für Alfonso Cuarón und Mark Sanger
  • Nominierung in der Kategorie Bester Ton für Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro
  • Nominierung in der Kategorie Bester Tonschnitt für Glenn Freemantle
  • Nominierung in der Kategorie Beste visuelle Effekte für Tim Webber, Chris Lawrence, Dave Shirk und Neil Corbould

Wie ich 2014 kennenlernte und mit ihr „Vielleicht lieber morgen“ schaute

Sam: „Ich hab mich gefragt, warum ich und alle, die ich liebe uns immer jemanden aussuchen, der uns behandelt als wären wir nichts weiter als ein Stück Dreck.“
Charlie: „Wir akzeptieren das, was wir zu verdienen glauben.“
– Vielleicht lieber morgen

Es ist der Neujahrsmorgen 2014 und eigentlich wollte ich schon längst aufgestanden sein, als es auf einmal an der Tür klingelt. Obwohl ich gestern schon um 23 Uhr im Bett lag, wollte das mit dem Einschlafen irgendwie nicht so richtig klappen – konnte dann ja auch keiner ahnen, dass Punkt Mitternacht auf einmal Böller und Raketen gezündet wurden, als gäbe es kein Morgen mehr. So bin ich nach einer Stunde schlaflosen Rumwänzelns noch einmal aufgestanden und habe noch etwa zwei Stunden ein Ballerspiel am Computer gezockt. Borderlands 2 statt Böller! Jedoch verschob sich so natürlich auch mein geplanter Aufstehzeitpunkt, weshalb ich auch noch relativ verschlafen bin, als ich dem unbekannten Klingelnden im Bademantel die Tür aufmache.

2014: „Moin, ich bin 2014, freut mich dich kennenzulernen. Ich habe uns eine DVD mitgebracht.“
Ich: „Oh, mit dir hätte ich ja nun gar nicht gerechnet. Tut mir leid, ich hab jetzt nicht extra aufgeräumt.“
2014: „Ach kein Problem. Ich bin auch eher der unordentliche Typ. Lässt du mich trotzdem rein? So ganz ungezwungen einen Film gucken?
Ich: „Meine letzte Beziehung mit dem Jahr 2013 ist gerade einmal einen Tag her und ich weiß nicht, ob ich schon bereit für etwas Neues bin.“
2014: „Lass uns einfach abwarten was passiert. Alles kann, nichts muss!“

Und so machte ich uns beiden einen Tee und 2014 schob schon mal die DVD ins Laufwerk rein. Sie hatte „Vielleicht lieber morgen“ ausgesucht. Ich wusste nicht viel von dem Streifen, nur dass er im Original „The Perks of Being a Wallflower“ heißt, was der zehntausendmal schönere Titel ist und das Emma Watson, die als Hermine Granger bekannt geworden ist, und der Typ aus Percy Jackson mitspielen. Ich ließ mich also überraschen und wurde sehr positiv überrascht. Denn das neue Jahr startete direkt mit einem neuen Lieblingsfilm. Aber von vorne.

Charlie ist ein schüchterner Junge kurz vor seinem ersten Tag an der High School. Das heißt natürlich wie in fast allen Filmen mit diesem Setting: Mauerblümchen, keine Freunde, sehr belesen, einsam und auf der Suche nach Anschluss. Okay, nicht gerade innovativ, aber man muss das Rad nicht neu erfinden, wenn es schon so sehr gut rollt. Aber wenn man geile Felgen und ne fesche Farbe nimmt, ist selbst so etwas wie das gute alte Rad wieder richtig flott.

Und das gelingt Stephen Chbosky, der hier seinen eigenen Briefroman als zweite Regiearbeit auf die Leinwand bringt. Denn die Geschichte von Sam und seinem neuen Freundeskreis ist so sensibel erzählt, schön und aus dem Leben gegriffen, dass ich tatsächlich nach der ersten Viertelstunde dachte: Das kann doch nicht wahr sein, ich muss anhalten, ich halte es nicht aus den zu gucken, so gut ist der!

Mag sein, dass der Film auch einfach einen Nerv bei mir getroffen hat. Ein leicht melancholische Grundstimmung, dazu sehr viel Identifikationspotential mit Charlie, garniert mit schöner Musik und einem feinen Humor und schon hat man mich komplett überzeugt.

Charlie findet einen neuen Freundeskreis und verliebt sich sofort in Sam, das tollste Mädchen der Welt (ich musste den Namen grad nicht mal nachschauen und das ist selten, dass ich mir so kleine Details merke.) Die ist einfach nur froh, so einen tollen Freund wie ihn zu haben und merkt nicht, dass da mehr sein könnte. Um diese Grundprämisse strickt Chbosky Drogenerfahrungen, Homosexualität und Probleme, die viel tiefer liegen.

All das wird von einem unglaublich starken Cast getragen. Klar sehen alle ein wenig zu gut aus, um als Außenseiter durchzugehen, aber das konnte ich irgendwie total schnell vergessen. Logan Lerman, der vor allem als Percy Jackson bekannt geworden ist, spielt zu seiner Rolle passend sehr zurückhaltend aber unglaublich sympathisch. Ich wollte ihn eigentlich die ganze Zeit nur in den Arm nehmen und sagen: „Komm schon, das wird schon alles wieder werden.“ Und Emma Watson beweist in ihrer zweiten großen Rolle nach Hermine, warum sie inzwischen zu den großen Jungstars gehört. Sobald man sie zur Musik von David Bowie sieht, ist man einfach verliebt. Sie strahlt und für mich war es hundertprozentig klar, warum Charlie sich unsterblich in ihre Figur verliebt.

Ich hatte immer wieder feuchte Äugelein während des Schauens und noch häufiger dachte ich: Ja, das kenne ich und genau das frage ich mich auch manchmal (siehe Zitat am Eingang dieses Textes.) Es passte einfach wie Radkappe auf Rad auf Auto, um den Vergleich von vorhin noch mal rauszuholen. Trotzdem ziehe ich für ein bis zwei kleine Details einen halben Punkt ab, das ist aber ein persönliches Geschmacksurteil, dass ich hier nicht weiter begründen möchte, weil ich sonst zu viel vom Film verraten würde. Und vielleicht schaue ich ihn in einem halben Jahr noch einmal und denke: Joa, ganz nett, aber was ich damals so besonders fand, weiß ich jetzt auch nicht mehr. Im Moment, einen Tag danach, bin ich aber immer noch wirklich bewegt und fasziniert und würde jedem raten, der etwas mit gefühlvollen Filmen über das Erwachsenwerden anfangen kann, „Vielleicht lieber morgen“ zu schauen und das vielleicht lieber schon heute.

Während des Abspanns schaute ich 2014 an, die neben mir saß und mit den Tränen kämpfte. Vielleicht wird es ja doch was mit uns beiden. Um meine ehemalige Lieblingsband Muff Potter zu zitieren: „Es könnte was werden. Ich könnte sie lieben. Lernen.“ Aber ich wollte nichts überstürzen. „Du bist noch so jung und wir haben alle Zeit der Welt. Es sind noch mindestens 500 Tage bis zum Sommer. Ich bring dich zu Tür, aber komm ruhig bald mal wieder vorbei und bring auch gerne wieder einen Film mit.“ Denn eins muss man 2014 jetzt schon mal lassen: Sie hat deutlich besseren Filmgeschmack als ihre Vorgängerin.

Silvester im Bademantel – Jahresrückblick vor dem Schlafengehen

Erinnerst Du Dich, dass es jemals nicht die reinste Pest war, zu Silvester? Sven van Thom – Scheiß Silvester

2013: So, ich geh dann mal Zigaretten holen.
Ich: Muss das sein? Kannst du nicht einen Abend auf die Dinger verzichten?
2013: Ich habe mir vorgenommen, im nächsten Jahr damit aufzuhören.
Ich: Ach, man macht sich Vorsätze? Wie wäre es denn gleich mal damit, etwas mehr Sport zu treiben?
2013: Da fange ich sogar jetzt schon mit an, indem ich mal losgehe. Wir sehen uns.

Und dann ging 2013 und ließ mich hier sitzen, vor dem Computer mit meiner Flasche Mate und kam nie wieder zurück. So ist es ja auch immer in solchen Geschichten und natürlich rechnet da auch niemand mit, zack, und auf einmal ist es aus, das Jahr. Der ganz große Knall, na frohes Fest. Das Feuerwerk der Gefühle ausgebrannt. 2013 du Schwein, ich dachte, es wäre etwas Ernstes mit uns beiden!?

Nachdem mein Silvester letztes Jahr eine relative Katastrophe war – es fing damit an, dass unser Zug fünf Minuten nach Fahrtbeginn ein Auto voll in die Seite rammte, was die Stimmung unabänderlich zu Boden drückte – dachte ich mir, dass ich dieses Jahr etwas mache, das vor zwei Jahren schon mal super geklappt hat: Den Tag einfach mal ganz allein Zuhause verbringen, nichts Sinnvolles machen, den ganzen Tag im Bademantel rumlaufen (wie der Dude) und früh ins Bett gehen, um den Jahreswechsel zu verschlafen. So entspannt wie damals bin ich lange nicht mehr an Neujahr erwacht.

Daher habe ich gestern alle Vorbereitungen getroffen, um einen perfekten Tag zu haben. Ich habe mein Bett frisch bezogen, habe mich rasiert, aufgeräumt, Wäsche gewaschen und ganz viel leckeres Zeug gekauft – Mate, eine Tüte Chips und ein Eis – um noch einmal so richtig zu sündigen, bevor es im nächsten Jahr wieder mit Sport und ordentlicher Ernährung weitergeht. Vorsätze und so.

Warum ich nicht mit anderen Leuten feiern wollte? Schwer zu sagen, hat auf jeden Fall mit meinem komischen Kopf zu tun. Ich habe wirklich viele Einladungen und Angebote von lieben Menschen bekommen, den Abend gemeinsam zu verbringen, aber ich habe alle abgelehnt. Schon seit zwei Monaten habe ich mich diebisch auf diesen Tag gefreut. Einerseits mal so richtig gehen lassen, andererseits das Jahr noch mal sacken lassen. Und jetzt, um kurz nach 22 Uhr, war es zwar wirklich entspannt. Aber irgendwie hatte ich es mir besser vorgestellt, erfüllender und so. Aber konnte ja auch keiner ahnen, dass 2013 einfach so abhauen würde. Was für ein blöder Zeitpunkt für eine Trennung!

Jahresrückblicke sind bescheuert, finde ich. Da wird schon Anfang Dezember zusammengefasst, wie krass das Jahr war und wie geil und was für fette Partys am Start waren und wer der heißeste Promi war und wo das übelste Unwetter tobte und so weiter. Und dann ist am 28. Dezember doch noch ne richtig geile Party mit Promis und Unwettern und alle Redakteure bei den Sendern so: „Doof.“ Trotzdem will auch ich, nicht im Detail, sondern nur ganz allgemein auf die vergangen 365 (es war doch kein Schaltjahr, oder?) zurückblicken. Als kleines Hilfsmittel nutze ich Facebook. Nachdem ich mich im Oktober 2012 (um nach einem Mädchen zu suchen, Trottel ich) da angemeldet habe, ist es nun mein erstes richtiges Jahr mit dem sozialen Netzwerk. Dadurch lohnt sich auch mal zu schauen, was Facebook sagt, was meine 20 wichtigsten Momente waren – wahrscheinlich durch Gefällt-mir-Klicks und Kommentare bewertet. Ich werde nicht alle durchgehen, sondern nur auf einige wenige eingehen.

Wurde gerade vom #sutra als Mitarbeiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim AStA bestätigt. Danke dafür. (23. Januar) – Fast ein ganzes Jahr habe ich diesen Job gemacht und dabei wirklich viel gelernt und noch mehr tolle Leute kennengelernt. Wäre ich noch länger Student gewesen, hätte ich das sehr gerne weiter gemacht. War jut!

Meine erste, selbstgekochte, vegane Lasagne. (27. März)
– Ja, um die Zeit habe ich ungefähr angefangen meine Ernährung umzustellen. Und siehe da, es hat nicht nur funktioniert, sondern auch geschmeckt. Auch wenn der Dezember wieder sehr sündenreich war, bin ich sicher, dass der Monat als Ausrutscher zu verzeichnen ist. Ab Januar geht es wieder deutlich bewusster zu. Ging doch und mir besser! Seit über einem halben Jahr habe ich übrigens auch keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken. Ich glaube, das behalte ich auch noch eine Weile bei.

Letzter Gürtelkauf: 1,50 Meter (Dezember) – heutiger Gürtelkauf: 1,30 Meter (heute). Mysteriös. (18. Juni)
– Es hat sich halt doch bemerkbar gemacht. Die Gewichtsbeiträge wiegen eindeutig am schwersten (höhö) in meiner Jahreschronik. Über 50 Kilo in nem halben Jahr. Kann man mal machen und sollte man, ich, wenn auch nicht ganz so krass, wiederholen. 20 Kilo weniger sollte das Jahresziel sein.

Meine Damen und Herren, darf ich vorstellen: M.A. André Marschke! Ich habs geschafft und auch die letzte Hürde souverän und mit 2,0 übersprungen. Yippieyayeah Schweinebacke. (29. Oktober) – Das war das zweite große Ding in diesem Jahr. Das Ende meines Studiums und der Anfang der Arbeitslosigkeit (hoffentlich nur eine kurze Etappe meines Lebens.) Hat ja dann alles doch irgendwie geklappt, aber davon konnte man ja hier schon zu Genüge lesen.

Wenn man das alles so liest, kann man schon sagen, dass es insgesamt ein ereignisreiches und gutes Jahr war. Allerdings gab es auch unzählige Tiefpunkte, die Facebook nicht mit aufzählt – entweder, weil ich sie nicht mit aller Welt geteilt habe, oder weil sowas nicht wirklich viele Gefällt-mir-Klicks bekommt, was dafür spricht, dass ich nicht viele Freunde habe, denen es gefällt, wenn es mir schlecht geht. Das gefällt mir! Trotzdem waren diese Momente da und oftmals waren es eher Monate als Momente. Zum Glück war aber immer jemand da, der mich trotz Übergewicht aufgefangen hat und für mich da war. Danke. Für mehr fehlen mir einfach die Worte. Ich hoffe aber, dass ihr noch etwas Kraft habt, denn auch im nächsten Jahr wird es aller Wahrscheinlichkeit nach wieder Rückschläge geben. Wäre schön, wenn ihr auch dann wieder für mich da seid. Ich hoffe natürlich, dass ich mich mit offenen Armen und Ohren dafür revanchieren kann.

Es gab viele Dinge, die blöd gelaufen sind und Sachen, mit denen ich auch jetzt noch nicht ganz klarkomme. Menschen, mein Kopf, Herzen, die Zeit und der ganze Rest – wer mich kennt, weiß, was gemeint ist und wer gut gemeint nachfragen will, kann mich gerne kennenlernen. Ich bin wie ein offenes Blog, oder aber anders. Man weiß es nicht. Und ich finde es doof, dass mich das jetzt schon wieder etwas runterzieht. Aber so ist es nun mal oder so bin ich nun mal oder so ist dieses Blog nun mal (in das ich schon wieder viel zu selten schreibe, mal nebenbei.)

Wenn ihr die Möglichkeit hättet, in die Zukunft zu schauen, genau ein Jahr, würdet ihr es tun? Ich schon, weil das Warten scheiße ist. Denn wenn man wartet, dann denkt man und wenn man denkt, verrennt man sich in Gedanken und verheddert sich in seinen eigenen Erwartungen. Wenn man jedoch schon wüsste, wie das Jahr wird, könnte man dagegen steuern. Obwohl … vielleicht versuche ich auch einfach so, das Beste aus allem zu machen. Auch wenn ich irgendwie nicht wirklich optimistisch sein kann (is ein seltener Hirndefekt, eine Nebenwirkung von Dings, habe ich bei Dr. House gelernt) und sagen kann, dass alles toll und geil und überhaupt wird, bin ich doch gespannt, was kommt. Und wenn die Zukunft einen Vorteil hat, dann den, dass sie kommt und sich nicht aufhalten lässt.

Auch wenn ich bei Facebook geschrieben habe, dass ich mir vornehme im nächsten Jahr weniger nett und mehr Arschloch zu sein, glaube ich nicht, dass ich das einhalten möchte. Zwar scheinen Arschlöcher einen enormen Reiz, gerade auf Frauen auszuüben, aber das bin einfach nicht. Ich kann nun mal nicht Nein sagen und denke lieber an andere als an mich selbst. Das ist aber für die anderen zumindest nicht schlecht, glaube ich. Und das ist doch schon mal etwas.

Und außerdem ist Silvester doch eh nur ein Tag wie jeder andere auch. Nun gut, ich trage den ganzen Tag einen Bademantel und kann nicht mit offenem Fenster schlafen, aber wenn Silvester im Juni und nicht im Dezember wäre, wäre heute ein Tag wie jeder andere auch. Darum gehe ich nun auch ins Bett und freue mich morgen früh, dass ich keine Böller- oder Partyüberreste aufräumen muss. Allen Lesern wünsche ich viel Kraft, Vergnügen, Glück und Freude in den nächsten 365 Tagen. Und wer weiß, vielleicht versuche ich es nächstes Jahr mal mit wieder mit einer Feierei. Schließlich braucht selbst Dinner for One mindestens zwei Personen.

Wie ich Master wurde und meinen Titel kurz darauf verlor

I‘ll be lost i‘ll be found in every corner of this town Slut – Tomorrow will be mine

Es war einmal, in einem fernen Land vor gar nicht allzu langer Zeit … Nein, ich will kein Märchen erzählen, aber doch eine lustige Geschichte und gleichzeitig die Chance nutzen, um hier mal wieder etwas Leben reinzubekommen. Es ist ja doch viel passiert in den vergangenen Tagen und Wochen und das Wichtigste ist wohl, dass ich jetzt hochoffiziell Master of Arts im Bereich Germanistik bin. Und alle so YEAH!

Und wenn ich so überlege, wie stressig und anstrengend das alles war, vor allem motivationstechnisch – nur noch mal für das Protokoll: Ich habe effektiv drei Wochen an den 70 Seiten gearbeitet, dann einen Abend für die Vorbereitung der mündlichen Prüfung gebraucht und am Ende ganz viele Nerven verloren – so fühlt es sich doch irgendwie unbesonders an. Vielleicht habe ich mich inzwischen auch nur einfach schon etwas daran gewöhnt.

Jedenfalls bin ich nun auf fleißig auf Jobsuche in ganz verschiedenen Bereichen, irgendwas mit Medien, Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit oder Journalismus. Die ersten Bewerbungen sind raus, drückt mir also die Daumen, dass bald die ersten Einladungen zu Vorstellungsgesprächen in meinen digitalen oder analogen Briefkasten liegen. Wer noch spannende Stellen hat, kann sie gerne in den Kommentaren posten, ich freue mich über jede Anregung!

Nun aber endlich zu der versprochenen lustigen Geschichte, die auch wieder einmal zeigt, dass ich manchmal, äußerst selten natürlich, ein ganz schöner (sympathischer) Trottel bin. Es war Donnerstag und ich war mit Freunden am Margaretenplatz, einer zentralen und offenen Fläche in Rostock verabredet. Da noch Zeit war, holte ich mich vorher kurz mein Zeugnis, das endlich fertig war, aus der Uni ab. Am Margaretenplatz setzte ich mich auf eine Bank in der Sonne und blätterte die zwei papierreichen Mappen durch und dachte so: „Joa, kann man haben, son Zeugnis.

Dann traf ich die Freunde und wir gingen ein Eis essen und der Tag war schön und so weiter. Am nächsten Abend saß ich so am Rechner, wie man das halt so macht, und bekam bei Facebook eine Nachricht von meinem Mitbewohner, die ich an dieser Stelle wortgenau wiedergeben möchte:

    „Saß gerade mit einem in ner Kneipe, der vor ein paar Tagen ne Masterurkunde der Germanistik auf dem Margaretenplatz gefunden hat. Ist das zufällig deins?“

Und ich so: „Ähh…, Moment, das kann doch eigentlich nicht sein, *nachguck*, fuck, verdammt, ja, das dürfte meine sein!“ Da hatte ich doch tatsächlich, trottelig, wie ich bin, beim Blättern in meinen Unterlagen meine Masterurkunde verloren. Ich traf meinen Mitbewohner und kurz darauf fanden wir auch den Freund des Freundes wieder, der ganz locker drauf war und der mir am nächsten Tag das Zeugnis wiedergab. Die Vorderseite und auch die Ränder sehen noch makellos aus (wer weiß, wie lange das da so auf dem Boden lag), nur auf der Rückseite ist in der Ecke ein kleiner Teil eines Fußabdruckes zu erkennen, was aber nicht wirklich tragisch ist. Bei genauerer Untersuchung stellte ich fest, dass es sich dabei wahrscheinlich auch noch um meinen eigenen Fußabdruck handelt. Ich hatte also das Blatt nicht nur verloren, sondern bin auch noch raufgetreten.

Nun ist aber alles wieder gut, ich hab die Urkunde wieder und bin froh, dass die Welt manchmal so ein Dorf ist. Was für ein Zufall, dass jemand das Blatt findet, das in der Kneipe erzählt (okay, hätte ich auch gemacht, is ja ne lustige Geschichte), aber dann auch noch mein Mitbewohner zufällig dabei ist und geistesgegenwärtig reagiert. Danke an dieser Stelle noch mal dem ehrlichen Finder und Felix, für das Retten meiner Masterwürde.

Andre ist schuld

Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt. Die Ärzte – Deine Schuld

Ich wohne jetzt seit über sechs Jahren in einer Wohnung, die im Grunde genommen eine WG ist, nur anders. Ich teile mir mit fünf weiteren Menschen einen Flur mit vier separaten Toiletten, ein Badezimmer mit zwei Duschkabinen und eine Küche. Bis vor Kurzem gab es noch einen großen Gemeinschaftsraum, doch der wurde inzwischen wegrationalisiert. Unten im Haus wohnen noch mal vier Leute, oben gibt es eine klassische WG. Zwei Mal die Woche kommt eine Reinigungsfirma vorbei und reinigt die gemeinschaftlich genutzten Räume. Das alles liegt in sehr zentraler Lage und ist dazu noch wirklich günstig. Trotzdem ist die Lage hier momentan alles andere als spaßig, hab ich ja in den vergangen Posts schon angedeutet. Und vielleicht schreibe ich darüber demnächst auch noch einmal ausführlich, was die Gründe dafür sind. An dieser Stelle soll es aber um ein Fundstück gehen, das mir noch einmal gezeigt hat, dass ich wahrscheinlich die längste Zeit in diesem Zimmer gewohnt habe.

Immer wieder wird unsere Küche bei Feierlichkeiten als gemeinschaftlicher Treffpunkt zum Vorglühen genutzt. So auch gestern. Im LT, einem Tanzschuppen, war SpoWi-Party (Kleine, absolut wertungsfreie Anmerkung für Leute, die mit einem „Prädikat: SpoWi“ T-Shirt rumlaufen: SpoWi mag ein Akronym sein, aber kein Prädikat. Er SpoWit die 400 Meter in einer Minute? Das Pferd und SpoWiehert die ganze Zeit?) Jedenfalls waren wohl auch viele Menschen aus meinem Haus da, ich selbst war außer Haus und hab lieber einen Spieleabend gemacht. Abends bin ich dann nur ins Bett gefallen und am nächsten Morgen habe ich dann folgendes Fundstück auf unserem Küchentisch entdeckt:

Was man so in der WG-Küche findet

Was für eine schöne, morgendliche Begrüßung! Als kurze Erläuterung: Auf dem Zettel sollte sich jeder für ein gemeinsames WG-Treffen eintragen. Die Aussage „Andre ist schuld“ lässt sich damit allerdings nur schwer in Verbindung bringen. Aber zu einer inhaltlichen Analyse komme ich gleich. Interessant ist vorher ein Blick auf die Typografie. Zuerst scheint es so, als ob der Schreibende (Wer es war, kann nur geahnt werden) ein wenig zittrig/betrunken war, was nicht unwahrscheinlich ist. Besonders gut scheint mich dieser jemand auch nicht zu kennen, sonst wüsste er, dass ich mit Strich auf dem e (Accent aigu) geschrieben werde und darauf auch relativ viel Wert lege. Was jedoch positiv zu bemerken ist, dass der Schreibende nicht den beliebten Fehler macht und die Schuld großschreibt (so wie in diesem Beispiel.) „Er hat Schuld“ ist richtig, in der Verbindung mit haben wäre eine Majuskel jedoch falsch. Dafür gibt es ein Bienchen.

Aber was will uns der Autor dieser Zeilen nun sagen oder anders gefragt, worin liegt meine Schuld? Diese Frage geistert mir tatsächlich schon den ganzen Tag im Kopf rum. Gemeint könnte sein, dass ich den angesetzten Termin in der letzten Woche nicht wahrnehmen konnte (Hochschulpolitik). Allerdings waren da auch Mitbewohner verhindert, wäre also eine nicht haltbare Unterstellung. Der Verfasser könnte mir auch die Schuld daran geben, dass die momentane WG-Stimmung eher angespannt ist. Das fände ich allerdings komisch, denn da gehören ja auch immer mindestens zwei dazu. Und ich hab nicht das Gefühl, das irgendwen beeinflussen sollte, wenn ich schlecht drauf bin. Komisch.

Vielleicht denke ich auch zu klein und es sind eher große Probleme, die ich nicht verhindert habe. NSA-Skandal? Ja, da hätte ich Frau Merkel schon mal Bescheid sagen können, dass ihr Handy im Visier ist. Tebartz-van Elst? Ja, sorry. Hab ihm halt gesagt: Komm altes Haus, gönn dir mal was! Krieg und Naturkatastrophen? Ich gestehe, warn Fehler damals mit der Schöpfung und so.

Was auch immer es war oder ist, an dem ich die Schuld trage: Es tut mir bestimmt leid. Ehrlich. Ich weiß zwar nicht was, aber das ist sicher dumm gelaufen. Möglicherweise.

Nach längerer Betrachtung sehe ich die ganze Geschichte als nette Geste an. Meine WG (oder der Verfasser dieser Zeilen) möchten mir einfach den Abschied aus dem Haus und aus Rostock erleichtern. Danke, echt. Bin im Kopf schon raus und auf Wohnungssuche in einer anderen Stadt. Noch Dienstag die Verteidigung irgendwie in trockene Tücher bringen und dann nix wie weg. Und ich weiß jetzt schon, dass das furchtbar wird. Ich muss jetzt schon heulen, wenn ich dran denke, was für tolle Menschen hier sind und bleiben. Wenigstens wird der Auszug wahrscheinlich nicht so hart, wie ich es vielleicht vor zwei Monaten gedacht hätte. Und auch wenn ich die Schuld für echt viele Sachen auf mich nehme, daran bin ich ausnahmsweise mal nicht (oder wenigstens nicht alleine) schuld.

Master und Desaster

Es könnte alles, so einfach sein – isses aber nicht. Die fantastischen Vier – Einfach sein

Ich habe den schriftlichen Teil meiner Masterarbeit bestanden (und alle so YEAH!) Das klingt erst einmal super und erleichternd und alles und das ist es natürlich auch, doch trotzdem ging es heute irgendwie Schlag auf Schlag und die kommende Woche wird definitiv ein heißer Tanz.

Aber vom Anfang an. Nach sechs langen Jahren Germanistikstudium habe ich am 30. September meine Masterarbeit abgegeben. Anfang September war jegliche Motivation weg, sodass ich überlegt habe: „Okay Dré, du hast zwei Optionen. Entweder: Du scheißt auf den Master und schmeißt das Studium so kurz vor dem Ziel hin. Oder: Du meldest dich zurück und versuchst im nächsten Semester noch einmal, deine Motivation zu finden.“ Irgendwie habe ich dann angefangen und die 70 Seiten mehr oder weniger komplett in zwei Wochen (mit Korrekturphase) runtergeschrieben. Dementsprechend war oder bin ich auch nicht hundertprozentig zufrieden mit der Arbeit. Es war aber das Beste, was ich ohne jegliche germanistische Grundmotivation erreichen konnte.

Nach etwa drei Wochen habe ich mal per Mail nachgefragt, wie es denn aussieht und es kam eine ziemlich negative Antwort zurück. Die Arbeit sei eine Enttäuschung, philologisch auf wackligen Beinen und insgesamt eher dünn. Von da an hieß es bangen und warten – nach der Mail habe ich schon damit gerechnet, durchgefallen zu sein – bis ich heute einen Anruf von meinem Prüfungsamt bekam. Ich versuche es mal aus dem Gedächtnis wiederzugeben, es muss irgendwie so gewesen sein:

  • Ich: Hallo?
  • PA: Ja, Prüfungsamt hier. Ich wollte mal fragen, wann Ihre Verteidigung der Masterarbeit ist.
  • Ich: Joa, wüsste ich auch gern. Habe noch kein Ergebnis und kein Gutachten bekommen. Keine Ahnung.
  • PA: Achso, hmm. Weil am 30. Oktober ist ja die feierliche Absolventenverabschiedung in der Universitätskirche. Da wollen Sie doch sicher auch dabei sein.
  • Ich: Joa, an sich klar. Aber glaube nicht, dass ich bis dahin Rückmeldung habe, geschweige denn meine Arbeit verteidigt habe.
  • PA: Schreiben Sie doch mal Ihrem Dozenten, wäre doch schade.
  • Ich: Okay, mach ich.

Etwa zehn Minuten später klingelte mein Telefon erneut, es war wieder das Prüfungsamt:

  • Ich: Hallo?
  • PA: Ja, hier noch mal Prüfungsamt. Es hatte vorhin einen Grund, dass ich Sie angerufen habe. Bei der Absolventenverabschiedung hält auch immer ein Student eine Rede. Da haben wir in diesem Jahr an Sie gedacht.
  • Ich: Achso?! Okay… Naja, ähm. Prinzipiell klar, warum nicht, kann ich mir schon vorstellen. Nur muss ich ja dann schon meine letzte Prüfung hinter mir haben, oder?
  • PA: Ja genau. Das könnte aber klappen. Das Gutachten Ihres Hauptprüfers liegt schon vor. Sie haben auf jeden Fall bestanden. Die Verteidigung müsste dann aber spätestens in einer Woche sein.
  • Ich: *Schluck* Okay…ja, das ist sehr knapp, aber klar, versuchen wir es, wenn die Dozenten damit einverstanden sind.
  • PA: Super, ich kläre das und melde mich noch einmal bei Ihnen.

Dann lagen meine Nerven erstmal gepflegt ein wenig blank. Habenseite: Schriftlicher Teil der Masterarbeit bestanden. Problem: Innerhalb einer Woche Verteidigung und Rede schreiben. Dann bin ich in die Mensa gegangen und danach einfach mal zum Prüfungsamt hin und persönlich absprechen, wie es jetzt weitergeht.

Dort bekam ich dann eine Kopie des Gutachtens meines Hauptprüfers und es liest sich ziemlich vernichtend. Wenn ich die Note nicht ausnahmsweise (aufgrund der besonderen Situation) erfahren hätte, hätte ich nie mit einer 2,7 gerechnet. Sondern maximal mit 4,0. Oder mit einem noch schlechteren Ergebnis. Problem ist nun, dass mein Zweitkorrektor nicht beim Kolloquium dabei sein kann. Davon hatte ich mir eigentlich ein wenig Sicherheit erhofft. Außerdem hab ich nicht mal eine Woche Zeit, um das Gutachten durchzuarbeiten und die Kritikpunkte entsprechend vorzubereiten. Ach ja und nebenbei muss noch eine etwa zehn- bis fünfzehnminütige Rede vorbereitet werden. Autschi!

Mein Dozent ist sehr anspruchsvoll, ich hoffe aber, dass er mich nicht durchfallen lässt. Notentechnisch ist gar nicht so viel Spielraum. Wenn ich mich nicht verrechnet habe, komme ich mit einer hypothetischen 1,0 im mündlichen Teil auf eine Gesamtmasterarbeitsnote von 2,4, bei einer 4,0 würde ich bei 3,0 auf dem Zeugnis landen. Noch weniger wird es an der Gesamtnote ausmachen. Die liegt auf jeden Fall, wenn ich bestehe (ich klopfe auf Holz), bei 1,6 oder 1,7, was total geil und viel besser als am Anfang des Studiums erwartet ist.

Die Woche jetzt wird noch mal echt stressig, aber dafür habe ich es dann wahrscheinlich am Dienstag alles hinter mir – deutlich schneller als erwartet. Drückt mir bitte alle ab 09:00 Uhr für eine Stunde die Daumen. Sonst kommt hier am Ende wieder ein total negativer und düsterer Post. Und dann war da ja noch diese Rede, nun gut, da machen wir uns dann Gedanken drum.

Ach ja, ein weiteres großes Problem ist, dass ich gerade eigentlich mal wieder dabei war, mir einen richtig schönen Holzfäller-Vollbart wachsen zu lassen. Der muss dann natürlich auch dran glauben für die Rede. Was für ein Desaster mit diesem Master.

Kinobesuch: Alles eine Frage der Zeit

Du kannst weder Hitler töten noch die schöne Helena vögeln. Bedauerlicherweise. – Alles eine Frage der Zeit

Der gestrige Samstag war einer der besten Tage seit Langem. Es fing mit einem sportlichen Großereignis, dem Crosstock, einem Teamcrosslauf im Barnstorfer Wald an (über den ich vielleicht noch mal etwas ausführlicher schreibe), ging über einen Kinobesuch und endete in einer miserablen Shisha-Bar. Das klingt vielleicht alles nicht so überzeugend, war aber wirklich super. Und toll. Und ich hab so viel gelacht, wie lange nicht mehr – möglicherweise war daran die Kombination aus sportbedingten Endorphinen und dem Wasserpfeifenrauch schuld. Vielleicht waren es meine wunderbaren Freunde, denen ich das zu verdanken habe. Oder ich verliere den Verstand, man weiß es nicht.

Dieser Post ist meine erste Filmkritik, die ich hier veröffentliche. Ich habe schon zu den Oscars persönliche Einschätzungen geschrieben und bei Moviepilot, einer wirklich grandiosen Filmcommunity, veröffentlicht. Wer meinen letzten Blogpost gelesen hat, kommt vielleicht drauf, wie ich da heiße.

Bevor die Kritik kommt, noch ein bis siebenundzwanzig Worte zu der Shisha-Bar. Das El-Waleed im Barnstorfer Weg versorgt mich seit einigen Monaten mit dem besten Falafel der Stadt. Neuerdings haben sie angebaut und bieten die Möglichkeit, Wasserpfeifen zu rauchen. Da ich das schon lange mal wieder machen wollte, hab ich charmante Menschen überredet, mit mir dahin zu gehen. Leider haben sie sich wohl noch nicht wirklich eingelebt, sodass alles irgendwie unkoordiniert, ungemütlich und unbequem war. Außerdem war es echt kalt. Die Preise gehen und auch die Leute sind nett, aber irgendwie haben wir immer mehr Sachen gefunden, die nicht gut sind, sodass wir beschlossen haben, dort auch nicht noch mal zum gemütlichen Zusammensitzen hinzugehen, jedenfalls nicht in der nächsten Zeit. Trotzdem haben wir viel gelacht und ich war einfach ungehemmt gut drauf. War gut, wie schon erwähnt.

Nun aber zu der Filmkritik des Steifens Alles eine Frage der Zeit:

Manchmal möchte man einfach ins Kino gehen und einen kleinen, angenehmen Streifen sehen, der nicht übermäßig anspruchsvoll ist, keinem wehtut und auch nicht sehr viel Denkleistung von seinem Publikum verlangt. Es geht einfach darum, eine nette (und das ist an dieser Stelle positiv gemeint) Geschichte zu hören. Ich war mal wieder in so einer Stimmung und hoffte, mit Alles eine Frage der Zeit genau den richtigen Film dafür gefunden zu haben. Der Trailer sah ganz witzig aus, also entschieden wir uns gegen große Bilder (Gravity) und gegen das große Drama (Prisoners).

Erzählt wird die Geschichte von Tim, einem jungen Erwachsenen aus Groß Britannien, der von seinem Vater anvertraut bekommt, dass männliche Familienmitglieder in der Zeit zurückreisen können – allerdings nur zu Momenten, an die sie sich persönlich erinnern. Tim probiert es ungläubig aus und siehe da, es funktioniert. Er will die Fähigkeit nutzen, um endlich die Liebe seines Lebens kennenzulernen. Doch das gestaltet sich gar nicht so leicht, wenn man es nebenbei noch allen recht machen will. Doch irgendwann lernt er Mary kennen und – ich glaube, das verrät nicht so viele – auch lieben.

Die beiden werden ein Paar und wir als Zuschauer erleben gute und schlechte Zeiten mit den beiden, mit ihren Familien und mit den guten und schlechten Freunden. Immer wieder reißt Tim in der Zeit zurück um Ereignisse zu verändern – mal erfolgreich, mal mit Problemen, die daraus folgen. Dabei steht die Zeitreiserei aber nicht im Mittelpunkt des Films, sondern die Liebes- und Familiengeschichten. Damit ist Alles eine Frage der Zeit einer der einzige Zeitreisefilm, den ich kenne (oder der mir einfällt), der nicht Science-Fiction ist. Und das ist auch gut so, denn wenn man darüber nachdenkt, offenbaren sich doch einige Logiklücken und Unstimmigkeiten. Mal geht die Reise nur zurück, mal kann er wieder zum Ausgang zurück – so ganz schlüssig ist das irgendwie nie. Aber zumindest für mich war der Film insgesamt so rund und rührselig (aber nicht kitschig) erzählt, dass ich gar keine Lust hatte, kleinkariert auf Fehlersuche zu gehen.

Besonders überzeugen konnten mich die Schauspieler. Bill Nighy gehört eh zu meinen Lieblingsakteuren, sodass es mir schon fast gereicht hat, ihn beim Spielen zu sehen. Aber auch Domhnall Gleeson und Rachel McAdams machen ihre Sache ausgezeichnet und schaffen es, sehr liebenswürdige Figuren entstehen zu lassen. Da macht es auch nicht so viel, dass einige Randfiguren, wie die Anwaltskollegen oder Tims Schwester ein wenig zu konstruiert wirken.

Bei der Auswahl der Filmmusik setzt Richard Curtis zwar schon auf recht klassische Töne, diese gingen mir aber trotzdem nah. Ich war immer hin- und hergerissen zwischen „Hach, ist das schön“, und „Schluck, ist das traurig.“
Die Geschichte hat auch durchaus einige Wendungen, die man nicht erwartet, was in sonstigen klassischen Liebeskomödien nicht immer der Fall ist. Diesen Vorteil bringt die Zeitreisekomponente mit sich, die das Geschehen insgesamt unberechenbar macht.

Für mich ist Alles eine Frage der Zeit eine rundum gelungene Kinoüberraschung und ein richtiger Wohlfühlfilm mit einigen traurigen Momenten, die mir auch wirklich nahe gegangenen sind. Dabei tut der Film aber nie weh, sondern bleibt angenehm und wirklich auf eine gute Art und Weise seicht. Wenn man Innovationen oder eine komplett schlüssige Zeitreisethematik erwartet, ist man hier wohl falsch. Wenn man jedoch, wie ich, einen kleinen, angenehmen Streifen sehen möchte, ist Alles eine Frage der Zeit eine große Empfehlung.